Namibia - der trockene Süden
Einmal hoch durch Südafrika, von Kapstadt fahren wir zügig in den Norden bis zur Grenze Nambias. Die Straßen sind zunächst noch gut… Unendliche Weiten, epochale Natur, wilde...


Veröffentlicht: 28.04.2025


























Die Hafenstadt Lüderitz liegt eng umschlungen von der Namibwüste an der kühlen Atlantikküste.
Es hat viele Stunden gebraucht, um durch weitläufige Wüstenlandschaften hindurch schließlich dorthin zu gelangen. Doch der Weg ist in Namibia definitiv das Ziel - Die endlosen Weiten sind Programm 🤩
Im Ort Aus machen wir Station auf dem Weg. Von hier verläuft die ab 1905 gebaute Bahntrasse mitten durch die Wüste! Sie wurde vor ein paar Jahren wieder in Betrieb genommen.
Das Bahnhofshotel in Aus gehört deutschsprachigen Namibiern. Im zugehörigen Bahnhofsrestaurant mit Biergarten werden deutsche Gerichte und erstklassige Torten angeboten. Sogar Spätzle gibt es hier im Niemandsland.
Auf der Weiterreise bekommen wir neben Straußen und Oryx auch „Wildpferde“ zu Gesicht. Sie leben seit den Wirren des 1. Weltkrieges in Freiheit und haben sich an die trockenen Bedingungen angepasst. Südafrikanische Truppen eroberten unter britischer Krone das Land schließlich im Jahr 1915.
In der Stadt Lüderitz wird die deutsche Kolonialzeit besonders greifbar. Im Zentrum finden wir noch schöne Häuser aus der wilhelminischen Kaiserzeit.
Auf einem felsigen Hügel steht die sogenannte Felsenkirche. Sie wurde mit Spendengeldern aus Deutschland im Jahre 1912 erbaut.
Hier gehe ich nun auf die Gründungsgeschichte der Stadt und die Gräueltaten der Deutschen während der Kolonialzeit ein.
Der Bremer Kaufmann Alfred Lüderitz kaufte 1883 Land vom Führer der ansässigen Orlam. Die Stadt trägt seinen Namen.
Durch den sogenannten Meilen-Schwindel kam A. Lüderitz in den Besitz der ganzen Region. Indem er mit preußischen und nicht mit englischen Meilen rechnete, erwarb er etwa 16 mal mehr an Land als der Führer angenommen hatte. Das Gebiet hatte die Ausdehnung von 300 km mal 150 km! Als der Führer den Betrug bemerkte, war es leider zu spät.
Vom Deutschen Reich wurde die Besiedelung Namibias im weiteren Verlauf vorangetrieben. Bereits 1884/85 kam es auf Einladung des Reichskanzlers Otto von Bismarck während der Berliner Konferenz zur Aufteilung Afrikas unter den europäischen Kolonialmächten. Deutschland konnte sich u.a. Südwestafrika, das heutige Namibia, sichern (neben Togo, Kamerun, Tansania, Burundi, Ruanda und Botswana). In Folge dessen ließen sich immer mehr deutsche Siedler in Namibia nieder. Die dort lebenden Völker (Herero, Nama, San, Damara und Ovambo) wurden immer weiter zurückgedrängt.
Besonders erschreckend ist aber, was zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschah: Die Spannungen zwischen den Deutschen und der lokalen Bevölkerung hatten im Land deutlich zugenommen. Es kam schließlich zu einem furchtbaren Völkermord an den Herero und Nama durch die deutsche Kolonialmacht: Als die Hereo im Jahre 1904 sich mit einem Aufstand gegen die Besatzung wehrten, wurden sie von den Deutschen erbittert bekämpft. Nachdem sie den entscheidenden Kampf verloren, flohen sie mit ihren Familien in die Wüste. Der deutsche Oberbefehlshaber Lothar von Trotha gab den tragischen Vernichtungsbefehl: Das Gebiet wurde abgeriegelt und alle Wasserstellen besetzt. Die meisten Herero verdursteten daraufhin! Die Nama begannen im Anschluss eine Art Guerillakrieg gegen die deutsche Kolonialmacht, mussten aber letztendlich 1907 kapitulieren.
Die überlebenden Herero und Nama wurden in Konzentrationslagern interniert, wo vielen dann wegen der unmenschlichen Bedingungen starben. Insgesamt kamen schätzungsweise 80.000 Herero und 10.000 Namas ums Leben.
Deutschland hat sich mittlerweile mit der namibischen Regierung auf eine Entwicklungshilfe von 1,1 Milliarden Euro geeinigt. Einige Vertreter der Herero und Nama sehen sich nicht mit einbezogen und fordern direkte Reparationszahlungen an die Opferfamilien und eine Rückgabe des Landes.
Auch heute noch ist die Landfrage ungelöst! Ein Großteil des Landes ist im Besitz von weißen Farmern, obwohl Weiße nur etwa 5 Prozent der Bevölkerung bilden. Die Mehrheit stellen Schwarze und Coloureds, deren Situation nicht einfach ist! Sie leben wie in Südafrika meist in Townships unter prekären Bedingungen und sind oft arbeitslos.
Bei der Ungleichheit in der Vermögensverteilung liegt Namibia weltweit an zweiter Stelle!
Hier zu unserem Besuch der Geisterstadt Kolmanskuppe in der Nähe von Lüderitz - ein unwirklicher Ort. In der Zeit ab 1908 kam es zu einem wahren Diamantenrausch in den Wüstengebieten südöstlich der Stadt. Es gibt aus dieser Zeit noch einzelne verlassene Orte. Die gesamte Gegend mit der Bezeichnung „Sperrgebiet“ ist auch heutzutage weiträumig abgesperrt, es werden weiterhin Diamanten gefördert.
Gleich neben der Bahnstrecke bis Lüderitz fand der Eisenbahner August Stauch im Jahre 1908 zufällig Diamanten im Sand. Zu Beginn konnten die glücklichen Finder auf dem Bauch liegend den Sand nach den Edelsteinen absuchen. Es kam in der Folge zu einem wahren Diamantenrausch und der Ort Kolmanskuppe entstand, mitten in der Wüste! Über 1000 Menschen lebten dort, ein großer Teil waren afrikanische Arbeiter*innen.
Zeitweise war Kolmanskuppe einer der reichsten Orte der Welt. Neben einem riesigen Krankenhaus und einer Schule gab es verschiedene Geschäfte. Über Schienen einer Schmalspurbahn wurden Waren und Personen zwischen den Gebäuden hin und her bewegt. In einer Eisfabrik wurden sogar extra Eisblöcke für die Bewohner produziert! Strom kam aus einem eigenen Elektrizitätswerk, Wasser musste von Weit her angeliefert werden.
Der Diamantenboom verebte allerdings nach wenigen Jahren wieder! Nach und nach vereinsamte der Ort und wurde dann zu einer Geisterstadt: Die Wüste hat sich die Häuser wieder zurückerobert! Für stimmungsvolle Fotos ein absolutes Paradies 🤩
Wir tanken voll, von der Hauptstraße biegen wir ein in einen Schotterweg. Die nächsten Tage werden abenteuerlich, wir fahren in die Wüste.
