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Abschied von Akaroa ODER: Once a Kleinstadt always a Kleinstadt

Veröffentlicht: 04.04.2017

Unsere Tage in Akaroa neigen sich dem Ende. Um genauer zu sein, neigt sich unser letzter Tag in Akaroa dem Ende. Und um noch genauer zu sein, werden wir dem francophile Kleinstädtchen, das in den letzten zweieinhalb Monaten unser zu Hause war, den Rücken kehren. Au revoir und auf (vermutlich) Nimmerwiedersehen! Ob wir traurig sind, Akaroa zu verlassen? 

Nunja... zum einen haben wir uns in den letzten Wochen hier ganz gut eingelebt. Man darf aber auch wirklich nicht meckern, bei der Landschaft... Außerdem hatten wir mehr und mehr mit unseren Kollegen zu tun, vor allem mit Allison. In den letzten Wochen vor unserer Abreise sind wir für vier Tage als Baby-/Housesitter eingesprungen, damit Allison – alleinerziehende Mutter von zwei Teenager-Töchtern mit fünf Jobs – wenigstens über’s Wochenende mal alleine an die Westcoast fahren konnte, um wenigstens einen Hauch von Entspannung zu erfahren. Na das haben wir doch gerne gemacht. Im Gegenzug konnten wir in der Zeit bei ihr wohnen und uns über den prallgefüllten Kühlschrank hermachen. Wie WWOOFING eben. Außerdem ließ Allison mal ihre Connactions spielen und organisierte für uns als Dankeschön eine Dolphin - Watching - Tour , die Touristenattraktion Nummer 1 in Akaroa. Sonst muss man da schon mal 80 Dollar pro Person hinblättern und wir bekamen das einfach mal so umsonst. Ich muss sagen, Delfine so in ihrer freien Wildbahn zu beobachten hat schon etwas ganz besonderes. Zumal diese Tiere sehr neugierig sind und – sobald sie ihre Beobachter entdeckt haben und nicht mit Jagen beschäftigt sind – gerne mit dem Boot mitschwimmen und fröhliche Luftsprünge machen. Erspührt werden die Delfine übrigens von einem Delfinhund, der die Delfine hören kann und dann völlig durchdreht, wenn sie sich in der Nähe befinden. Außerdem passierten wir eine Robbenkolonie (Robbenbaybies!) und einen Pinguin, der einsam seines Weges schwamm...

So weit so gut. Akaroa ist eine klassische Touristenvorzeigestadt. Die Leute grüßen dich freundlich auf der Straße, überall fröhliche Gesichter, es wimmelt nur so von Cafés und kleinen Lädchen und die Sonne scheint praktisch immer. Doch das ist nur der äußere Schein und der trügt ja bekanntermaßen des Öfteren. Auch wir ließen uns lange davon blenden. BIS JETZT! Denn kurz vor unserer Abreise erfuhren wir etwas, das uns – nun ja – schlucken ließ. Und uns wieder vor Augen führte, wie kleinstädtisch Akaroa doch wirklich ist... gefährlich kleinstädtisch... Wer jetzt an Edgar Wrights „Hot Fuzz“ denkt, liegt gar nicht mal so falsch. Na ja, Blut ist noch nicht geflossen... Obwohl, anscheinend ist hier vor einigen Jahren mal ein Millionär in den Bergen verschwunden... man fand nur seine Kleider wieder. Und nicht zu vergessen das Pony, das arme weiße Pony, das von den Nachbarn der Besitzer für einen Geist gehalten und deshalb erschossen wurde.

Außerdem wird hier, wie in jeder anderen Kleinstadt, gerne getratscht. So wurde zum Beispiel (von einer unserer Kolleginnen, wohlgemerkt) das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Herr Sowieso seine Frau schlägt. Der gute Mann, der nie in seinem Leben gewalttätig geworden ist, findet nun bereits seit acht Jahren keine Frau mehr. Aber das Beste ist wohl, dass es hier sogenannte „Swinger Clubs“ gibt. Das ist sozusagen die neuseeländische Version von „Frauentausch“. Man trifft sich, hat ein Kaffeekränzchen und dann werden nach Lust und Laune die Ehepartner getauscht. Der Schulleiter der örtlichen Schule ist zum Beispiel ein prominenteres Mitglied dieser Clubs. Außerdem stehen die Clubs in Konkurrenz zueinander, denn manche Clubs sind angesehener als andere und es ist eine wahre Ehre, wenn man von den beliebteren Clubs eingeladen wird... Na wenn das nicht abgefahren ist, dann weiß ich auch nicht. Aber wie heißt es so schön: Once a Kleinstadt, always Kleinstadt (heißt es so?). Nun ist sie raus, die schmutzige Wahrheit über Akaroa. Von wegen Vorzeigetouristenstadt. Aber das haben wir nun weeeiiiit hinter uns gelassen.

Trotzdem, unsere letzten Tage hier haben wir wirklich sehr schön verbracht. Neben den Akaroa Dolphins haben wir uns noch das „Giant’s House“ (also das „Haus des Riesen“) angeschaut, dessen Namensgeberin ein kleines Mädchen war, das von der Größe des Hauses so beeindruckt war, sodass es meinte, es müsse sich um das Haus eines Riesen handeln. Seit zwanzig Jahren nun wird dieses Haus von einer Künstlerin bewohnt und ebensolange schon fertigt sie fantasievolle Skulpturen aus Mosaiksteinen für ihren Garten an. Das Resultat ist eine bunte, glitzernde Fantasiewelt, die in jeder Ecke und jedem Schlupfwinkel ein kleines wunderschönes Detail versteckt hält. Ein weiteres Highlight unserer Reise!

In den letzten Tage vor unserer Abreise lud Allison uns noch mal zu sich ein, da wir im Staff House für die neue Kitchen-hand platz machen mussten, aber noch einiges für unsere Reise vorzubereiten hatten. Außerdem gab es eine kleine Abschiedsrunde im „Bully’s“ für uns, die aufgrund mangelnder Informationsübermittlung tatsächlich sehr klein ausfiel. Das machte aber nichts, denn wir hatten trotzdem viel Spaß (mit selbstgemachtem Sushi und Drinks).

Und dann, am Mittwoch letzte Woche, konnte es vollgetankt und vollbeladen – BRUMM (hier bitte respekteinflößendes Motorengeräusch einfügen) – auch schon losgehen...

Maggi&Richi, auf den Vordersitzen unseres Mitsubishi auf einem verregneten Campingplatz irgendwo im nirgendwo 13.04.2017, 11:11 Uhr

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