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Tag 0 - 1 : vom Aufbruch und Abbruch

Veröffentlicht: 08.04.2022

Tag 0: Der Abend in CLEEF war genau das, was ich brauchte. Legend, ein ehemaliger Thruhiker, baut hier ein Hikerhostel auf, das vor fünf Tagen geöffnet hat und jeden Abend bewirtet er die Starthiker des nächsten Tages mit Spaghetti. Viel wichtiger aber, er spricht viel über den Trail und was er für jeden persönlich bedeuten kann. Ein Punkt, warum bisher keine Aufregung aufkommen wollte war wahrscheinlich, dass ich den Trail so sehr eingeplant habe, dass ich in einem rein ausführenden Modus gefangen war. Legends Ansprache und das Kennenlernen der vielen anderen Hiker hat mir wieder vor Augen geführt, was für ein besonderes Unterfangen der PCT ist und worum es dabei eigentlich geht. Ich kann es kaum erwarten, morgen am Southern Terminus zu stehen und den Trail anzutreten.

Southern Terminus

Tag 1: Schon der erste Tag hält viele Überraschungen bereit und auf einige hätte ich definitiv verzichten können. Der Start vom Terminus ist unglaublich, erst jetzt realisiere ich, welche Strecke da vor mir liegt. Aber schon nach der ersten Meile fühlt es sich an wie jede andere Tour. Es ist ein sehr heißer Tag, allerdings fühlt es sich aufgrund des starken Windes nicht danach an.

 Nach 4,4 Meilen gilt es Wasser für die nächsten 16 aufzunehmen. Vor der Abreise war mein Filter verstopft, ich habe ihn zwar einigermaßen frei bekommen, doch der Durchfluss ist nichts im Vergleich zu den neuen meiner Hikerkollegen. Ich bereue, dass ich ihn nicht ersetzt habe. Zunächst leihe ich mir also den eines anderen Deutschen Hikers und kurz darauf kommt ein Schotte an die Quelle, den ich gestern kennen gelernt habe. Er konnte sich nicht zwischen dem größeren und dem kleineren Modell entscheiden und als er von meinen Schwierigkeiten hört, schenkt er mir den kleineren. Ich bin ihm sehr dankbar, immerhin spart er mir mehrere Stunden Zeit, die ich zum Wasserfiltern gebraucht hätte, bis ich den Filter hätte ersetzen können. Das Sprichwort "The Trail provides" bewahrheitet sich für mich also schon an Tag 1. Die restliche Strecke des Tages ist wunderschön und macht einfach Spaß.

Blumen in der Wüste

 Doch etwa eine Meile vor dem Zeltplatz, an dem ich heute Nacht bleiben will, wird mir plötzlich etwas schwindelig und meine Arme werden taub. Ich bin mit einem weiteren Hiker unterwegs. Wir machen eine kurze Pause und als es mir besser geht, laufe ich weiter. Kurz darauf wird mir wieder schwindelig und plötzlich muss ich mich übergeben. Brandon gibt mir Elektrolyte und wir warten ab, was passiert. Nach einiger Zeit gesellt sich ein weiterer Hiker zu uns. Als es mir nicht besser geht und ich mich zwei weitere Male übergeben muss, überzeugen mich die beiden, Hilfe zu holen. Zum Glück sind wir zu diesem Zeitpunkt auf einer Straße. Kurz bevor ein Officer der Boarderpatrol und Sanitäter der der Feuerwehr eintreffen, hält ein anderes Auto. Ein Mann und eine Frau helfen mir, indem sie mich mit Wasser abkühlen und mir mehr Elektrolyte geben. Inzwischen geht es mir langsam besser. Die Sanitäter prüfen meine Vitalwerte und kommen zu dem Schluss, dass mir abgesehen von einem kleinen Hitzestich nichts fehlt und stellen mir frei, auf dem Trail zu bleiben. Sicherheitshalber entscheide ich mich, mit dem Officer zurück nach CLEEF zu fahren und dort zu entscheiden, wie ich weiter vorgehe. Inzwischen geht es mir wieder sehr gut und Legend wird mich morgen früh zurück zu der Stelle bringen, an der ich abbrechen musste. Ich verliere also nicht einmal Zeit. Dennoch setzt mir das erlebte sehr zu. Ich habe damit gerechnet, dass etwas in der Art passieren kann, aber ich hätte niemals am ersten Tag damit gerechnet. Ich bin allen, die mir heute geholfen haben, unendlich dankbar. Wenn es morgen wieder auf den Trail geht werde ich definitiv mehr Respekt vor der Hitze haben und mich nicht vom Wind täuschen lassen. Und mir bei nächster Gelegenheit Elektrolyte besorgen.
Bis dahin.

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Antworten (3)

Ray
Viel Spaß ! Ich werde auf jeden Fall deinen Block weiter verfolgen 😊 pass auf dich auf!

Ulrike
Oh, oh, Niklas, da hattest Du ja richtig Glück im Unglück! Halt Deine Ohren steif und von mir als Nordlicht noch ein Tipp: Unterschätze nie den Wind. 👍

Claus-Dieter
Ich bin froh, dass alles gut gegangen ist und du schaffst das schon. Mama

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