17. - 23. Nov 2016: Farmwork im Gebiet Esperance
Der Farmer mit dem Namen John Starr holte mich an einer Bahnhofsstation ab. Er sah schon echt alt aus. Ich hörte von Ihm, dass er 78 Jahre auf dem Buckel hat, aber noch voll im...


Veröffentlicht: 25.11.2016







































Mit dem Bus ging es nun also nach Albany, wo ich für eine Nacht im Hostel übernachten und am nächsten Morgen nach Denmark aufbrechen werde. Die Fahrt erwies sich als angenehmer als erwartet und verging relativ schnell. Mir wurde dabei auch klar, wieso der Spaß ganze 10 Stunden dauert. Während man auf direktem Weg in etwa 5 Stunden benötigt, fährt der Bus in diesem Fall geradlinig nach Perth. In Wagin, einem Ort mitten im australischen Busch, steigt man dann um und legt weitere 200 km in Richtung Süden zurück. Aber wie schon erwähnt, verging alles überraschend schnell.Albany ist übrigens die erste Siedlung Westaustraliens und nicht einmal 200 Jahre alt. Mit seinen 26.000 Einwohnern ist es momentan die drittgrößte Stadt in diesem Bundesstaat. Das muss man sich mal vorstellen. Die Fläche Westaustraliens beträgt mehr als das 7-fache von Deutschland. Aber mit über 25.000 Enwohnern gehört eine Stadt schon zu den Top 3. Das näheste Städtchen mit einer Entfernung von 50 km ist der 3000-Einwohner-Ort Denmark. Und diese Gegend zählt (mal vom Ballungsraum Perth abgesehen) zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Westaustraliens. Gewöhnlich muss man noch größere Strecken zurücklegen, um von einem Kaff in das Andere zu kommen. Das ist aber keineswegs abwertend gemeint. Der Lärm durch den Verkehr ist nur minimal. Außerdem hat man nicht diese Reizüberflutungen wie in den Großstädten. Alles wirkt einfach entspannter. Auch hier im "Ballungsraum" der Südwestküste. Auffällig war, dass selbst junge Leute nicht als "Sombies" rumlaufen und die Smartphones nur benutzt werden, wenn sie wirklich gebraucht werden. Es geht halt auch ohne. Abends angekommen wollte ich dann im "Albany Backpackers" einchecken, das aber leider schon ausgebucht war. Ein anders Hostel, welches auch irgendwie zu diesem gehört, ist aber frei. Damit ich mein Gepäck nicht so weit schleppen muss, verließ der Portier seinen Arbeitsplatz und fuhr mich sogar dorthin. Australier haben einfach grundsätzlich das Bedürfnis, anderen Leuten zu helfen. Das ist herrlich. Ohne viel gesehen zu haben ging es dann am nächsten Tag nach Denmark. Aber nächste Woche kehre ich ja wieder zurück.
Am nächsten Morgen in Denmark angekommen, holte mich die Frau der deutschen Gastgeberfamilie namens Antje ab. Neben Ihrem Mann Mattes gehören dazu noch die Kinder Ronja, Lotta, Thorben sowie der Hund Anuschka. Im Auto erfuhr ich, dass Antje Geburtstag hat und später ein paar Gäste zu Besuch bekommt. Dementsprechend wurde der ohnehin schon herzliche Empfang noch mit Kuchen versüßt. Die Unterkunft im Wohnwagen war ebenfalls ein absolutes Upgrade im Vergleich zur letzten Station. Das Heim im Landhausstil machte einen ebenso sehr gemütlcihen Eindruck. Ich fühlte mich auf Anhieb wohl und habe diesmal wohl Glück mit den Gastgebern gehabt.
In den Morgenstunden des ersten Tages ging es ganz nach dem australischen "no worries" bevor gearbeitet wurde zum Aufwachen an den Strand. Denmark ist für seine geringe Größe ja sehr bekannt, was an seinen genialen Küstenlandschaften liegen soll. Und wie auch bei Esperance kommentiere ich das mit einem "Fucken A!".
Bei der Schaffes ging es ums Bäume pflanzen und düngen, Reparaturarbeiten durchführen und Holz machen (welches natürlich nicht möusich war). Da die Frühlingstemperaturen dort nur minimal über denen in Deutschland liegen, konnte das Werkeln im Freien eigentlich nicht besser sein.
Da in der Regel 4 Stunden Arbeitszeit nicht überschritten wurden, blieb auch genug Zeit für Freizeitaktivitäten übrig. Und bei dieser brillanten Landschaft gab es viel anzustellen.
An einem Nachmittag fuhr ich mit dem Fahrrad einen Part des "Munda Biddi Trails" zur Küste "Greens Pool". Der Munda Biddi Trail ist eine 950 km lange Mountainbikestrecke, welche von Perth nach Albany (oder umgekehrt) verläuft. Der Name stammt aus der Sprache der Aborigines und bedeutet soviel wie "Pfad durch den Wald". Das Fahren dieses Streckenabschnittes machte unglauglichen Spaß. Wenn die restlichen 925 Kilometer genauso schön sind, ist Munda Biddi ein absolutes Must-Do für Mountainbikeliebhaber.
Aber auch meine Endstation, die Küste" Greens Pool", war ein Augenschmaus. Sie zählt zu den Touristenhotspots in Denmark. Da die Sommerferien noch nicht begonnen haben, war aber nicht wirklich viel los. Das machte den Aufenthalt mit einer Runde "Das Lied von Eis und Feuer" sehr entspannend. Den etwas größeren Felsen im ersten Bild rechts wird übrigens zum Trainieren von Arschbombenskills genutzt. Zumindest sah es so aus.
Auf dem Rückweg kreuzte dann das erste mal eine Schlange meinen Weg. Genauer gesagt war es eine sogenannte schwarze Tigerotter (oder auch Tigersnake), die wie so vieles in Australien tödlich sein kann. Da sie aber nur im äußerstem Notfall zubeißt, gehen die Leute hier relativ lässig mit dem großen Vorkommen dieser Schlange um. Eine Empfehlung zu dem Thema war nur: "Wenn du in Buschgebiet gehst, immer schön trampeln. Dann hauen die Tigersnakes rechtzeitig ab."
Der Munda Biddi Trail hat aber auch ein Wandergegenstück, welches sogar die 1.000 km voll macht. Der Name dieser Strecke lautet "Bibbulmun Track". Als Bibbulmun wurden der Aboriginestamm bezeichnet, welcher im Südwesten Australiens, also der Gegend durch die der Track verläuft, heimisch war. Es bedeutet soviel wie "men of plenty". Die uns Europäern klassisch bekannten Aborigines kommen ja aus dem Outback und waren eher rappeldürr. Antje erkärte mir, dass die Leute des Bibbulmun-Stammes aufgrund des größeren Nahrungsvorkommens dieser Gegend aber ordentliche Kugeln vor sich herschoben. Von daher kommt somit der Name. Ich bin den Weg vom Lights Beach über den Monkey Rock nach Denmark gelaufen. Dieser Part verfügt über einige geniale Aussichtspunkte. Zudem hatte man beim Wandern teilweise wirklich das Gefühl, mitten durch den Urwald und weit entfernt von irgendeiner Form von Zivilisation zu sein. Das war wundervoll. Beim Internetsurfen bin ich auf einen Artikel gestoßen, der den gesamten Track wohl etwas überspitzt kommentiert:
Giftige Tiere, vor denen dieser Artikel warnt, sind mir allerdings nicht über den Weg gelaufen. Lediglich ein paar Kakadus konnten gesichtet werden.
Ansonsten war es ein wirklich bequemer Aufenthalt, bei dem alles gepasst hat. Das Essen war gut (das erste mal Känguruhsteak), man konnte sich gut unterhalten und die ganze Atmosphäre war sehr entspannt.
Unvergessen bleibt das Thema deutscher Wortneuschöpfungen, welche einen Sachverhalt in einem Wort beschreiben sollen. Mein Favourite dabei war der "Tageslichtspielschock". Damit ist die Wirkung gemeint, wenn man aus einem Dunklen (Kino)saal herauskommt und plötzlich im stockhellen Tageslicht steht.
Bei genauerem Nachdenken über dieses Wort kam ein bisschen Heimweh auf. Der Grund dabei war dieser Gedanke: "Freue ich mich schon wieder auf den Faschingssonntag, wenn wir in der Homburger Bocksbeutelbar ein paar Bargetränke leeren und jedes Mal beim Verlassen einen Tageslichtspielschock erleiden."
Trotz alledem geht es nun weiter zur Winzerei "OranjeTractor" in Albany. Dort werde ich voraussichtlich für 2 1/2 Wochen bleiben. Da es in Denmark nämlich so schön war, wird die Woche vor Weihnachten noch einmal dort verbracht.
