Chengdu 成都
Vom demokratischen China ging es weiter ins sozialistische China. Ein Land, das wir zu Beginn unserer Reise gar nicht auf dem Schirm hatten, aber die mittlerweile vereinfachte...


Veröffentlicht: 15.06.2026




















Wer bei Zugfahren in China an die medial gehypten Hochgeschwindigkeitszüge denkt - diese haben ihren Weg noch nicht in die Gegenden des Landes gefunden, in denen wir reisten. Unser Zug konnte also als in die Jahre gekommen und abgegrabbelt bezeichnet werden, und die schmalen Sitze ohne Armlehne in der Holzklasse waren eher mäßig geeignet, um eine erholsame Nacht zu verbringen. An Schlaf war eh nicht zu denken - ununterbrochen wurde Gepäck geräumt, es bildeten sich Grüppchen zum Kartenspielen, die Schaffner liefen ständig mit Bodycam durchs Abteil und kündigten lautstark die nächste Station an oder wiesen die Leute zurecht, die Raucher qualmten aus den Gängen heraus die Abteile voll. Bei den teilweise sehr langen Halten an den Stationen strömten die Leute aufs Gleis, um sich die Beine zu vertreten oder noch mehr zu rauchen. Was ein Schauspiel! Dementsprechend verknittert erreichten wir am frühen Morgen pünktlich Zhangye in der Provinz Gansu im Hexi-Korridor, an der alten Seidenstraße gelegen. Angeblich verbrachte auch Marco Polo hier längere Zeit. Die Bahnhöfe sind in China meist etwas außerhalb der Stadt, also ging es mit dem Bus ins Zentrum, das wesentlich gemütlicher und weniger touristisch war, als wir uns das vorgestellt hatten. Unsere engagierte Hostelbesitzerin machte uns aber sofort klar, dass es nix mit Faulenzen wird. Anlässlich des internationalen Museumstags waren die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung zwei Tage lang kostenlos, und schwupps organisierte sie uns gleich die Transporte dahin. Also ein bisschen frisch machen und ausruhen, und dann ging es auch schon los zum Danxia-Geopark, der vor allem durch die Regenbogenberge (und die kursierenden Bilder, bei denen es bei der Farbsättigung etwas übertrieben wurde) berühmt sind. Der Park war ganz gut organisiert und man erkannte, dass die Infrastruktur wirklich für große Massen (hauptsächlich chinesischer) Touristen ausgelegt ist. Zum Glück war aber nicht so viel los und alles verlief recht entspannt. Mit obligatorischen Shuttlebussen bewegte man sich zu verschiedenen Aussichtspunkten, bei denen man dann verschiedene Rundwege laufen konnte. Die Berge und Hügel bestehen vorwiegend aus Sandstein aus verschiedenfarbigen Mineralien, die aufgefaltet wurden und sich im Laufe der Millionen Jahre durch Wind und Regen zu einer fremdartigen Landschaft formten. Und die verschiedenen Farbstreifen sahen wirklich spektakulär aus und wurden in der Nachmittags-/und Abendsonne immer intensiver. Witzig war die hohe Anzahl der Douyin-Blogger (chinesisches Tik Tok), die in teilweise merkwürdigen Outfits (Cowboy-Hüte sind auf jeden Fall ein Ding) vor ihren Kameras herumsprangen.
Am nächsten Tag ging es frühmorgens gleich zu den Matisi-Grotten, einem tibetischen Höhlentempel-Komplex inmitten der Qilian-Berge, deren Errichtung vor ca. 1600 Jahren begann. Die in Stein gehauenen Höhlen, in denen man zum Teil durch enge Aufgänge in den Felsen zu den einzelnen Räumen mit Buddhastatuen und -gemälden steigen musste, waren sehr vielfältig und sehr spannend, und es machte auch Spaß in der beeindruckenden Bergkulisse zu den einzelnen Tempeln zu spazieren.
Und dann unternahmen wir noch eine kleine Wanderung durch den Pingshan Grand Canyon, eine ebenfalls beeindruckende aus rotem Sandstein geformte Landschaft, auch ganz toll!
Innerhalb von Zhangye wunderten wir uns immer noch, kaum Touristen zu sehen, die scheinen vor allem in größeren Hotels in Bahnhofsnähe untergebracht zu sein und sich gar nicht viel innerhalb der Stadt zu bewegen, gut für uns! Der Dafu-Tempel, in dem sich mit über 30 m die größte liegende Buddha-Statue Chinas befindet, beeindruckte uns auch sehr.
Kulinarisch schmeckte es durch eine Vielzahl von Gewürzen wie Kreuzkümmel, Anis, Zimt, Chilli, Knoblauch auch so, wie man sich die Seidenstraße vorstellt. In einem Freiluft-Foodcourt um die Ecke gab es wirklich leckere Restaurant und Imbisse, besonders lecker waren die Nudelgerichte, und die Portionen waren riesig. Und alle freuten sich, dass wir da waren, da wurde auch mal eine Runde Schnaps ausgegeben oder uns wurden noch weitere Kleinigkeiten gereicht.
