Zhangye 张掖
Wenn man in China einen Bahnhof betreten will, muss man zunächst seinen Pass vorzeigen und es wird geprüft, ob man ein Zugticket hat, außerdem wird das Gepäck ähnlich wie am...


Veröffentlicht: 16.06.2026




















Von Zhangye bis nach Dunhuang war es im Vergleich zur vorherigen Zugfahrt ein Katzensprung - 600 km und 4 Stunden Zugfahrt. Die Landschaft wurde zunehmend wüstiger. An der Strecke waren immer wieder große Bauprojekte im scheinbaren Nirgendwo sehen. Manche der Hochhaussiedlungen standen jedoch komplett leer - Folgen der geplatzten Immoblienblase?
Dunhuang wirkte auf den ersten Blick nicht so gemütlich wie Zhangye. Viel touristischer, viele große überdimensionerte Hotels, die architektonisch wohl an Wachtürme der großen Mauer anmuten sollten, viele buntes Geblinke, audiovisuelle Lichtshows am Fluss, die die Großartigkeit des chinesischen Volkes in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft präsentierten. Eine Art von Entertainment, auf die wir persönlich verzichten können, die große Allgemeinheit aber begeistern zu schien. Und wieder - wie könnte es in China anders sein - ein großer Fokus auf lokale Essenspezialitäten, die bis spät abends draußen in vielen Restaurants angepriesen wurden - alles hervorragend. Im Laufe unseres Aufenthaltes mampften wir uns einmal quer druch die Speisekarte - handgezogene breite Nudeln mit Lamm, Eselsfleisch mit gelben Nudeln, Wüstenzwiebel-Gemüse, Aprikosenschalentee... Auch am Nachtmarkt gab es köstliche, gut gewürzte verschiedenartige Gerichte und gutes eiskaltes lokales Bier. Eher unfreiwillig wurden wir zu Werbebotschaftern der Stadt, da uns zwei sympathische junge Chinesinnen eine Kamera vors Gesicht hielten und uns dazu brachten, alles in höchsten Tönen zu loben. Noch einen Filter drauf und ein paar lustige Einblendungen, und schon trendet man bei WeChat.
Am berühmtesten in der Gegend sind die Magao-Grotten, ebenfalls ein System aus ca. 1000 Höhlentempeln, die zwischen dem 4. und 12. Jahrhundert in die Felsen geschlagen wurden. Hier wurden zigtausende alte buddhistische Schriften aus der Zeit gefunden (auch die Diamant-Sutra, das wohl älteste gedruckte Buch der Welt), die Mönche damals erfolgreich vor den angreifenden Mongolen versteckten (wie das so ist, befinden sich die meisten Funde aber im British Museum in London). Ein besonderer und interessanter Ort - besonders gefallen hat es uns aber nicht, was an dem "Abfertigungs-Prozedere" vor Ort lag. Teure Ticketpreise, wahnsinnig überlaufen, lange Wartezeiten. Zunächst wurde man hintereinander in zwei Kinosäle verfrachtet - wo mit viel AI-generierten Spezialeffekten die Geschichte der Höhlen nachgespielt wurde und man virtuell durch die wichtigsten Höhlen geführt wurde. Dann wieder warten, bis man kurz durch ca. 5 Höhlen geführt wurde und zur 9-stöckigen Pagode mit dem zweitgrößten Buddha Chinas (den größten in Leshan haben wir ja leider verpasst), und das war es auch schon. Witzigerweise wurden im dazugehörigen Museum ein paar der Buddhahöhlen exakt nachgebaut, damit alle in Ruhe vor den Buddhas posieren und genügend Fotos machen konnten - halleluja. Verschreckt vor so vielen Menschen ließen wir die berühmten singenden Dünen am Mingsha-Berg ausfallen und waren froh, nicht in der Hauptsaison durch China zu reisen, wenn solche Menschenmassen der Normalfall sind.
Aber es ging - mit wesentlich weniger Touristenandrang - in die Wüste Gobi! Erst zum Yangguan Pass, ca. 120 v Chr. in der Han-Dynastie gegründet, einst ein wichtiger Grenzübergang und strategischer Kontrollpunkt im alten China, bevor es in die gefährlichen Wüstenregionen ging. "Trink noch ein weiteres Glas Wein, jenseits des Yangguan-Passes wirst du keine alten Freunde mehr treffen" schrieb der berühmte chinesischer Poet Wang Wei (uns sagte der gar nichts, aber unsere chinesischen Mitreisenden waren ganz verzückt). Noch beeindruckender war die noch westlich gelegenere Festung am Yumenpass, über den die Seidenstraße führte. Neben alten Versorgungsgebäuden sind auch Überreste der großen Mauer aus der Han-Dynastie zu finden, die hier übrigens aus Weiden, Schilf, Sand und Kies erbaut wurde. Und alte Heuballen für die Signalfeuer entlang der großen Mauer. Alles über 2000 Jahre alt, aber recht gut in der trockenen Wüste erhalten.
Richtig unwirklich wurde es im Yardan-Geopark, und unsere Schleimhäute brannten richtig aufgrund der Trockenheit - laut Anzeige nur 5% relative Luftfeuchte bei 32°C. Der Begriff stammt aus dem Uyghurischen und bedeutet so was in die Richtung "Steile Erdhügel" und ist mittlerweile ein fester geologischer Begriff für diese bizarr geformten Steinlandschaften, die in trockenden Wüstenregionen entstehen können: in ausgetrockneten Seebecken mit abwechselnden Schichten aus hartem Gestein und weichen Sedimenten entstehen durch die Trockenheit tiefe Risse im Boden, die durch gelegentliche Regenfälle weiter ausgeschwemmt werden. Der aus einer Hauptrichtung wehende konstante Wind schleift die weicheren Gesteinsschichten immer weiter ab, sodass viele oft zu einander parallel angeordnete Hügel entstehen.
Glücklich kehrten wir zurück nach Dunhuang, von wo aus es mit Bus und Bahn weiter nach Turpan in Xinjang gehen sollte.
