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Zwischen Brot, Müll und Affen

Veröffentlicht: 21.10.2025

Sehenswert
Medina von Méknes
Méknes, Marokko
Essen
Fladenbrot-Stand in der Medina von Méknes
$ · Snack
Sehenswert
Schmiede in der Medina von Méknes
Méknes, Marokko
Attraktion
Nationalpark Ifrane
Ifrane, Marokko
Attraktion
Berberaffen im Nationalpark Ifrane
Ifrane, Marokko

Méknes und Nationalpark Ifrane

Ich bin früh drin in der Medina von Méknes. Um zehn Uhr sind die meisten Türen der Läden noch verschlossen. Das erste Brot wird gebacken. Ich kaufe ein kleines Fladenbrot für fünf Cent – noch warm, köstlich. Die Menschen hier lassen es langsam angehen. Erst gegen Mittag füllt sich die Medina. Vor allem Frauen, die ihre Lebensmittel besorgen.

Eine zeigt auf ein Huhn, eines von vielen. Es lebt noch. Der Händler greift es am Hals, wiegt es ab. Ein lauter Aufschrei. Dann Schlachtbank, Plastiktüte, Alltag. Ich bin so erstarrt, dass ich kein Bild machen kann. Gehe stattdessen zum Gemüsestand, kaufe irgendetwas, mehr aus Bewegung als aus Appetit.

Ein alter Mann spricht mich an: „Kommen Sie aus Deutschland?“ Ja. „Ich habe in Stuttgart gearbeitet“, sagt er. „Ich bin Künstler, kommen Sie, ich zeige Ihnen meinen Laden.“ Er führt mich zu einer Schmiede und übergibt mich an seinen Sohn. Das übliche Verkaufsprogramm läuft an. Ich darf zusehen, wie er Schmuck schmiedet, bekomme Tee, und natürlich kaufe ich etwas. „Nur für die Hilfe, nur für die Hilfe“, sagt der alte Mann. Ich lächle und gehe. 70 Dirham, rund sieben Euro. Für mich nicht viel. Aber hier liegt die Durchschnittsrente bei 200 Euro im Monat. Zum Leben braucht man dreimal so viel. So falsch kann das also nicht sein. Für mein Gemüse zahle ich vier Euro – und kann zwei Tage davon essen.

Ich verlaufe mich diesmal nicht und fahre weiter. Suche Ruhe. Der Nationalpark Ifrane liegt vor mir. Es soll dort Affen geben. Und ja, es gibt Affen. Am Eingang Verkäufer mit Pferden, die Erdnüsse und Früchte für die Berberaffen anbieten. Die Tiere sind auf Menschen dressiert. Für Kinder ein Spaß – aber sinnvoll ist das nicht. Ohne Bedenken werden sie gefüttert, auch am Straßenrand, wo die Affen über die Fahrbahn laufen. Gefährlich. Daran denkt keiner.

Der Park selbst: Zedern- und Steineichenwälder. Wunderschön. Ruhig. Und schmutzig. Überall Müll. Feuerstellen, die noch glimmen, in den trockenen Wäldern. Ich begreife das kaum. Ich, aus dem sauberen Europa, mit den vielen Mülleimern, den Vorschriften, der Ordnung. Hier gibt es keine. Keinen Mülleimer. Von Mülltrennung ganz zu schweigen. Die Berberaffen springen zwischen den Bäumen, ziehen leere Colaflaschen aus dem Gebüsch, balancieren auf Ästen – so lebendig, so falsch in dieser Szenerie. Ein ambivalentes Bild. Wie so vieles hier.

Auf einen Blick

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KulturellAbseits der Pfade
  • warmes Fladenbrot in der Medina von Méknes
  • Besuch einer Schmiede und Schmuckkauf
  • Berberaffen im Nationalpark Ifrane
  • Zedern- und Steineichenwälder
  • Müll und glimmende Feuerstellen im Park
StadtEssenNaturTierwelt
  • Fladenbrot0 €
  • Schmuck7 €
  • Gemüse4 €
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Antworten (2)

Einfachvor 10 Monaten
Wie schön, dass dir die Affen das Handy gelassen haben. Es gibt ja auch andere Geschichten. Das hast du wunderschön aufgeschrieben. Ich bin in Gedanken auf deiner Reise

Josefinevor 10 Monaten
Vielen Dank! Ja, mein Handy hab ich behalten. Die Affen sind wirklich zutraulich. Eben gut dressiert. Grüße! Josefine

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