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Hotan خوتەن شەھىرى / Hetian 和田

Veröffentlicht: 24.06.2026

Zug
Kuqa → Hotan
China
Attraktion
Yotkan Ancient City
Hotan, China
Attraktion
Wüstenpark bei Hotan
Hotan, China
Attraktion
Taklamakan-Wüste
Hotan, China
Essen
Hotan-Nachtmarkt
$ · Abendessen

Ursprünglich wollten wir quer durch die Taklamakan nach Hotan reisen, angeblich sollte es einen Bus von Kuqa aus geben sollte, aber laut Information am Busbahnhof existierte eine solche Verbindung nicht. Nicht bereit, einen privaten Transport zu bezahlen, beschlossen wir den Zug über Kashgar zu nehmen. 14h, ca. 1200 km, und diesmal gab es sogar Softsleeper-Plätze für uns, in einem Vier-Betten-Abteil mit Tür! Da konnte man sogar einigermaßen schlafen, auch wenn wir mitten in der Nacht von der Polizei geweckt wurden, die unsere Pässe sehen und den Grund unserer Reise erfahren wollten. Mit über 3h Verspätung kamen wir in Hotan an und freuten uns, dass unser Hotel dieses Mal war viel besser gelegen war mit viel Action rundherum, Buden und Restaurants, Obst- und Gemüsestände, Geschäfte, ein kleiner Nachtmarkt in der Fußgängerzone. Ziemlich irritierend war für uns, dass es ein komplettes Raucherhotel war, in dem auch wirklich überall geraucht und die Asche verteilt wurde. In unserem Zimmer war es zwar einigermaßen erträglich und stank nur wenig, aber allgemein tat es unseren von der Trockenheit gereizten Schleimhäuten nicht so gut. Kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass auch bei uns mal normal war, in Innenräumen zu rauchen, das gab es selbt bei den kettenrauchenden Indonesiern nicht! Die Hotelangestellten waren ziemlich aufgeregt, dass wir da waren, was vermutlich auch an einem strengen Registrirungs-Prozedere lag. Alle bemühten sich sehr und wollten, dass wir uns wohlfühlen, schienen aber unschlüssig zu sein, was die nur selten gesichtete Spezies Ausländer so zum Überleben benötigt. Also bekamen wir jedes Mal, wenn wir an der Rezeption vorbeigingen oder den Reinigungskräften begegneten, Unmengen Wasser, Frischetücher oder Shampoo in die Hand gedrückt. Und einen von der Tourismusbehörde herausgegeben Hochglanzkatalog mit Sehenswürdigkeiten der Gegend (oder auch hunderte Kilometer entfernt) - leider komplett unbrauchbar für uns.

So machten wir uns selber auf die Suche nach Hotans Highlights, das klappte aber nur bedingt. Museen waren entweder dauerhaft geschlossen oder zu viel Redundanz zu den vorher besuchten Orten war absehbar. Der Besuch in der Yotkan Ancient City war komplett absurd. Es handelte sich um eine komplett nachgebaute Fantasiestadt, die an eine Filmkulisse aus einem alten Western erinnerte (nur eben mit Wüsten-Seidenstraßen-Thema). Hoher Eintritt, und dann war da eigentlich vor allem Baustelle und tote Hose. In regelmäßigen Abständen wurden uigurisch anmutende Vorführungen angeboten - offensichtlich stark an den chinesischen Geschmack angepasst. Mal ein paar leichtbekleidete Damen, die zu orientalischen Dancebeats tanzten, eine Gruppe Kinder, die vergeblich versuchten sich auf einer Treppe synchron zu bewegen, ein uigurischer Hochzeitstanz mit verzerrtem Playbackgesang, in dem halbmotiviert eine Brautentführung dargestellt wurde. Dass das gewählte Lied traditionell in hochchinesisch gesungen wird, wagen wir zu bezweifeln. Am nächsten Tag ließen wir uns zu einem gut bewerteten Aussichtspunkt außerhalb der Stadt in der Wüste fahren , wo es auch Wanderwege geben sollte. Letztendlich landeten wir im vermüllten Nirgendwo und blickten auf ein Kraftwerk - Industrieromantik nennt man sowas wohl. In der Nähe fanden wir eine Art Wüstenpark, wo allerlei Kinderunterhaltung wie große Rutschen oder Kamelreiten angeboten wurde - alles in erbärmlichem Zustand und ohne Besucher. Von dort konnten wir ungestört einen langen Spaziergang durch die Wüste machen mit einer überraschend schönen Dünenlandschaft, über die der heiße Wind fegte. Das musste reichen, um eine Vorstellung von der Taklamankan zu bekommen und wie mühsam es gewesen sein musste, sie zu durchqueren. Mithilfe der Mitarbeiter, die im Schatten dösend auf wahrscheinlich nie ankommende Touristenströme zu warten schienen, bekamen wir einen Transport zurück in die Stadt, denn wir waren doch ganz schön ab vom Schuss. Vielleicht eine Gegend, wo ein ortskundiger Guide mit Sinn dafür, was westliche Touristen schön und interessant finden, sinnvoll gewesen wäre! Aber witzig war es und wir machten das Beste daraus.

Das Essen war wieder ein Traum, und der große Hotan-Nachtmarkt war echt toll, genauso wie die Buden in unserer Nachbarschaft. Die Menschen waren uns freundlich zugewandt, besonders Teenager wollten sich gern mit uns unterhalten - mit kaum vorhandenen Englischkenntnissen, Marikes Krüppelchinesisch und Übersetzungsapp konnten wir uns ganz gut austauschen. Und Freddys Bart kam sehr gut an!

Hotan war aber auch der Ort, andem man die in China ohnehin schon massive und in Xinjiang absurde Überwachung und Polizei- und Militärpräsenz nicht mehr wegignorieren konnte. Wir bekamen die Ehre, vom Polizeichef besucht zu werden, der uns rauchend in der Lobby zu unserem Ansinnen und Reiseverlauf in Xinjiang befragte. Dass Marike das auf chinesisch erzählen konnte, war aber hilfreich und stellte ihn recht schnell zufrieden. Wobei wohl nur sein Auftreten cheffig war, so musste ein Beweisfoto der Befragung gemacht werden für seine Vorgesetzten. In der Stadt stand hier und da auch mal ein Panzer herum und an jeder Ecke Polizei und Militär, oft bis an die Zähne bewaffnet. Wir wurden noch einige Male kontrolliert, aber immer freundlich und ohne weitere Komplikationen, und wahrscheinlich auch beschattet und verfolgt! Mit dem Taxi unterwegs gab es natürlich auch Polizeikontrollen, und da wurden auch die armen Taxifahrer gleich mal genauer inspiziert. So viel Aufmerksamkeit, wir fühlten uns beinahe geschmeichelt. Gruselig war, als wir von unserem Hotelzimmer im 11. Stock frühmorgens Unmengen an Militärfahrzeugen durch die Straßen fahren sahen, und Sturmgewehrsalven hörten. Unklar ob das ein Übungsmanöver oder eine Verfolgungsjagd war. Was auch immer hier noch alles getrieben wird!

Als wir am letzten Tag wieder zum Bahnhof zurückkehrten, um nach Kashgar zu fahren, waren wir uns dann ganz sicher, dass da Leute extra für uns abgestellt waren, die sicher gehen wollten, dass wir die gebuchte Fahrt (wie immer mit unserer Passnummer verknüpft) auch wirklich antraten. Ein armer und schlechtgelaunter Polizist musste uns auch im Zug noch mal kontrollieren, wir vermuten dass er bei der nächsten Haltestelle lange auf den Zug zurück warten musste, soviele fahren da nämlich auch nicht. Aber schafft natürlich auch Arbeitsplätze!

Hotan - ein spezieller Ort und vielleicht kein Traumurlaubsziel, aber mit netten Menschen. Wir haben viel gelernt, uns viel gewundert und hatten eine gute Zeit!




Auf einen Blick

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Abseits der PfadeAbenteuerlichKulturell
  • Zugfahrt mit Softsleeper nach Hotan
  • Yotkan Ancient City
  • Spaziergang durch die Taklamakan-Dünen
  • Hotan-Nachtmarkt
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