In 6 Monaten durch Europa auf 6m²
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Erste Albanien-Impression: Kreis Elbasan

Veröffentlicht: 04.11.2017

So führte uns unser Weg also vom Ohridsee über die Grenze nach Albanien, wo unser nächster größerer Halt eigentlich erst Tirana sein sollte. Da der Tag aber doch schon recht vorangeschritten war und wir (zumindest wenn wir wildcampen) gerne vor Einbruch der Dunkelheit unser Lager aufschlagen, beschlossen wir uns ein Plätzchen in Elbasan zu suchen. Auf der Karte fanden wir auch einen Parkplatz in der Nähe eines Parkes...soweit in der Theorie. Die ersten Kilometer durch die albanischen Berge waren soweit eigentlich wunderschön. Viel grüne Natur, etwas ärmliche Dörfer, aber viele viele Obststände und freundlich dreinblickende Menschen. In Elbasan, und das muss ich (Anne) wirklich zugeben, hatte ich allerdings das erste Mal auf unserer Reise eine Art Kulturschock. Vielleicht lag es auch daran, dass wir gleich in die wirklich sehr armen Stadtteile gefahren sind, wo der Müll überall in Massen lag, unendlich viel Bauschutt an jeder Ecke zu finden war, die Straßen nicht geteert, sondern mit einer Mischung aus Plastiküll und Bauschutt aufgeschüttet waren, die Häuser sehr zerfallen und nichts wirklich gepflegt oder in Stand gehalten aussah... und dazu kamen noch Gerüche. Verbrannter Plastikmüll, Holzofen, alte Autoabgase, Tierdung, usw. Jedenfalls sollte laut Navi unser Parkplatz genau in diesem Teil der Stadt sein. Wir versuchten einen Weg zu finden, leider waren die Schlaglöcher so tief und die Straßen vom Regen auch so aufgeweicht und so unendlich viel Plastikmüll der herumflog, dass wir wieder umkehrten und uns dafür entschieden, eine richtige Unterkunft zu nehmen. Ich weiß, jetzt im Nachhinein kommt es mir auch etwas verwöhnt vor, aber wenn man so ein Gefühl der Unsicherheit hat, tendiert man eher dazu, sich Dinge zu suchen, die man vielleicht schon kennt. Und ich muss auch zugeben, dass man nach so langer Zeit des Reisens manchmal etwas mehr Wert auf Komfort legt. So kam es jedenfalls, dass wir ein (günstiges) Zimmer in einem riiiesigen (fast schon gespenstigen) leeren ****-Hotelkomplex fanden und hier auf dem Balkon unser Süppchen auf dem Gaskocher kochten. Floh ist am Abend nochmal losgestiefelt und hat sich für umgerechnet 4 Euro die Haare schneiden lassen, einige Andenken gekauft und sich die Stadt angesehen, während ich im Hotel war und an meiner Masterarbeit weitergearbeitet habe und ich über Albanien belesen habe. Während des sehr harten kommunistischen Regimes hatte sich kaum eine stabile Wirtschaft etabliert und die Bevölkerung litt sehr unter der Armut. In den 60er Jahren wurde sogar ein Religionsverbot ausgesprochen und Albanien galt als erstes atheistisches Land. Leider wurden in dieser Zeit auch sehr viele alte Kirchen und Moscheen zerstört. Seit den 90er Jahren versucht Albanien eine stabile Wirtschaft zu entwickeln, was auf Grund der sehr schwachen Infrastruktur aber kaum außerhalb Tiranas gelingt. Auf dem Land kann keine durchgehende Strom- und Wasserversorgung sichergestellt werden, wodurch sich Tourismus und Industrie natürlich nicht etablieren können. Albanien hat eigentlich sehr viele wichtige Bodenschätze, die aber aus ganz verschiedenen Gründen nicht gefördert werden können. Die wichtigsten Handelsparnter des Landes sind Italien (!!!) und China, viele Importgüter kommen auch aus Deutschland. Ein großes Problem im Land ist die Korruption...


Am nächsten Morgen sind wir dann noch einmal beide losgezogen und Floh hat mir seine Entdeckungen gezeigt. Neben einer historischen Stadtmauer an einem Boulevard mit Palmen und wirklich sehr hübschen kleinen Cafés, wo nichts von Armut, Plastikmüll oder schlechten Gerüchen zu bemerken war... Das war dann wohl unser erster Eindruck von Albanien: ein Land voller Gegensätze.

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