Turtle Crossing
Tag #61 Dienstag, der 30.06. Von Tirana bis Fishtë Land: Albanien Mein Plan früh zu starten hat halb funktioniert und so starte ich bei noch angenehmen Temperat


Veröffentlicht: 03.07.2026
























Tag #62
Mittwoch, der 01.07.
Von Fishtë bis Podgorica
Land: Albanien / Montenegro
Am Morgen werde ich von Schritten und einem anschließenden Motorengeräusch neben meinem Zelt wach.
Meine Anwesenheit scheint akzeptiert zu werden, da es dabei bleibt und keine Beschwerden gibt.
Wahrscheinlich nur eine kurze Stippvisite und der Platz ist sauberer, als zuvor.
Es ist erst kurz nach 5 und kurzzeitig überlege ich noch was länger zu schlafen.
Doch irgendwie bin ich auch wach und so beginnt der Tag zeitig.
Nach dem üblichen Frühstück aus Haferflocken und - Achtung - Bananen, kann es losgehen.
Neben Olivenbäumen, die hier zahlreich angebaut werden, komme ich auch an vielen Bunkern aus der Zeit von Hoxha vorbei.
Immer wieder erstaunlich, wie eine einzelne Person ein Land so nachhaltig prägen kann.
Interessant ist, wie manche von denen gestaltet werden, oder als Heuschuppen genutzt werden.
Da sind die Menschen in Albanien sehr kreativ.
Die erste Station ist dann Shkoder, eine alte Stadt und so mache ich nach einer Tour durch die Gassen, erstmal Pause in einem Kaffee.
Den Koffeinspeicher füllen.
Es ergibt sich ein nettes Gespräch mit dem jungenKellner, dessen Traum es ist eines Tages nach Bayern zu ziehen, um alle zwei Wochen ins Stadion gehen zu können.
Er war sogar schon langer in München als ich. Was allerdings mit einem Tag auch einfach ist.
Kurz fahrschiebe ich zur Burg hoch. Die Aussicht über die Stadt und das Umland ist toll, doch habe ich keine Lust mein Rad für eine Besichtigung abzustellen.
Und so schiebe ich wieder runter, um die Bremsen zu schonen.
Beziehungsweise stemme ich mich in den Boden und lasse mich vom Gewicht ziehen.
Apropos, vom gestrigen Test an der Bremse habe ich eine Brandblase am Finger.
Die Pause wird ausgedehnt und es gibt ein zweites Frühstück am Fuß der Burg, mit Blick auf den Fluss.
Das Treiben ist interessant. Es ziehen Pferde und Ziegen vorbei, auf dem Wasser das ubkiche treiben aus SUPs und Jetski.
Stutzig werde ich, als ich ein sonderbares Tier sehe. Bis ich realisiere, dass es ein Taucher ist. Achso, zwei.
Mutig dem Wasser zu trauen.
Über flaches Land geht es unspektakulär über viel befahrene Landstraßen weiter Richtung Grenze.
Es ist so langweilig, dass mein Kopf dumm wird.
Laut singen und Selbstgespräche helfen.
Was mir heute wieder auffällt, es gibt ja auch wenig Ablenkung, ist, dass insbesondere drei Automarken aus der Heimat überproportional vertreten sind.
Kurz der Grenze mache ich noch Halt in einem Restaurant.
Ich hab Hunger und noch viel zu viel Bargeld.
Soviel zu meinen anfänglichen Geldproblemen.
Und dann ist die nächste Grenze da. An der Schlange von wartenden LKWs und Autos fahre ich einfach vorbei.
Ein Vorteil, als Radfahrer unterwegs zu sein.
Zeitgleich kommen mir zwei Bikepackerinnen entgegen.
Das besondere ist, dass es zwei Frauen sind, was nach meinen bisherigen Beobachtungen die Ausnahme darstellt.
Es sind also auch grundsätzlich mehr Radreisende unterwegs, als ich erwartet hatte zu sehen.
Montenegro macht dann seinem Namen direkt auch alle Ehre, ab in die Steigung.
Auf den letzten Kilometern nach Podgorica fahre ich entlang einer Landstraße, kein Seitenstreifen.
In meinem Reiseführer wurde das Verhalten der Autofahrer als "wenig partnerschaftlich" bezeichnet.
Meine Beschreibung beginnt mit A und endet auf Sozial.
Alles in allem erzeugt es leider eine extrem negative Stimmung, die durch untätigen Gesten und Hupen nur noch einen Fluchtinstinkt auslöst.
Das wird in der Hauptstadt nochmal bekräftigt.
Einen Abstecher gibt es zu den "Niagarafällen" Montenegros.
Ein sehr beeindruckender Wasserfall, oder eher mehrere, und ist ein Menschenmagnet, viele gehen schwimmen.
Leider ist das Wasser nur über eine Treppe zu erreichen und aufgrund der Uhrzeit kümmere ich mich erstmal darum eine Unterkunft zu finden.
Die Adresse zu finden stellt nochmal eine Herausforderung dar, da es keine Straßennamen oder Hausnummern gibt.
Doch schlussendlich ist auch das geschafft.
Ein paar Klamotten werden gewaschen und zusammen mit dem Tarp, was von der gestrigen Zwischenstation noch nass und schwer ist, auf dem Balkon aufgehangen.
Mit dem Rad mach ich mich auf den Weg in die Innenstadt, um einen Eindruck zu gewinnen.
Doch es bleibt dabei, dass auf mich alles abweisend und negativ wirkt, und so geht's nach dem Abendessen direkt wieder in die Unterkunft.
Zudem es bereits wieder spät ist und ich dringend ins Bett gehöre.
Song des Tages:
Fatoni - Dumm
