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Tag 6: Irgendwas zwischen Ananas und Avocado - die Farm Home for all

Veröffentlicht: 10.05.2025

Heute steht uns ein besonderer Tag bevor, an dem wir noch etwas mehr von der Insel außerhalb der Hauptstadt sehen werden. Um 9.30 geht es los, ein Van und Truck der NGO Home For All holen uns vom ab und bringen uns zu ihrer Farm in der Nähe von Lampou Mili.

Home for All wurde von einem griechischen Ehepaar gegründet und ist seit 2015 hier auf Lesbos in der Flüchtlingshilfe aktiv, von der Ankunft der ersten Flüchtlinge bis heute.
Home for All bringt den Flüchtlingen warme Mahlzeiten ins Lager Kara Tepe, organisiert für die Kinder und jungen Menschen Schul- und Weiterbildungsangebote, unterstützt Flüchtlinge bei der Kommunikation mit den Behörden und hilft oft einfach und vor allem anderen durch menschliche Nähe und Wärme.

Bei einem Rundgang erkunden wir den sehr großen Bauernhof und die Gemüsefelder, auf denen eine große Variation angebaut wird: Salad, Olivenbäume, Gurken, Bohnen, Tomaten, Auberginen, riesige Wildblumenflächen für Bienen und andere Insekten, daneben auch noch mehr Tiere: Lämmer, 130 Hühner, Hunde, Katzen, Esel, Pfauen und Gänse.

Wir treffen eine griechische Mitarbeiterin, die mit uns über die Situation der Geflüchteten auf Lesvos spricht. Sie meint, dass Menschen in Kara Tepe immerhin eine Chance auf Integration haben zwecks der Lage des Camps. Es gibt viele NGOs in der Stadt und in umliegender Umgebung, wo sie Hilfe suchen können. Das neue Camp im Wald wird zu totaler sozialer Isolation führen. Über Kara Tepe hatten die Medien viel berichtet, aber eher manipuliert. Sie arbeitete dort als Reinigungskraft und hatte auch Angst, dort zu arbeiten anfangs und das Elend zu sehen fiel es ihr psychisch sehr schwer.

Mittags werden wir zur „Kitchen“ geführt. Ein kleines Häuschen mit industrieller Küche und schon wunderschön gedeckten Tischen, die uns mit einem weiten Blick auf die Berge und Felder erwarten. Hier wird ein sehr großzügiges Mittagessen für uns zubereitet, welches wir mit den Mitarbeitern einnehmen. Wir vertiefen uns mit allen in Gesprächen und warmen Gelächter.

Thanasis ist ein Koch eigentlich vom Festland, kam 2019 als Freiwilliger und ist bis heute geblieben. Er erzählt: „Damals gab es das Moria Camp noch, welches ein Notfallcamp mit da 3000 Menschen sein soll. Ich wurde aber von der Realität der Geflüchteten erschlagen, denn ich sah 20000 Menschen auf engsten Raum in diesem Lager. Die Community der Insel hat diese Initiative erschaffen, um zu helfen. Ich habe zB. Kochklassen gegeben für Minderjährige in Moria. Wir von Home For All sind unabhängig von der Regierung und hatten uns dazu entschieden, nur mit Spenden zu arbeiten. Wir möchten uns so unabhängig wie möglich machen, deshalb haben wir 2020 auch angefangen, möglichst alles selbst zu pflanzen, um auch die Kosten zu verringern. 

Die Organisation MSF gibt uns eine Liste, welche besonderen Gewohnheiten von Manhlzeiten im Camp gebraucht wird wie z.B durch Diabetes. Das Catering des Camps kann diese Bedarfe leider nicht decken, somit übernehmen wir diese Aufgabe. Wir kochen Montag bis Samstag jeden Tag um die 400 Essenspakete für die Menschen im Lager. Auch gehen einige Pakete durch eine Kooperation mit der orthodoxen Kirche an Schulen mit Kindern, die Förderbedarf haben. Sogar an die Polizei gehen einige Pakete, denn diese hat auch temporäre Zellen ohne Catering. Wir versuchen, so viele vulnerable Gruppen auf der Insel zu erreichen.

Neben den Verpflegungspaketen veranstalten wir auch Erlebnistage für Schulgruppen und Menschen aus dem Lager können zu uns zum Essen vorbei kommen, besonders alleinerziehende Mütter und Familien.
Eine Besonderheit ist, dass das Projekt inklusiv ist und alle Menschen zusammen bringen möchte, nicht nur Geflüchtete. Auch die Dorfbewohner dieser Gegend unterstützen uns und finden unser Projekt gut.“

Wir decken uns noch mit Olivenöl für zu Hause ein und steigen wieder in die Autos. Thanasis bringt uns dahin, wo das Moriacamp früher stand. Angekommen sehen wir eine gar nicht so große leere Militärfläche umringt von Mauern und Zäunen. Wir fragen, wie hier über 20.000 Menschen gelebt haben. Thanasis erzählt, dass irgendwann es irgendwann so viele waren, dass sie dann auch außerhalb dieser Mauern die nebenan gelegenen Hügel bewohnt haben. Es sollte ca. 3000 beherbergen, aber zum Zeitpunkt des Feuers wurden 23.000 Menschen gezählt.

Das neue noch nicht geöffnete Camp im Wald in Vastria soll ein geschlossenes Camp werden. Thanasis befürchtet, dass die Lage im Wald auch sehr gefährlich sein könnte wenn erneut ein Feuer ausbricht. Außerdem ist das nächste Dorf z.B. 30min mit dem Auto entfernt. Wir fragen, ob es ihre Arbeit nicht immens erschwert, wenn das neue Camp noch weiter weg ist wegen der Essensausgabe. Er antwortet selbstbewusst, dass egal wie weit weg, sie werden weiterhin ihre Arbeit machen solange es den Bedarf gibt.

Mit dieser motivierenden Aussage steigen wir wieder in die Autos und werden zurück in die Hauptstadt gefahren. Der letzte offizielle Termin der Reise ist somit vorbei und der restliche Tag wird dazu genutzt, das Mosaik Community Center zu besuchen, welches Upcycling betreibt und 2015 damit begonnen hat, die vielen Rettungsboote und Schwimmwesten der Geflüchteten auf der Insel zu sammeln und weiter zu verarbeiten in Taschen, Untersetzern und vielen anderen kreativen Gegenständen. Wir decken uns dort mit Mitbringseln ein und genießen den Rest des Tages damit, die letzten Souvenirs zu kaufen, beim Kaffee, am Strand und lassen so den Tag ausklingen.

Abends haben sich noch Grüppchen gebildet bzw. manchen waren auch allein, um die vielen vielen Eindrücke der vergangenen Tage zu sammeln. Einige haben noch einmal gemeinsam das phantastische Essen genossen um dann noch einen Mitternachtsspaziergang mit nächtlichem Schwimmen im Meer und ein letztes Getränk am Strand zu unternehmen. Dabei konnten wir eine nächtliche Paroullie der Coast Guard erleben, die aufs Meer hinaus fuhr, ohne Licht aber mit großer Geschwindigkeit.. begleitet von einem mulmiges Gefühl, nach allem, was wir darüber gehört haben.



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