13. - 17. Nov 2016: Cottesloe Beach
Nachdem ich meine ursprünglichen Pläne für die Arbeit während des Fluges vom Gebiet nördlich von Perth auf die Südküste Westaustraliens geändert habe, sollte es also in die...


Veröffentlicht: 24.11.2016


























Der Farmer mit dem Namen John Starr holte mich an einer Bahnhofsstation ab. Er sah schon echt alt aus. Ich hörte von Ihm, dass er 78 Jahre auf dem Buckel hat, aber noch voll im Saft stehe. Das liegt laut ihm daran, dass er noch immer arbeitet und dadurch geistig fit bleibt (das dürfen unsere Politiker nicht hören). Beim Smalltalk während der Fahrt machte er aber einen guten Eindruck und ich fand die Tatsache eines sich mit dem IPhone durch den australischen Busch navigierenden Opas sowieso ganz witzig. Da die Fahrt 8 Stunden in Anspruch nahm, durfte ich zwischenzeitlich auch das erste Mal im Linksverkehr fahren während er sich ein Schläfchen gönnte. Die Umgewöhnung fällt tatsächlich leichter als erwartet. Und die Landschaft war wirklich genial. Unendliche Weiten von Weizenfeldern und Wiesen, die Straßenränder mit Eukalyptusbäumen geschmückt und alle 100 km ein kleines Städtchen. Das war der australische Busch, wie man ihn sich vorstellt.
Nach 8 Stunden Fahrt kamen wir dann an der 20 km von Esperance entfernten Farm an. Das Haus machte einen heftig verbrauchten Eindruck. Und als ich dann meine Unterkunftsbaracke sah, kam sofort der Gedanke: "Scheiße, hier kann ich nicht für 5 Wochen bleiben." Das war echt hammerhart. Der Boden im Schlafzimmer aus Beton, die Bettlaken verdreckt ohne Ende und gefühlte 50 Spinnen inklusive ihrer Webkunst auf einem 10 qm²-Raum verteilt. Das Haus des Farmers war auch nicht viel besser. Mir wurde schlagartig bewusst, wie verwöhnt wir eigentlich sind.
Eine weitere auf der Farm Arbeitende Person war ein Festangestellter, der (laut seiner Story) von seiner Freundin einfach im Busch ausgesetzt wurde. Dabei gab sie ihm ein "da hast du, was du immer wolltest" mit und fuhr weg. Er hört auf den Namen Amhain und ist gebüriger Ire. Die ersten zwei Tage erwiesen sich als wirklich harte Eingewöhnungsphase. Zugegebenermaßen war die Arbeit an sich aber echt cool und gegen die beiden Farmer war auch wirklich nichts einzuwenden. Aber diese Bleibe war echt zu hart. So machte ich mich weiter auf Jobsuche, welche auch relativ schnell erfolgreich war. Eine Winzerei in Albany, die sogar schon Prinz Charles zu Gast hatte, kann mich aufnehmen. Allerdings erst in anderthalb Wochen. So mache ich die 6 Tage auf dieser Farm voll und als weitere Übergangslösung ist für eine halbe Woche eine Deutsche Familie im Städtchen Denmark geplant. Bei beiden Stationen sind auch nur 4 Std. Arbeit pro Übernachtung verlangt. In der Momentanen sind es 8 aufwärts, was nur für Unterkunft und Verpflegung eindeutig zu viel ist. Echt erfreulich, wie schnell sich hier Lösungen finden. Man weiß eigentlich nie sicher, was die nächsten Tage bringen können und wenn es beschissen wird, findet man immer einen Ausweg. Also "no worries", wie die Australier sagen.
Eines Morgens kam es zum Streit zwischen John und Amhain, da Zweitgenannter am Sonntag ein paar Bier betrunken hat und erst um 9 aufgestanden ist. Nach dem Streit holte Johne Amhains selbstgebastelte Machete aus dem Zimmer und sperrte sie in den Waffenschrank. Begründung: Da fühle er sich sicherer. Das war ein weiterer Anstoß hier schnell wieder abzuhauen. Naja, nichtsdestotrotz haben sich die beiden nach einer Viertelstunde wieder lieb gehabt. Damit ich keinen Sonnenstich bekomme, schenkte mir John eine Arbeitskappe. Wie ich erst auf folgendem Foto bemerkte, mit dem roten Stern bestickt. Anscheinend ist John ein Fan des Kommunismus.
Der Aufenthalt hatte aber auch seine Lichtblicke. Dazu gehörte zum Beispiel der Samstagabend, an dem ein paar Dunkle getrunken wurden. Amhain brachte mir dabei ein paar australische Sitten bei. Zum Beispiel wie ein deutsches "da hast du Recht" ausgesprochen wird. Aus der Schule kenne ich noch das "I agree" oder "that's right". Im Buschland haut man dazu einfach ein "fucken A" raus. Die Betonung liegt dabei auf das "-en". Danach erklärte er mir, dass in Australien alles einen Spitznamen bekommt. Und zwar nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Dinge. Die Fahrzeuge der Farm haben zum Beispiel den dementsprechenden Spitznamen aus "Bob der Baumeister" bekommen. Da aber der Traktor bei Ihm nicht Rumpel hieß, bemerkten wir, dass die Namen wohl in der jeweiligen Sprache deutlich unterschiedlich sind. So begann eine philosophische Runde mit dem Thema: Unterschiede der Charakternamen bei "Bob der Baumeister" zwischen dem Deutschen und Englischen. Es war wundervoll. So können ein paar Bier dann doch die Stimmung heben. Rumpel heißt im Englischen übrigens Travis.
Eines Mittags besuchte uns ein Typ um Fleisch zu kaufen. Und irgendwie kam er mir echt bekannt vor. Der Körperbau, das Gesicht, das Doppelkinn...irgendwoher kannte ich diese Person. Als er während einer Kaffeerunde in der Küche anfing zu lachen, kam es mir so langsam. Jabba the Hut wurde anscheinend gar nicht von Prinzessin Leia erdrosselt, sondern hat sich nach der Niederlage des Imperiums an der Südküste Westaustraliens niedergelassen. Hätte ich eine gute Begründung für ein Foto gefunden, wäre der Beweis jetzt hier hochgeladen. Aber nicht anders als so sah das aus:
Einen anderen Nachmittag machte John einen Abstecher in die Stadt Esperance. Ich durfte mich während seines Einkaufsbummels umsehen. Der Ort hatte wirklich seinen eigenen Charme. Die Abgeschiedenheit war zwar irgendwie spürbar, aber dennoch machte Esperance absolut keinen hinterwäldlerischen Eindruck. Zudem war alles sehr gepflegt und wirklich schön angelegt. Dazu kommen noch die hammergeilen Küsten bestehend aus einem Mix von blau leuchtendem Meer, Sandstränden, grün bewachsenen Klippen und kleinen Inseln. Zum Abendessen ging es während des Sonnenuntergangs an so eine Küste. Es war herrlich. In einigen Reiseführern steht, an der Südküste Westaustraliens sind die schönsten Küsten des ganzen Landes zu finden. Und obwohl ich bisher nur den Strand von Perth gesehen habe würde ich behaupten: "Fucken A!!!"
Während der Arbeit hatte ich beim Metallbalken aufstellen meinen ersten Kontakt mit einem ernsthaft giftigen Tier und hätte beinahe in eine Redback-Spinne gelangt. Ein Biss führt zu 12 Stunden andauernden Lähmungserscheinungen und Krampfanfällen. Wenn es ganz blöd läuft, kann man sogar draufgehen. Trotzdem hat John das Ding, genauso wie zwei weitere Redbacks, mit einer Lässigkeit a la Michael "Crocodile" Dundee zerdrückt.
Nach 6 Tagen war ich aber trotzdem heilfroh mit dem Bus in Richtung Albany weiterreisen zu können. Auch wenn die Fahrt 10 Stunden dauert, ist das immer noch gemütlicher als eine Nacht in diesen "Schlafräumen". Dieses Wild-West-Life mal mitzubekommen war wirklich eine interessante Erfahrung. Allerdings keine, die man über eine längere Zeit machen will.
