BLOG 20: Nicaragua - Pazifikküste & Mangrovenwald
Nicaragua hat auch Natur zu bieten. Heute geht’s etwa 25 km von Leon Richtung Westen und zur Pazifikküste. Nahe der Ortschaft Las Peñitas steigen wir – wieder mal durchs


Veröffentlicht: 13.03.2026









































Heute steht die Fahrt von Leon nach Granada auf dem Programm. Hauptpunkt ist der Besuch der Hauptstadt Managua. Es gibt zunächst die „Pflichtübung“ des Besuches der Stätten und Denkmäler der Sandinisten und danach geht’s zur Stadt Boutique des weltbekannten Rum Herstellers „Flor de Caña“.
Wie schon in einem früheren Blog angekündigt folgt hier nach der „Tagesbeschreibung“ eine Kurzfassung der turbulenten Geschichte Nicaraguas – diese ist so turbulent, dass sogar eine „Kurzfassung“ recht lange wird…..
In Managua starten wir am großen Platz „Plaza de la Fe – San Juan Paolo II“. Papst Johannes Paul II hat Nicaragua zweimal besucht, 1983 während des Contra Krieges, wo er den Gegensatz zu den Sandinisten und der „Volkskirche“ mit Ernesto Cardenal betonte. Ernesto Cardenal wurde erst 2014 von Papst Franziskus rehabilitiert und seine Suspendierung aufgehoben. Der zweite Besuch 1996 war entspannter, da die Sandinisten nicht mehr an der Macht waren. Es ist natürlich schon eine gewisse Ironie, dass an diesem Platz, an dem Johannes Paul Messen gehalten hat, die Symbole für Sandino und Hugo Chavez sowie das Denkmal für den Freiheitshelden Simon Bolivar platziert sind.
Gleich nebenan, auch am Ufer des Lago Xolotlán (Managua See) ist der Freizeitpark Salvador Allende mit Denkmälern für den Namensgeber und Revolutionäre aus Kuba, Venezuela, Nicaragua etc. Neben der politischen Message ist das aber eine sehr schöne Anlage, die am Abend und Wochenende von der Bevölkerung Managuas gerne aufgesucht wird – es gibt auch Lokale und Bars dort.
Nicht weit entfernt unser nächster Stopp – der Plaza de la Revolution. Erster Blickfang ist die beim Erdbeben von 1972 zerstörte Kathedrale. Neben den vielen Einschüssen im Verputz (Revolution 1979) ist auch die zum Zeitpunkt des Erdbebens vom 23.Dezember 1972 um 00:35 stehengeblieben Turmuhr bemerkenswert. Beim Erdbeben wurden etwa 10.000 Menschen getötet und Managua zu 80 bis 90 % zerstört. Als ob das Beben und seine Auswirkungen nicht schlimm genug gewesen wären, hat im Nachgang der damalige Diktator Anastasio Somozo Debayle und seine Nationalgarde einen Großteil der internationalen Hilfsgelder und auch-güter unterschlagen.
Auf der Westseite des riesigen Platzes ist der Palacio Nacional, jetzt ein „revolutionäres“ Museum, dass uns zum Glück erspart bleibt.
An der Ostseite gibt es ein Denkmal für Sandino und (wahrscheinlich?) Präsident Ortega vor der Casa de los Pueblos – nach dem Erdbeben errichtet und früher der Amtssitz des Präsidenten, heute wird es von Ortega für Empfänge etc. benützt.
Die Nordseite schließt der Parque Central mit markigen Denkmälern für sandinistische Revolutionshelden ab.
Es geht weiter zum Aussichtspunkt Lome de Tiscapa auf einem Hügel, hier stand früher – bis zum Erdbeben - der Präsidentenpalast der Somozas, in dem auch Sandino und seine Gefährten ermordet wurden.
Man hat einen schönen Blick auf dem Stadt und auf den See, auffallend ist der frühere „Bank of America Tower“, der als eines der wenigen Gebäude in der Stadt das große Erdbeben weitgehend unbeschädigt überstanden hat. In der anderen Richtung hat man den Blick auf die neue Kathedrale – ein für uns recht seltsam anmutender Betonbau – eher an eine Moschee erinnernd.
Nach einer Stärkung in einem ausgezeichneten Restaurant geht’s nun zur „Flor de Caña Boutique“. Eigentlich hätten wir gerne die Produktionsstätte besucht, aber diese liegt etwas abseits nördlich von Leon und Touren gibt es nur am Samstag und Sonntag. Zudem sieht man nicht viel, da die eigentliche Herstellung „streng geheim“ ist. So haben wir unsere Tour in Managua, wir sehen die gleichen Video -Präsentationen und können dann im „Rum - Labor“ Cocktails mixen, die verschiedenen Möglichkeiten des Trinkens des Rums probieren und zum Schluss als „Maestro del Ron“ unsere eigene Rum Mischung abfüllen (und mitnehmen..).
Alles in allem ein interessanter Tag, natürlich mit etwas „sandinistischer Schlagseite“
GESCHICHTE NICARAGUAS:
Viele weitere Detailinformationen findet man im Internet unter:
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Nicaraguas
Wikipedia hat zudem detaillierte Informationen über die handelnden Personen, das abenteuerliche oder irre Leben des William Walker z.B. ist schon lesenswert.
Eine Kurzfassung der sehr turbulenten Geschichte Nicaraguas:
Nicaragua wurde vor ca. 3000 Jahren durch wandernde Jäger und Sammler, die aus Mexiko kamen, besiedelt.
1502 betrat als erster Europäer Christoph Columbus an der Karibikküste das Land. Zu dieser Zeit soll der Kazike (Häuptling) Nicarao der indigene Führer im Zentralbereich gewesen sein – von seinem Namen soll sich „Nicaragua“ ableiten.
In den Jahren 1522 -1524 wird die Region für die spanische Krone annektiert und die Städte Léon und Granada werden gegründet. Deren Rivalität prägte über lange Zeit die Geschichte Nicaraguas, da sie immer wieder zu bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen führte.
Bis zum Jahr 1821 war Nicaragua spanische Kolonie. Danach erklärte Nicaragua seine Unabhängigkeit von Spanien und schloss sich zunächst kurz Mexico und dann der mittelamerikanischen Föderation an. 1839 wird Nicaragua eine selbstständige Republik.
Nachdem Nicaragua in den 1850er Jahren während des Goldrausches in den USA zu einer der wichtigsten Ost-West-Transitstrecken wird, erhalten die USA –d.h. eine vom US-Milliardär Cornelius Vanderbilt finanzierte Gesellschaft - das ausschließliche Recht zum Bau eines Kanals zwischen Atlantik und Pazifik. Ein Projekt, das u.a. wegen der hohen Gefahr durch Erdbeben und Vulkanausbrüche, letztendlich nie realisiert wurde – der Panamakanal wurde dann später gebaut.
In diese Zeit fällt auch die Episode „William Walker“:
Die Gegensätze zwischen der liberalen Elite aus León und der konservativen Elite aus Granada prägten die Politik des jungen Landes. Als die Gegensätze innerhalb der nicaraguanischen Oligarchie 1856 in einen Bürgerkrieg umschlugen, riefen die „Liberalen“ den nordamerikanischen Abenteurer William Walker mit einer kleinen Privatarmee gegen ihre konservativen Kontrahenten zur Hilfe. Walker strebte jedoch die Unterwerfung ganz Zentralamerikas an, rief sich selbst zum Präsidenten Nicaraguas aus und ließ die 1824 abgeschaffte Sklaverei wiedereinführen. Erst 1857 wurde er von der vereinigten Armee zentralamerikanischer Staaten geschlagen und floh in die USA. Später in 1857 und dann in 1860 versuchte er weitere Raubzüge nach Mittelamerika, er wurde zunächst von den Briten – in deren Einflusssphäre er jetzt eingedrungen war – festgenommen und dann der Regierung Honduras‘ übergeben und am 12.09.1860 hingerichtet. William Walker ist heute noch die negative Symbolperson des „US-Konquistadors“ für die Nicaraguaner.
Mehrfach zeigten die Vereinigten Staaten und europäischen Mächte (England, Deutschland, Spanien) im 19. Jahrhundert, wie wenig ihnen die Souveränität des Staates galt; z.B. die Herrschaft Walkers, offenkundig das Ergebnis der widerrechtlichen Machtübernahme einer fremden Söldnertruppe, erkannten die USA direkt an. Offensichtlich hat Mr. Trump „leuchtende Vorbilder“ in der US History!
Zwischen 1909 und 1933 wurde Nicaragua mehrmals durch US-Truppen besetzt und Marionettenregierungen eingesetzt, gegen die General Augusto Sandino mit seiner „El pequeño ejército loco“ – „die kleine verrückte Armee“- zwischen 1926 und 1933 einen Guerillakrieg führt. Anfang 1933 ziehen sich die Amerikaner – vor allem wegen der Wirtschaftskrise- offiziell aus Nicaragua zurück, zuvor hatten sie die Nationalgarde (Guardia Nacional) gegründet und General Anastasio Somozo zu deren Führer ernannt und eine weitere Marionettenregierung installiert. Mit dieser hatte Sandino ein Friedensabkommen unterzeichnet – jedoch wurde er mit seinen engsten Offizieren bei einem von Somoza veranstalteten Bankett am 21.02.1934 im alten Nationalpalast von der Guardia Nacional ermordet.
Damit begann die jahrzehntlange Herrschaft des Somoza Clans – Anastasio Somoza herrschte als Präsident und Diktator bis zu seiner Ermordung 1956. Danach übernahm sein ältester Sohn Lius Somozo Debayle bis 1963. Es folgte noch ein Sohn- Anastasio Somoza Debayle. Seine Herrschaft war durch extreme Korruption und Gewalt geprägt. So ließ er missliebige Oppositionelle von Hubschraubern lebendig in Vulkankrater oder ins offene Meer werfen.
Erwähnenswert ist, dass der Clan wegen seiner streng antikommunistischen Haltung über all die Jahrzehnte starke militärische und finanzielle Hilfe von den US-Regierungen erhalten hat.
Die weitgehende Unterschlagung von Hilfsgeldern nach dem schweren Erdbeben von 1972 in Managua mit etwa 10.000 Toten brachte große Teile der Gesellschaft, auch die Wirtschaft gegen ihn und den Clan auf. Doch die USA unterstützten das Regime weiterhin.
Als die Somozas den Oppositionellen Pedro Chamorro im Januar 1978 ermorden ließen, kam es zu Demonstrationen, Streiks und Straßenkämpfen, die sich zu einem, wohl von beiden Seiten brutal geführten Bürgerkrieg ausweiteten. Jetzt schränkte der US-Präsident Jimmy Carter die militärische und wirtschaftliche Hilfe ein und stoppte sie kurz danach ganz.
Am 17.Juli 1979 floh Somoza.
Der Befreiungskampf gegen die Diktatur der Somozas hatte 50.000 Nicaraguanern das Leben gekostet und hinterließ ein zerstörtes Land.
Die Sandinisten übernahmen die Macht und leiteten zunächst eine groß angelegte Bildungskampagne im Land ein.
Der US-Regierung unter Ronald Reagan waren die als kommunistisch eingestuften Sandinisten ein Dorn im Auge. Der US-Kongress hatte jedoch jedwede Hilfe für die „Contras“ (Gegner der Sandinisten, vor allem frühere Mitglieder der berüchtigten Nationalgarde) abgelehnt. Durch geheime Waffenverkäufe der USA an den Iran (!) wurde die Unterstützung nun heimlich finanziert („Iran-Contra Affaire“).
Die Contras gingen äußert brutal auch gegen Zivilisten vor, der Contra Krieg forderte bis 1990 erneut über 30.000 Tote im Land.
Zudem war Nicaragua durch den Krieg und das US-Handelsembargo wirtschaftlich völlig ausgeblutet. Entscheidend für den kommenden Frieden war wohl das Ende des kalten Krieges und das Auffliegen der Iran-Contra Affäre. Die Unterstützung für die Contras durch die USA und für die Sandinisten durch die Sowjetunion wurde gestoppt.
In diesem Jahr 1990 wurden freie Wahlen abgehalten, die Sandinisten unter Daniel Ortega verloren die Wahl an die vereinigte nicaraguanische Opposition. Es wurde Frieden vereinbart und sowohl Contras als auch Sandinisten gaben ihre Waffen ab.
Der Regierungswechsel von Ortega zu Violeta Chamorro ging friedlich vonstatten.
Von 1990 bis 2007 waren liberale Regierungen am Ruder, deren Kampf gegen die Korruption wohl nicht so erfolgreich war, sodass in 2007 Daniel Ortega und die Sandinisten wieder die Präsidentschaft übernahmen.
Ortega wurde bei den Präsidentschaftswahlen 2011 und 2016 wiedergewählt. Das Land bleibt vor Haiti das zweitärmste Lateinamerikas, und unter Ortegas Herrschaft haben die personalisierten und autoritären Züge der Politik wieder zugenommen. Familienmitglieder Ortegas übernahmen wichtige Posten auch in der Regierung, im Volksmund übernahm sogar eher seine Frau Rosario Murillo, welche seit 2017 Vizepräsidentin ist, das Kommando.
Im April 2018 kommt es in Folge von Protesten gegen eine geplante Rentenreform wieder zu deren blutigen Niederschlagung durch Polizei und regierungsnahe Paramilitärs (ca. 350 Tote).
Im Vorfeld der Wahl 2021 ließ die Regierung zahlreiche oppositionelle Politiker verhaften, darauf wurde Daniel Ortega ohne ernsthafte Konkurrenz für eine vierte Amtszeit wieder gewählt, was verfassungsmäßig eigentlich gar nicht möglich gewesen wäre. Seit 2018 sollen bereits fast eine Million Nicaraguaner ins Ausland geflohen sein.
Abschließend kann man nur hoffen, dass die leidgeprüfte Bevölkerung vielleicht doch die Chance auf eine friedliche Zukunft bekommt.
Jetzt wird der zwischendurch vollkommen zusammengebrochenen Fremdenverkehr wieder gefördert, Natürlich sieht man als Besucher nur die Oberfläche, aber uns hat sich Nicaragua als friedliches schönes Land gezeigt, es war auch keine besondere Polizei oder Militärpräsenz bemerkbar.
