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Prambanan – in Stein gemeisselte Götter

Veröffentlicht: 31.07.2026

Attraktion
Candi Prambanan
Yogyakarta, Indonesia
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Borobudur
Magelang, Indonesia
Attraktion
Candi Lumbung
Yogyakarta, Indonesia
Attraktion
Candi Bubrah
Yogyakarta, Indonesia
Attraktion
Candi Sewu
Yogyakarta, Indonesia
Sehenswert
Yogyakarta
Yogyakarta, Indonesia

Yogyakarta, die Hauptstadt des gleichnamigen Sultanates auf Java, ist Aus-gangspunkt für zwei monumentale Unesco-Weltkulturerbestätten. Sie hin-terlassen einen bleibenden Eindruck – bei mir jedenfalls, der ich die beiden Tempelanlagen am 3. und 4. Juli 2026 besucht habe. Während der hindu-istische Komplex Candi Prambanan durch seine steil gegen den Himmel ra-genden Türme fasziniert, beeindruckt das buddhistische Monument Boro-budur als terrassenförmige Pyramide durch seine gigantische Grösse.

Der archäologische Park von Prambanan besteht aus vier Hauptanlagen, die man bequem zu Fuss oder in elektrischen Golfcharts erkunden kann, idealerweise von Süd nach Nord. Prambanan wurde im späten 9. Jahrhundert unter der hinduistisch-buddhistischen Mataram-Dynastie er-richtet und ist damit fast dreihundert Jahre älter als die, vielleicht noch berühmteren, Tempelanlagen von Angkor.

(Präzisierung für Geschichtsbewusste; alle andern können die Klam-merbemerkung überspringen: Das hinduistisch-buddhistische Königreich Mataram existierte ab dem 8. Jahrhundert n.Chr. und verschwand im 10. Der Islam erreichte Java erst ab dem 13. Jahrhundert; im 14. und 15. Jahr-hundert wurden erste muslimische Sultanate gegründet. Das Islamische Sultanat Mataram entstand um 1580 und zerfiel 1755. Daraus entstand un-ter anderem das bis heute existierende Sultanat Yogyakarta.)

Über allem thront Shiva

Das prächtigste, fast 1200 Jahre alte Ensemble, Candi Prambanan im Nor-den der Anlage, ist der hinduistischen Dreifaltigkeit, der sogenannten Tri-murti, gewidmet: Im Zentrum stehen acht Haupttempel, von denen der 47 Meter hohe Tempel von Shiva (dem Zerstörer) als dominanter Mittelbau das gesamte Heiligtum prägt. Flankiert wird er von zwei weiteren grossen Tempeln für Vishnu (Bewahrer) und Brahma (Schöpfer).

Ursprünglich standen in der Anlage 224 bis 250 einzelne Schreine. Viele dieser kleinen Tempel sind heute nur noch als schwarze Basalt-Steinhaufen oder Reste von Fundamenten erhalten, und ob sie jemals rekonstruiert werden können, ist ungewiss. Denn in früheren Jahrhunderten hatten die Menschen aus der Umgebung die Anlage jahrhundertelang als Reservoir für Baumaterial benutzt, und viele Teile sind schlicht nicht mehr vor-handen. (Was ich hier erzähle, entspringt natürlich nicht meinem Wissen, sondern dem unseres Guides.)

Prambanan wurde nur etwa 80 bis 100 Jahren intensiv genutzt und spätestens Ende des 10. oder Anfang des 11. Jahrhunderts aufgegeben, von Vegetation überwuchert und durch Naturkatstrophen beschädigt. Vor al-lem ein Erdbeben 1549 zerstörte die Anlage weitgehend. 

Jahrhundertelanger Zerfall

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts, unter der niederländischen Kolo-nialverwaltung, begannen erste Sicherungs- und Wiederherstellungsarbei-ten; die systematische Restaurierung startete in den 1930er‑Jahren; 1953 wurde der Shiva-Tempel wieder eröffnet, also bereits unter der inzwischen unabhängig gewordenen Republik. Seither sind laufend weitere Tempel rekonstruiert worden, mit einer besonders intensiven Phase nach dem zer-störerischen Erdbeben von 2006.

Die schlanken, hoch aufragenden Turmbauten sind reich mit Reliefs ver-ziert. Diese wurden aus den bereits aufgebauten Steinen gemeisselt; die Steinmetzte durften sich also nicht die geringsten Fehler erlauben; das macht Detailreichtum, Präzision, Schönheit und Ausdrucksstärke dieser Werke umso bewundernswerter.

Dargestellt werden Szenen aus dem hinduistischen, in ältesten Teilen mehr als 2500 Jahre alten Epos Ramayana. Es erzählt die Lebensgeschichte des Prinzen Rama, einer menschlichen Inkarnation des Gottes Vishnu. 

Rama war ein idealer Herrscher. Sein Ruhm und seine göttliche Herkunft brachten den thailändischen König Vajiravudh, der von 1910 bis 1925 regierte, auf die Idee, sich selber und seine fünf Vorgänger der Chakri-Dynastie, seit 1782 an der Macht, ebenfalls «Rama» zu nennen und sie rückwirkend zu nummerieren. So wurde aus Vajiravudh Rama VI; der heutige König von Thailand, Maha Vajiralongkorn, ist Rama X.

Friedliches Nebeneinander

Drei weitere Tempel im selben Park sind Buddha gewidmet und demon-strieren das friedliche Nebeneinander der Religionen im früheren König-reich. Nördlich des hinduistischen Prambanan-Hauptkomplexes liegt der buddhistische Candi Lumbung. «Lumbung» meint übersetzt «Reis-Spei-cher», aber es handelt sich um einen restaurierten Tempel, der einst von 16 kleineren Nebentempeln umgeben war. Auch am Lumbung finden sich feine Steinmetzarbeiten und Stupas.

Nur ein Stück weiter nördlich trifft man auf Candi Bubrah. Lange Zeit eine Ruine, wurde dieser buddhistische Tempel aufwendig restauriert. Es gibt hier gut erhaltenen Buddha-Statuen an den Aussenseiten und grimmige Kirtimukha-Köpfe über den Nischen zu sehen. Das Sanskrit-Wort Kirti-mukha bedeutet «Gesicht der Herrlichkeit»: effektiv soll dieses groteske Monster mit hervorquellenden Augen, Reisszähnen und aufgerissenem Maul den Tempel beschützen.

Ganz im Norden der Anlage liegt Sewu. Der Name bedeutet «Tausend Tempel»; tatsächlich waren es einst 249 Bauwerke. Zwei gewichtige, be-waffnete Wächterstatuen flankieren die Eingänge zur zentralen Anhöhe. Ingteressanterweise gibt es auch in diesem buddhistischen Tempel Szenen aus dem hinduistischen Epos Ramayana. Leider kann ich diese nicht sehen; Candi Sewu ist abgesperrt und kann nur von aussen betrachtet werden. Trotzdem imposant, dieser zweitgrösste buddhistische Tempel-komplex Indonesiens nach Borobudur.

Borobudur wird mein nächstes Highlight sein. 

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Kulturell
  • Candi Prambanan
  • Candi Lumbung
  • Candi Bubrah
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