Das Leben der Massai
Sonntag, 23.09. Auf diesen Tag freute ich mich schon lange. Einmal echte Massai sehen, sie in ihrem Dorf besuchen und das komplett andere Leben auf mich wirken lassen. Leider...


Veröffentlicht: 30.09.2018
Samstag, 29.09.2018
Es ist der zweite Tag ohne Strom im Haus, das dritte Mal in dieser Woche gibt es nur Kartoffeln zum Abendessen und das Obst ist schon wieder alle. Nicht immer hat man das Gefühl willkommen zu sein.
Ich bin nicht mit großen Ansprüchen hier her gekommen. Habe mich vorbereitet auf eine sehr einfache Lebensweise und fehlenden Luxus. Das sind auch alles Punkte mit denen ich gut zurecht komme.
Wir leben hier bei Shedrack, Linda und ihrem mittlerweile 12 Wochen alten Sohn. Das Haus besteht aus zwei Teilen. Im vorderen befindet sich Wohnzimmer mit Essbereich, Küche und den Schlafzimmern von den beiden inklusive Gästezimmer. Im hinteren Haus befinden sich die Zimmer von uns Volunteers.
Ich lebe in einem 4- Bett- Zimmer, aktuell zu zweit, ab morgen zu viert.
Die fehlende Privatsphäre bin ich ehrlich gesagt nicht mehr gewöhnt und es gibt Momente, da wünscht man sich einfach mal die Tür hinter sich schließen zu können. Allerdings ist es auch toll, ständig Unterhaltungen zu führen und sich auszutauschen.
Zum Glück harmonieren wir aktuell alle gut miteinander! Aber es bleibt einem auch nichts anderes übrig. Jeder Mensch bringt seinen Charakter mit und es ist spannend sich auf die anderen einzulassen und hier auf Menschen zu treffen, die ich sonst nie getroffen hätte.
Die Dusche funktioniert manchmal für 1-2Minuten mit warmem Wasser, meistens allerdings nicht. Doch das kalte Duschen bin ich schon gewöhnt. Es gibt schlimmeres.
Das Essen..
Ich vermisse meine Familie & Freunde sehr.
Doch das gute Essen fast genau so stark.
In den Supermarkt gehen und aus tausend Dingen auswählen, zu Hause etwas backen und einen ungeschälten Apfel essen.
Traumvorstellungen.
Ich lebe hier wirklich streng nach dem Motto:
‚Peel it, boil it, cook it or forget it.‘
Wir haben nur zwei Gasherdplatten, keinen Ofen leider.
Geschirr ist kaputt, das Schneidebrett in zwei Teile zerfallen und Gewürze befinden sich in alten Butterdosen. Auf solche Dinge wird hier einfach kein Wert gelegt.
Das Essen hier ist sehr reich an Kohlenhydraten. Alles, wovon wenig viel sättigt. Hauptsächlich Reis, Bohnen, Kartoffeln und Maisfladen.
An Obst& Gemüse gibt es nur das, was gerade vier geerntet werden kann. Es wird nichts importiert. Allerdings ist der ökologische und Biogedanke hier noch nicht angekommen. Es werden starke Pestizide verwendet auf den Feldern, die in Deutschland verboten sind. Auch dies ist ein Grund Tomaten & Co nur geschält zu essen.
Frische Produkte findet man nur auf dem Markt. Ein Laden gibt es mit Fleisch. Einen anderen mit Getränken. Wieder einen anderen Markt mit Gewürzen.
Einkaufen bedeutet hier einen Spaziergang durch die komplette Stadt zu unternehmen. Milch& Milchprodukte gibt es hier quasi gar nicht bzw. möchte man die Produkte nicht essen, da oft die Kühlkette auf Grund von Stromausfällen unterbrochen wurde..
Wir sind so verwöhnt in Deutschland einfach in den Supermarkt zu gehen, den Korb voll zu packen mit allem, was man möchte und dann gemütlich mit dem Auto heim zu fahren.
Die Menschen hier kennen es nicht gezielt Sport zu machen, wie joggen oder ähnliches. Sie bewegen sich aber auch im Alltag viel mehr und tragen ihre Einkäufe teilweise sehr weit bis in ihre Dörfer. Ein Auto ist schon wirklich ein Luxusgut.
Das alles sind einfach Unterschiede, die man auch erst spürt, wenn man hier lebt, mit den Einheimischen zusammen und nicht als Tourist einen Hotelurlaub bucht.
Ich genieße es trotz der vielen Verzichte das Land auf diese Weise kennenzulernen.
Und über den Markt zu schlendern und frisches Obst und Gemüse zu kaufen, genieße ich inzwischen sehr und werde es mir für Deutschland auch angewöhnen bewusster einzukaufen.
Ein großes Problem gibt es hier in Tansania noch und das nennt sich Müllentsorgung und Plastikbenutzung.
Es ist noch nicht lange her, da wurde in Deutschland begonnen auf Plaste zu verzichten bzw. die Benutzung der Tüten stark zu reduzieren. Davon haben die Menschen hier noch nie etwas gehört.
Recycling gibt es nicht.
Und in Iringa auch keine Müllabfuhr.
Mülleimer daher Fehlanzeige.
Überall in der Stadt liegt Müll, viel Plastik. Die Menschen verbrennen in ihren Gärten ihren Müll, dass die entstehenden Rauchschwaden eventuell ungesund sind einzuatmen, darüber macht sich niemand Gedanken.
Das ist für mich sehr schwer zu akzeptieren.
Wir leben alle auf einer Welt zusammen, doch manche Länder sind einfach so weit, was den Ökogedanke und die Umweltfreundlichkeit betrifft und andere, vermeintlich viel natürlicheren Länder ohne viel Technik und Industrie, hängen dann mit solchen Dingen so stark hinterher.
Es ist seltsam.
Man kann auch in diesen Bereichen nur Vorreiter sein und hoffen, dass sie die Erkenntnis selbst Erlangen, dass es nicht gut ist für die Umwelt und somit auch nicht für die Menschen & Tiere.