Handwerksorte um Hoi An - Teil 1
Zum UNESCO-Kulturerbe gehört nicht nur die Stadt Hoi An, sondern auch die Handwerksdörfer rund um die Stadt. Unsere Unterkunft liegt auf


Veröffentlicht: 24.07.2026




















Das Kim Bong Carpentry Village liegt auf Cam Kim Island, südlich von Hoi An. Hier kann man Handwerkern bei der Herstellung traditioneller Holzarbeiten, Schnitzereien und dem Schiffsbau zuschauen. Bereits im 16. Jahrhundert wurden hier feinste Holzkonstruktionen gefertigt – ein bekanntes Beispiel ist die Japanische Brücke in Hoi An. Der Eintritt kostet 35.000 VND pro Person, dafür kann man kostenlos das Mattenflechten ausprobieren und sich auch selbst an einer kleinen Schnitzerei versuchen. Wir hatten dabei sehr viel Spaß und es war spannend, einmal selbst etwas Handwerk auszuprobieren und die verschiedenen Werkzeuge kennenzulernen.
Am besten gefallen hat mir der Laden „Ngô. (Wood Art and Workshop)”. Die Ausstellungsstücke waren ideenreich und wunderschön umgesetzt, und uns wurde viel über die Holzverarbeitung erklärt. Zum Beispiel, dass Jackwood (Holz des Jackfruchtbaums) häufig für Buddhastatuen verwendet wird, da es als besonders wertvolles, ja fast heiliges Material gilt. Ein Jackfruchtbaum wird erst gefällt, wenn er keine Früchte mehr trägt, und das Holz lässt sich leicht an seiner charakteristischen gelben Farbe erkennen. „Kim Bong” bedeutet übrigens, wie uns erklärt wurde, „fließendes goldenes Holz” – womit eben dieses Jackwood gemeint ist.
Im Carpentry Village gibt es noch viele weitere Läden und Stationen, an denen man selbst schnitzen kann. Dazu werden kleine Holzplatten eingespannt, ein Motiv mit Bleistift vorgezeichnet und dann mit Meißel und Schlägel herausgearbeitet – zum Schluss noch etwas Schleifpapier drüber und schon hat man ein schönes Andenken. Im nördlichen Teil des Ortes liegt außerdem eine Schiffswerft, wo man beobachten kann, wie Fischerboote zur Reparatur an Land gehievt werden.
Hutflechten
Bei „Thìn – Knitting Hats, Woven Basket” kann man selbstgeflochtene Hüte und Taschen kaufen und auch selbst das Flechten ausprobieren.
Mattenflechten
Das Ban Thach Mat-Weaving Village befindet sich östlich vom Carpentry Village auf der selben Insel und auch hier sind nur noch wenige Familienbetriebe übrig. Der Ort wurde im 16. Jahrhundert von Vietnamesen aus Nga Son gegründet, die eine lange Tradition im Mattenweben mitbrachten und ihre Waren im Handelshafen Hoi An verkaufen wollten. In den 1980er Jahren wurden die Matten größtenteils in die Sowjetunion und nach Osteuropa verkauft – das waren die goldenen Jahre des Mat Village.
Die Matten werden aus regional angebauten Segge-Pflanzen hergestellt. Im Frühjahr und Herbst werden die Pflanzen geerntet, aufgespalten und getrocknet, anschließend eingefärbt und mithilfe eines Webstuhls zur Matte gewebt. Die Vietnamesen nutzen die Matten meist als Bodenunterlage zum Sitzen oder Essen, oder als kühlende Unterlage auf dem Bett. Sogar in Tempeln finden sie Verwendung – reich verziert mit Drachen oder Phönix als Vorhang vor dem Altar.
Bei einem Besuch (Eintritt frei) kann man selbst das Weben ausprobieren. Aber nicht nur im Mat Weaving Village, sondern auch im Carpentry Village gibt es mehrere Stationen dafür. Wir haben uns abwechselnd vor dem Webrahmen gequetscht, der natürlich nicht auf europäische Beine ausgelegt ist – aber es ging. Simon saß dahinter und kam mit seinen langen Armen trotzdem noch an den Weberkamm. Zwei freundliche ältere Damen haben uns gezeigt, wie es funktioniert:
Durch Kippen des Weberkamms zu sich hin werden die Kettfäden angehoben – immer jeder zweite – und der Schussfaden wird mit einem gegabelten Stock durchgefädelt. Anschließend wird er mit dem Kamm an die vorherigen Fäden angedrückt. Dann schiebt man den Kamm vor und kippt ihn in die andere Richtung, um die bisher nicht angehobenen Fäden zu heben, und fädelt den nächsten Schussfaden durch. So entsteht nach und nach ein festes Webbild.
Räucherwerk
Im „Phố Hội – Sightseeing and Experience of Incense Making Traditional Craft” wurde uns gezeigt, wie früher mit der Hand und heute mit der Maschine Räucherstäbchen gefertigt werden. Der Grundstab besteht immer aus Bambus. Die entzündbare Paste wird aus Zimt und Zimtbaumsaft hergestellt, aus chinesischen Heilkräutern oder aus Agarholz, dem die Kraft nachgesagt wird, böse Geister fernzuhalten – es wird auch im arabischen Raum zu diesem Zweck verbrannt. Ansonsten dienen Räucherstäbchen vor allem der Entspannung und Luftreinigung.
Bei maschineller Herstellung wird die Paste oben in ein Rohr gefüllt und der Bambusstab seitlich eingefädelt. Durch Betätigen eines Pedals wird der Stab auf die andere Seite geschoben, dabei mit der Paste ummantelt und ausgeworfen.
Bei der Handherstellung wird die Räuchermasse zunächst mit einem Reibebrett zu einer dünnen Wurst geformt und dann damit um den Bambusstab gerollt.
Daneben werden auch Rückfluss-Räucherkegel hergestellt: Die Paste wird in Holzformen gepresst und getrocknet. Abgebrannt werden sie auf speziellen Haltern – sozusagen das asiatische Pendant zum deutschen Räuchermännchen – in Form von Buddhastatuen, Bergen, Drachen oder Lotusblüten. Durch die besondere Kegelform steigt der Rauch nicht nach oben, sondern sinkt nach unten und fließt wie ein kleiner Wasserfall an der Figur herab.
Das Silk Village befindet sich nahe des Stadtzentrums von Hoi An und ist mittlerweile ein Freilichtmuseum, das den traditionellen Anbau von Maulbeerbäumen, die Seidenraupenaufzucht und die Seidenstoffherstellung zeigt – inklusive der lebendigen Raupen. Es befindet sich auf dem Gelände des „Silk Village Hoi An – The Tourist Hotels” und kostet zwischen 50.000 und 150.000 VND Eintritt, je nach gewählter Führung.
Den Eingang haben wir nicht gleich gefunden, da das Gelände so zugewuchert ist mit üppiger Bepflanzung, Cafés und Bungalows, dass man den Heritage Bereich leicht übersieht. Mehr aus Versehen sind wir über die vier bis fünf Bambushütten gestolpert und konnten uns die Seidenherstellung anhand der Gerätschaften ansehen und sogar die lebendigen Raupen beobachten. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Anschauungsmaterial gewünscht – die Hütten wirkten etwas lieblos auf das Gelände gequetscht. Der Verkaufsladen für Seidenwaren war dann natürlich deutlich prominenter platziert. Im Vergleich zum Carpentry oder Pottery Village hat sich der Besuch weniger gelohnt. Das ist allerdings Meckern auf hohem Niveau, wenn man sich (nicht absichtlich) um den Kauf eines Tickets herumgemogelt hat.
Das Ha Linh Lantern-Making Village besteht aus nur einer Werkstatt und befindet sich bei den Reisfeldern zwischen Tra Que und Hoi An. Dort kann man sehr schöne Laternen kaufen oder auch selbst basteln. Bereits im 17. Jahrhundert wurden in Hoi An Laternen hergestellt. Eine kleine Laterne mit Stoff zu bekleben kostet dort 120.000 VND, eine größere 150.000 VND.
Man kann relativ spontan vorbeikommen und loslegen – wir waren an einem Montagvormittag da und anders als manche Google-Bewertungen vermuten lassen, waren die Angestellten sehr freundlich und haben uns alles gezeigt und Fragen beantwortet. In Hoi An gibt es aber auch viele andere Läden, die Laternen-Bastelworkshops anbieten.
Das Phuoc Kieu Bronze Casting Village liegt südwestlich von Hoi An nahe Mai Son und wurde im 17. Jahrhundert als einer der größten Bronzewarenhersteller der Region gegründet. Beliefert wurden damals die Kaiserstadt und der Handelshafen von Hoi An. Heute werden hier vor allem religiöse Objekte hergestellt: Urnen, Gongs, Kerzenhalter und Ähnliches. Der Eintritt ist zwar frei, allerdings scheint es mittlerweile ein sehr kleines und unregelmäßig besetztes Kunsthandwerksdorf mit wenigen aktiven Verkaufsständen zu sein, ohne dass man etwas zur Herstellung sehen kann. Wir haben den Ort deshalb nicht selbst besucht.
Das Cam Ha Kumquat Village befindet sich nordwestlich von Hoi An, wo auf 65 Hektar Kumquat-Bäume kultiviert werden. Allerdings handelt es sich nicht um die bei uns bekannten Früchte mit den kleinen länglich-runden orangenen Kumquats, sondern um Calamansi-Bäume – die Vietnamesen verwenden für beide denselben Begriff. Die Calamansi haben wir bereits auf den Philippinen kennengelernt: Sie sieht äußerlich aus wie eine etwas kleinere Limette, je nach Sorte grün bis orange, mit orangefarbenem Fruchtfleisch und vielen Kernen. Geschmacklich bewegt sie sich zwischen Limette und Mandarine und wird meist zum Würzen von Speisen oder als Saft verwendet.
Soweit wir gesehen haben, gibt es kein eigentliches Dorf, sondern verschiedene Anbaugebiete und Gartencenter. Am ehesten lässt sich im „Phuc Nguyen Rose Garden Kafe” etwas über die Früchte erfahren: Die Familie stellt selbst viele Produkte her, wie getrocknete Kumquatstücke, Tees und Marmeladen und man kann sich die Produktion vor Ort ansehen oder im kleinen Laden einkaufen. Im Café lässt sich der Kumquatsaft oder -kaffee probieren und man kann durch den angeschlossenen Garten schlendern.
In der Umgebung ist es auch möglich, an einem Workshop zur Reispapierherstellung teilzunehmen – das scheint jedoch nur über eine organisierte Tour möglich zu sein, etwa über GetYourGuide. Reispapier ist hier in Vietnam so allgegenwärtig wie bei uns das Brot: So gut wie alles, was keine Suppe ist, wird darin eingerollt – für mich war das bisher vor allem im Zusammenhang mit Sommerrollen bekannt.
