Minirock-Schick und Haschisch
Coralie und Faouzi Nach Chefchaouen fahren viele nur für die Fotos, erzählt Coralie. Mädchen mit kurzen Röcken, leicht bekleidet, stellen sich auf die blauen Treppen der...

Veröffentlicht: 21.10.2025
Fès ist die älteste der vier Königsstädte Marokkos. Stadt der Berber. Stadt des Leders. Hier wird nach uralter Tradition gegerbt. In einem stechenden Geruch tauchen die Männer die Felle in Jauche aus Rinderurin, Taubenkot, Wasser, Kalk und Salz. Sie stehen mittendrin, ohne Handschuhe. Uns Besuchern wird Minze gereicht – für die Nase. Ich bin vorbereitet: ätherisches Öl, FFP2-Maske. Trotzdem schaudert es mich.
Und während ich dort stehe, denke ich an das andere Ende dieser Reise – an das verregelte Europa. Dieses geordnete, reiche, versicherte Leben, in dem alles seinen Platz, seine Vorschrift, seine Sicherheit hat. Und wie weit das plötzlich entfernt scheint von dieser Welt hier, in der Arbeit noch nach Körper riecht, und Leben etwas kostet. Hier ist nichts steril. Kein Handgriff unsichtbar. Alles geschieht vor Augen.
In der Medina wird das Leder als bunte Taschen und Schuhe teuer verkauft. Ich ziehe mich zurück, zu den schönsten Souks: Gewürze, Gemüse, Backwaren – Baklava! – und Gewänder.
Tage in der Medina sind anstrengend. Eng, verwinkelt, laut, riechend. Die Sonne dringt kaum hinein. Alles ist nah. Alles schreit. Und überall Menschen, die wie ich versuchen, das alles festzuhalten. Auf Bildern.
Doch Vorsicht: immer fragen. Viele Muslime mögen es nicht, fotografiert zu werden.
Später leuchtet ein Polizist in meinen Bus. Ob ich allein sei? Hier übernachten wolle? Ja, will ich. Nein, sagt er. Zu gefährlich. Er gibt mir seine Telefonnummer, falls etwas passiert. Ich fahre weiter. Lande in der nächsten Stadt, auf einem Parkplatz neben der nächsten Medina von Méknes. Es reicht für einen Tag.
