4. Tag: Von Fao (Ofir) nach Viana do Castelo
Wieder schlief ich nicht besonders gut, was am Vollmond oder auch daran liegen könnte, dass mein Kreislauf nun auf vollen Touren läuft. Ich brauche einfach nicht viel Schlaf. Um...


Veröffentlicht: 02.09.2020





























Nachdem ich gut durchgeschlafen hatte, fühlte ich mich wieder erholt von den gestrigen Strapazen!
„Morgen laufe ich sicher nicht 30 Kilometer“ hatte ich zu Anna gestern gesagt. Ich sollte recht behalten: es wurden 40 km!🤦🏼♂️
Wie es dazu kam, obwohl Caminha doch nur 25 km entfernt sein sollte?
Zu meiner ‚Verteidigung‘ Muss ich sagen, dass die Routenapp heute nicht so genau wusste, was sie wollte. Genauso wie ich.
Ich merkte früh, dass ich heute nicht so fokussiert aufs Laufen, sondern mich durch Kleinigkeiten ablenken ließ. Ein schöner Schmetterling? Oh, den muss ich mal fotografieren. Möwen, die in großer Anzahl losfliegen? Filmen! Dazu baute ich zwischendurch am Wegesrand einen Steinturm, wie es Brauch ist und immer wieder mal zu sehen ist. Auch das kristallklare Wasser musste dokumentiert werden. Dazu lief ich heute sicher insgesamt eine Stunde im Sand direkt am Wasser. An einer Stelle fand ich einen Stein in einer schönen Farbe und als ich ihn einstecken wollte, hörte ich wieder diese Stimme von vor zwei Tagen: „Alter, ist das jetzt dein Ernst? Noch einer??“ Sie schien entweder aus meinem Rücken oder aus den Füßen zu kommen.
Ich beruhigte sie damit, dass das der letzte sei und ich ihn auch erstmal in der Hosentasche tragen würde!😄
Als ich eine schöne Stelle sah, in der das Wasser stand und man sich setzen und die Füße kühlen konnte, musste ich Mittag machen.
Ich setzte mich auf die Felsen, zog die Schuhe und die Socken aus und tauchte meine Füße ins kalte Wasser.
Die waren glücklich, denn vom gestrigen Tag waren sie doch noch etwas leidgeprüft.
Zu essen gab es Obst, Kekse und das Brot, das ich mir beim Frühstück im Hotel geschmiert hatte.
Ich wollte es morgens einpacken, da sprach mich der Ober an, dass dies nicht erlaubt sei.
Ich hatte einen günstigen Moment abgewartet und ging dann doch mit Brot! 😈Soll mich das Hotel verklagen!🤷🏼♂️
Als ich nach 30 Minuten immer so da saß, hatte Mutter Natur wohl auch langsam die Schnauze voll und zeigte mir durch eine plötzliche Welle, die hereinschwappte, dass ich weitergehen solle.
Super, dass ich nun einen nassen hintern und ein klitsche nasses Handtuch hatte.
Der Weg wurde des Öfteren unterbrochen und ich schaffte es leider häufig, auf Wege auszuweichen, die letztlich Umwege zu sein schieben.
Außerdem kam wieder über 1,5 Stunden kein Geschäft, so dass mein Wasservorrat dem Ende zuging.
Ich war zwischendurch sogar kurz davor, aus einem Bach zu trinken, dessen Wasser klar zu sein schien. Aber da ich nicht den morgigen Tag auf der Toilette verbringen wollte, sah ich davon ab. Als ich dann endlich an einem Campingplatz ankam, deckte ich mich wieder mit Getränken ein.
Als wieder mal der Steg endete, entschied ich mich, am Wasser im Sand zu laufen. Erst spät merkte ich, dass es ein FKK-Bereich zu sein schien. Das war allerdings nicht der Grund, warum ich plötzlich einen nassen Fuß hatte. Ich hatte mir die bisherigen Bilder auf dem Handy angeschaut und wieder war eine unvorhersehbar große Welle ans Ufer geschwappt.
Nach 10(!) Stunden und 40 km kam ich endlich in der Pension Litos AL an, nachdem ich zwischenzeitlich sogar an einer Schnellstraße lief, die unmöglich zum Jakobsweg gehören kann.
Hätte mich die Polizei aufgegriffen, hätte ich sie gebeten, mich die 5 km nach Caminha zu fahren.
Ich war kurz davor, per Anhalter zu fahren. Ich war nun vor allem psychisch platt. Es schien gar nicht vorwärts zu gehen.
Die Unterkunft war nicht so gut wie die bisherigen, aber sauber und mit eigener Dusche. Für 36,- € inkl. Frühstück ok, auch wenn regelmäßig ein Zug dran vorbeirauscht.
Ich rieb mir meine müden Beine und den Nacken/Schultern (durch den Rucksack) mit Pferdesalbe ein und hoffte, dass sich mein Körper in der Nacht erholen würde. Ein Blick in den Spiegel verriet mir, dass ich mir das Gesicht verbrannt hatte😡