Reiseblog von Fabienne & Simon
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Die Navimag ist eine Fracht-Fähre, die zwischen Puerto Montt und Puerto Natales verkehrt. Seit einigen Jahren ist sie auch für den Transport von ca. 100 Personen eingerichtet. Der Standard ist eng und einfach, aber tiptop. Mit dieser Fähre würden wir während 4 Tagen und drei Nächten unterwegs sein, die Route führt durch die Vorgelagerten Inseln der chilenischen Westküste. Diese Inseln sind die Fortsetzung der Küstenkordilliere, die sich von Nord nach Süd absenkt und schliesslich im Meer versinkt.

Die Ladefläche der Fähre, wo wir aus dem Bus ausstiegen, war riesig, und wir waren mitten in der rauen Seemännerwelt: Riesige Eisenketten, Verankerungsbügel so gross wie Autoräder, Lastwagencontainer, Männer wie Bären, Lärm, dass man sich kaum versteht, Taue und ganz viel Rost. Mit einem Kran wurde unser Gepäck auf Deck 3 gehoben, wo sich die Kabinen befinden. Unsere Viererkabine war winzig, aber sauber, wir teilten sie mit einem anderen Schweizer Paar. Dagmar und Tobias sind mit einem selbst umgebauten Geländewagen schon bald ein Jahr unterwegs, rund um die ganze Welt.

Der angesagte Abfahrtszeitpunkt, so merken wir schnell, wurde von niemandem ausser uns ernst genommen. Eine Viertelstunde nach Termin waren wir erst halb beladen und es fuhren immer noch Lastwagen auf die Ladefläche. Mit vier Stunden Verspätung legten wir los; Mit einem Motorboot fuhren die Hafenmitarbeiter zu den riesigen Bojen und legten die beindicken Taue frei, die Ankerkette rasselte laut, beim Einziehen.

Es waren vier sehr entspannte Tage, wir schliefen viel aus, lasen und flickten die vielen Löcher in unseren Kleidern und verbrachten viel Zeit an Deck. Es ziehen Inseln und Festlandküsten an uns vorbei und wir staunten einfach ab diesen riesigen, riesigen unbewohnten, unberührten Weiten. Leuchttürme sind im Normalfall die einzige menschliche Spur, die sich erkennen lässt. Wie schön muss es wohl als Fuchs in einem dieser ungestörten Wälder sein?
Es war richtig erholsam. Wir mussten uns nicht um Fahrtrouten kümmern, nicht die beste nächste Station austüfteln, nicht Hostels vergleichen, keine Restaurants heraussuchen, keine Entscheidungen übers Programm fällen, usw. Ich machte je einmal Yoga und einmal Thai Chi, das vom Schiffsteam angeboten wurde. Simon übt dagegen fleissig Ukulele. Ja genau, er hat sich eine Ukulele gekauft :-D Mittlerweile läuft «si hei der Wilhelm Tell ufgfüehrt» schon fast reibungslos!

Schon am ersten Morgen sah ich vom Frühstückstisch aus, als ich ahnungslos aus dem Fenster blickte, Delfine. Es sind chilenische Delfine, welche kleiner und vor allem schwarz sind. Sie springen hoch aus dem Wasser und es sieht sehr verspielt aus. Immer wieder sahen wir Delfine, Seehunde und einmal sahen wir blauviolette «Balken» aus dem Wasser auftauchen, Walrücken! Doch bis wir an Deck sind, lässt sich davon nichts mehr entdecken… Wir stellen uns jetzt einfach vor, dass es Blauwale waren, die sollen sich hier nämlich seit einigen Jahren wieder blicken lassen.

Wir unterhielten uns viel mit den anderen Schweizer an Bord. Ausser unseren Zimmergenossen auch zwei andere Rucksacktouristen, die alle – wie die meisten Touristen an Bord – auch vor haben, im Torres del Paine-Nationalpark wandern zu gehen. Auf den guten Rat von Kollegen wussten wir, dass man etwas Wein und Snacks an Bord mitnehmen sollte, da sie dort keinerlei Alkohol verkaufen. Abends machten wir also jeweils einen Apéro (wobei wir den Wein – oh Schande – in die Feldflasche abfüllen mussten, weil sie nicht nur keinen Alkohol verkaufen, sondern er auch nicht erlaubt ist an Bord) mit etwas Rotwein und Oliven vor schöner Kulisse :-).

Die Fähre fuhr immer durch die Kanäle zwischen den Inseln, wo die See natürlich viel ruhiger ist, als im offenen Pazifik. Aber etwa auf der Höhe von Puerto Aysén gibt es keinen Durchgang, da führt die Route hinaus aufs offene Meer. Das war nachts und ich wachte vor lauter Geschaukel auf. Zum Glück gibt’s Stugeron! Dank diesem war es nämlich eigentlich noch recht gemütlich, wie in einer riesigen Wiege. Aber für die armen Entdecker in ihren kleinen Holzschiffen vor wenigen Jahrhunderten muss das ja ziemlich übel gewesen sein.

Villa Puerto Edén ist der einzige Zwischenhalt der Fähre. Es ist das einzige Dorf, in dem die lokalen Indigenen überlebt haben. Es leben heute noch ungefähr 100 Personen dort vom Fischfang. Es gibt keine Strassenanbindung, lediglich die Fähre ist ihre einzige Verbindung zur restlichen Welt – und 3G von Entel. Ausserdem gibt es dort einen Militärposten.

Gegen Abend des vierten Tages erreichten wir die Stadt Puerto Montt. 

Chile

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Kommentare

Simon

Peter
Zum Glück handelt es sich bei zwei Bildern nur um Bild- und nicht um Tonaufahmen.