Viva la Cuenca
Die erste Aufregung und die totale Überforderung schwinden allmählich... Das Gefühl von Vertrautheit und eine Art „Routine“ kehren ein. Uns wurde mehrmals gesagt, dass wir den...


Veröffentlicht: 01.11.2018










Wir trauen uns nun endlich drüber unseren Blog zu beginnen...
Nach nun vier Tagen würden wir uns wieder als zurechnungsfähig bezeichnen.
Die lange Anreise, die Höhenmeter, die starke Sonne und die ganze Vorfreude/Aufregung hat uns ordentlich in die Knie gezwungen.
Wer hätte gedacht, dass wir tatsächlich mal so viele Stunden am Stück durchschlafen würden, mehrmals pro Tag!
Bienvenido a Ecuador – gleich mal ins original ecuadorianische Leben eintauchen.
Gastfreundlichkeit wird hier groß geschrieben – Abendessen bestehend aus Huhn, Reis und Bohnensoße wurde von Angel vom Imbiss nebenan geholt.
Am nächsten Tag gings nun mit dem Bus ans tatsächliche Ziel >>>> CUENCA
Arriba!!!! Von 5 auf 2600 m Seehöhe innerhalb von 3 Stunden, die Luft wird spürbar dünner.
Ankunft in unserem neuen Zuhause
Trotz teils fehlendem Wissen über die Ankunft der beiden österreichischen Volontäre wurden wir herzlich im Kloster empfangen.
Als hätten wir es schon in Guayaquil gerochen, kamen wir pünktlich zum Mittagessen an.
In unserem persönlichen Schlafgemach, hierbei ist wortwörtlich von einem SchlafSAAL die Sprache, bietet ein abenteuerliches Bett inklusive Federkernmatratze und Feder-Lattenrost uns den bestmöglichen Luxus.
Mi casa es su casa – diesen Satz haben wir in den letzen Tagen einige Male gehört. Hier im Kloster ist dies nicht nur eine leere Floskel, sondern wird tatsächlich gelebt.
Ganz anders als erwartet (eintöniges und zu fettiges Essen), werden wir täglich mit wirklich leckerem und gesundem Essen verwöhnt. – hierzu werden im Laufe der kommenden Wochen und Monate noch eine Vielzahl an Fotos und Beschreibungen kommen, VERSPROCHEN!
Das Coole daran ist, dass wir bereits jetzt in der kurzen Zeit absolut neue, uns fremde Lebensmittel wie Haba, Mote, Granadilla, das bierähnliche – jedoch alkoholfreie Getränk Chicha etc. kennenlernen durften. Um unsere schlanke Linie brauchen wir uns also keine Sorgen zu machen! Und die Küche im Kloster zeigt sich äußerst vegetarierfreundlich. Muy bien!!!
Das Highlight jeder Mahlzeit ist unsere liebe Schwester Rosa, auch genannt Gordita (alias Dickerchen) mit ihren absolut genialen Zwischenmeldungen und Witzen, welche nicht selten Obszönitäten enthalten. Dabei ist nicht außer Acht zu lassen, dass diese Señorita stolze 80 Jahre jung ist. Gerne macht sie sich unsere sprachliche Barriere zu Nutze und findet es recht amüsant uns offensichtlich zu verarschen.
Warum wir das wissen? Ihr Gesichtsausdruck und das Gelächter der Anderen verrät alles.
Stellt euch das in etwa so vor... eine super kleine Person, ein durch Falten geprägtes Gesicht und ein absolut viel zu hoher Tisch!!
By the way, haben wir schon die klostereigene Bäckerei erwähnt? Ja, ihr habt richtig gelesen! Immer frisch und soviel wir wollen. Was besonders auffällt, das typische „Brot“ wie wir es Zuhause kennen gibt es hier nicht. Eher ähnelt es vom Geschmack einem mürben Kipferl oder Brioche. Das tut dem aber Nichts zur Sache, hier wird das süßliche Brot auch zu pikanten Suppen und deftigen Speisen verzehrt.
Die Sanitäranlagen sind mit österreichischem Standard aus dem Jahre 1970 zu vergleichen. ABER es gibt fließendes, meist warmes Wasser und ist ausreichend sauber. Etwas herausfordernd gestaltet sich jedoch der abendliche/nächtliche Weg dorthin, denn nur ein lichtloser Gang führt von unserem Zimmer ins Bad/WC.
Bleiben wir gleich mal Thema Dunkelheit. Ab 18 Uhr verabschiedet sich die Sonne für ganze 12 Stunden, die restlichen 12 Stunden beehrte sie uns in voller Intensität gemeinsam mit abwechselnd dicken Wolken und ein wenig Regen. Der Nässe sind wir bislang gut entkommen, lediglich die Sonne hat sich mit Michi einen Fight erlaubt. Der Arme, nach knapp 1 Stunde in der Sonne (es war absolut nicht heiß) hat es ihm seine Geheimratsecken, sein zartes Näschen, seinen Stiernacken und die muskulösen Ärmchen ordentlich geröstet. Zu seiner Verteidigung, hierbei handelt es sich nicht um fahrlässiges Verhalten, denn die Sonne ist wirklich aggressiv – auch die Einheimischen schützen sich mit Sonnencreme, langer Kleidung und hübschen Sombreros.
Immer wieder werden wir von Einheimischen gewarnt uns von bestimmten Vierteln fernzuhalten oder diese nur in Begleitung (also wir beide gemeinsam) zu durchqueren. Bislang waren wir 2x in der City unterwegs – absolut problemlos. Rund 30 Minuten Fußweg entfernt vom Kloster, befindet sich das durchaus sehenswerte und geschichtlich geprägte Zentrum. Recht viel wissen wir bislang noch nicht davon ABER wir haben ja noch ganz schön viel Zeit hier. Wahnsinn wie viele Kirchen man hier findet, wirklich faszinierend. Das Wahrzeichen der Stadt, die „Nueva Catedral de Cuenca“ (Foto folgt), zählt zu einer der größten Kathedralen Lateinamerikas. Es hat den Ecuadorianern stolze 100 Jahre Bauzeit bis zur Fertigstellung gekostet.
An alle Bierfreunde, auch Ecuador hat was Gutes zu bieten. Einer der ersten Hauptprogrammpunkten hier war das Auffinden diverser potenzieller Bars und gemütlicher Cafes. Bisher semi-erfolgreich aber das wird noch!!
Unsere Arbeit beginnt erst nächste Woche – in Kombi mit einem Spanischkurs in der Stadt. Um jedoch kurz in den Genuss zu kommen, was uns in den nächsten Monaten erwarten wird, bekamen wir bereits eine kleine Führung durch den Kindergarten, wurden mit den Betreuerinnen bekanntgemacht und durften mit rund 25 Kindern in den Park fahren. Oh Mann, nur spanisch, Simone nix verstehen, Reizüberflutung der Sonderklasse, endlose Verzweiflung. Aber Retter Michi übersetzt brav und tüchtig. Er ist schon jetzt der Hero in der stark von Frauen dominierten Kindergartenbranche.
Eindrücke über Eindrücke... in Summe passts wirklich gut, wir fühlen uns wohl und freuen uns auf das Abenteuer. Das Einzige was mir, Simone, aktuell noch etwas Bauchweh bereitet ist die Sprache. Fleißig sitzen wir jeden Abend zusammen und üben Vokabel, Zeiten und Phrasen. Kaum spricht mich jedoch eine der Schwestern an, herrscht absolute Planlosigkeit und Leere in meinem Kopf. Erschreckend, wie sehr eine fehlende Sprache jemanden limitieren kann. Wie gerne würde ich mehr über mich erzählen und Dinge erfragen, funktioniert leider noch nicht ganz so gut :) Aber wie man auf Spanisch so schön sagt – poco a poco (nach und nach).
P.S.: Bevor unser Abenteuer los ging durften wir mit der tollen Fotografin Franziska Bittermann ein unglaublich lustiges und cooles Shooting machen.
> https://www.instagram.com/fotografie_franziskabittermann/
> https://www.facebook.com/FotografieFranziskaBittermann/