Auf dem Weg in die Sahara
Zwischen rotem Sandstein, improvisierten Werkstätten und Hilfsbereitschaft Mein Weg nach Merzouga, zur Sahara, ist atemberaubend. Wieder so eine Canyonlandschaft wie damals in...

Veröffentlicht: 23.10.2025
Hassan erreicht mich auf seinem Moped, noch ehe ich mich fünf Schritte vom Bus entfernt habe und meine erste Sahara-Erkundung starten kann. „Ah, aus Berlin! Willst du campen, ja? Suchst du einen Platz zum Übernachten? Kennst du park4night?“ Er weiß genau, was ich brauche. „Ich zeige dir einen Platz, wo du als Frau alleine sicher bist, den Sonnenuntergang siehst und dich keiner stört.“ Es ist ein ausgeklügeltes System. Die Berber haben aus den Campern ein Geschäft gemacht. Sprechen vier, manchmal fünf Sprachen – Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch, Italienisch. Nur, um uns besser helfen zu können. Sie bringen Tajine und Couscous, Tee, morgens Brötchen. Organisieren Quad- und Kamelfahrten.
Ich habe all meine Plätze in all den Jahren immer selbst gefunden. Ich brauche keinen Hassan, denke ich – und sehe auf den roten Drachen ohne Allrad, auf all die Sandlöcher ringsum. „Na gut, Hassan, bring mich dorthin.“ Er bringt mich zu genau dem Ort, den er beschrieben hat. Zum Sonnenuntergang laufe ich die Dünen hinauf. Umgeben von Quads, deren Motoren heulen, und Kamelen, die ihre Spuren hinterlassen. Es ist ein unglaublich schöner Ort. Die gelbe Saharalandschaft wirft Schatten, färbt sich in der Abendsonne in prächtiges Rot. Wunderschön. Eigentlich. Mich umgibt ohrenbetäubender Lärm. Es ärgert mich. Ich fühle mich fehl am Platz – Teil von etwas, dem ich nicht zugehören will.
Später lese ich nach: Viele Berberfamilien leben vom Tourismus. Kamele sind Transportmittel, Milchlieferant, Lebensunterhalt. Doch wo Tourismus zur Haupteinnahmequelle wird, leidet oft das Tier. Große Agenturen und Zwischenhändler stecken dahinter, nicht nur lokale Familien. Die Guides, die Hassan und seine Freunde, bekommen selten einen fairen Anteil. Und die Quads – so harmlos sie wirken – zerstören Vegetation, fördern Erosion, vertreiben das Wildleben.
Ich frage mich, warum ich hier bin. Wie viel besser ist das, was ich mache? Ich will nicht werten. Ich bin nicht besser als jene, die in Gruppen kommen, sich führen lassen, dieselbe Sonne, dieselbe Wüste sehen. Vielleicht unterscheidet uns nur das Tempo. Sie reisen schnell, ich langsam. Doch wir alle suchen dasselbe: das Gefühl, irgendwo noch etwas Echtes zu finden.
Und vielleicht ist genau das der Widerspruch dieser Orte: Sie ziehen uns an, weil sie unberührt wirken, und verändern sich, weil wir kommen. Es ist ein stiller Tausch – zwischen Sehnsucht und Zerstörung, zwischen Begegnung und Verlust. Ich sehe in der Ferne die Sonne hinter den Dünen verschwinden, und für einen Moment wird alles still. Nur der Wind bleibt.
