Clara und Matze
Claras und Matzes Reiseerlebnisse

Der Januar im neuen Jahr

Januar Teil 1

Am 30. Januar waren wir mit unserem ersten Workaway fertig. Ein wenig traurig, aber auch vorfreudig ob der kommenden Erlebnisse verließen wir nachmittags das Grundstück. Unser nächstes Ziel war eine kleine Bushparty an der Grenze von Queensland und New South Wales, wo wir uns nach gut 9 Monaten mit Luis aus Perth wieder treffen wollten. Er war in den vorherigen Wochen mit einer Gruppe Jungs von Cairns nach Byron Bay gekommen und hatte über Silvester auch noch nichts vor. Wir kamen gegen halb 10 an und schlugen das Lager neben dem Laster der Jungs auf. Der Laster war der Hammer, ein alter Mercedes LKW aus den 70ern, Allrad und mit Betten und Küche ausgestattet. Ich steuerte noch unsere Lichterkette bei und es war perfekt. 2 Tage feierten wir dort das neue Jahr, hauptsächlich im Laster, weil der eigentlich das beste auf der ganzen Party war. Als die Party vorbei war, hieß es wieder Abschied nehmen. Die Jungs fuhren nach Byron zurück und wir beide machten uns auf den Weg gen Norden. Unser erster Stopp war der Caravan Park im Mullumbimby. Dort gab es Strom um all unsere toten Geräte wieder zum Leben zu erwecken und Duschen um unsere verdeckten Körper zu reinigen. Backpackerluxus! Am folgenden Morgen fuhren wir weiter in den Springbrook National Park, wo wir einige Wanderungen durch den dortigen Regen-und Eukalyptuswald unternahmen und sogar ein wenig fallendes Wasser zu Gesicht bekamen. Abends schliefen wir in einem schönen Waldcamp um noch einmal Energie für die kommenden drei Tage Großstadt zu sammeln. Die Gold Coast war der erste Halt mit einem kleinen, coolen Straßenmarkt und Minigolf im Anschluss. Clara ließ sich noch die Haare wieder hübsch färben und weiter gings nach Brisbane…mal wieder. Clara musste nochmal ins Krankenhaus um den Rücken ein letztes Mal zu überprüfen. Zum Glück war alles gut und so konnten wir die nächsten Pläne in Angriff nehmen. Wir blieben noch 2 weitere Tage in Brisbane, trafen uns zum Essen mit Lynette, schauten uns nördlich der Stadt die "Northbrook Gorges" an, sahen ein paar Schlangen und packten all den nervigen Krimskrams letztendlich wieder in Auto. Denn nun kam die nächste Größere Etappe - Toowoomba. Das Herz des Hinterlands, die Perle des grünen Rests vor der roten Wüste, der angenehm kühle Fleck inmitten der Hitze und nicht weit entfernt von unserem zweiten Workaway. Dieses Mal war es ein älteres Pärchen, die Kinder schon aus dem Haus, stolze Besitzer einer Hobbyfarm mit ein bisschen Gemüse und ein paar Schweinen, schwer geplagt von der Dürre. Wir klärten, dass wir ca 1,5 Wochen bleiben würden und bekamen unser eigenes Reich, einen Wohnwagen direkt vor dem Haus. Aufstehen war um 6, Arbeit startete gegen halb 7-7. Unkraut jäten, knoblauch pulen, Gemüse Pflücken, Schweine füttern - alles was gerade zu tun war. 4h am Tag ca, dann hatten wir Zeit für uns. Ungünstigerweise machte unser Auto zu diesem Zeitpunkt Probleme. Es verbrannte schon seit geraumer Zeit ne ganze Menge Öl und qualmte ab und zu auch ganz gerne blau hinten heraus und es wurde Zeit, das checken zu lassen. Keine Unternehmungen also, sehr zum Leidwesen von Clara, erstmal Werkstatt. Wir hatten Glück. Von Kolbenringen über Nockenwelle bis hin zu Ventilschaftdichtungen hätte es alles sein können, war aber zum Glück dann nur eine Undichtigkeit bei letzteren. Der Mechaniker sagte: gutes, bisschen dickere Öl, ein motordichtendes Additiv und alles ist gut. Und siehe da, Öldruck passte wieder, Qualm war weg, alles super. Und statt erwarteten 1500-2500 Dolares waren es zum Schluss mit Ölwechsel (selbstgemacht) nur gute 70. Und so war das Auto zum Glück nach nur kurzer Zeit wieder fahrtauglich.


Januar Teil 2

Als wir an einem Mittag wieder einmal fast vor Hitze vergingen, beschloss ich, ins ein wenig weiter entfernte Warwick zu fahren, in dessen Nähe es einen Stausee gab. Laut meiner Onlinerecherche war sogar noch genug Wasser zum Schwimmen drin- angesichts der Dürre der letzten Monate absolut keine Selbstverständlichkeit! Nach etwas über 1h Fahrt waren wir da und ich wurde nicht enttäuscht: das Wasser war da, erfrischend kühl wenn auch etwas verfärbt (Algenlevel unbedenklich). Sogar der eher badeunfreudige Matze ließ sich das nicht entgehen. Warwick selbst war eine Kleinstadt, aber es gab ein nettes Cafe, in dem wir uns ein wenig Süßes gönnten und einige hübsche Sandsteingebäude aus den 30er Jahren. Am wohl beeindruckendsten, vor allem von innen, war die Kirche: farblich schlicht gehalten aber mit schönen hohen Wänden und hölzerner Deckenverkleidung. Am Freitag, dem 17.1., hatten wir recht zeitig Schluss und fuhren zum "Crows Nest Nationalpark" für eine Wanderung. Am späteren Nachmittag hielten wir noch bei einer Brauerei in Towoomba. Dort gab es eine "Beer for Bushfire Relief" Aktion, das hieß 100% des Erlöses eines bestimmten Bieres wurde an eine Hilfsorganisation für die Brandopfer gespendet, wir nahmen daher das Kölsch (geschmacklich nicht allzu weit vom deutschen Original entfernt). Am nächsten Morgen war Samstag und unser Abreisetag. Wir packten unsere Sachen zusammen, machten den Caravan sauber und fuhren gegen Mittag los zum Bunya Mountain National Park. Auf dem Weg mussten wir wegen der starken Regenfälle der vorherigen Tage (zur Freude nahezu aller feuergeplagter Regionen der Ostküste) mehr als einmal eine vollkommen überflutete Straße queren, zum Glück war der Wasserspiegel nie über ca 40cm hoch und daher für unser Auto kein Problem. In den Bunya Mountains herrscht ein angenehm kühles, feuchtes Klima und die überall grasenden niedlichen Wallabys ließen mein Herz vor Freude hüpfen. Wir fanden auf unserer Wanderung einen Bunya-Zapfen, seine einzelnen Segmente bestehen aus bis zu 80 Nüssen (etwa Paranussgröße) und sind, wie wir später durch Infotafeln erfuhren, auch roh essbar. Wir machten gleich mal die Probe aufs Exempel und ärgerten uns sofort, dass wir nicht gleich das ganze Ding eingesackt hatten, die Nüsse waren echt lecker. Die Aboriginals wussten das natürlich auch schon und treffen sich hier stammesübergreifend in den Bergen seit Jahrhunderten aller 3 Jahre zu einem großen Fest, bei dem geerntet, gegessen, geredet und gefeiert wird. Es war schön, so viel Grünes zu sehen, seit Fiji hatten wir das nicht mehr gehabt, nur Eucalyptus-Grasstree- Busch und verdorrtes Gras. Sogar die meisten der Wasserfälle flossen. Wir übernachteten auf einem kostenlosen Rastplatz am Burnett Highway, der im Gegensatz zu den Highways in Küstennähe allerhöchstens eine Landstraße ist. Dementsprechend gering war der Verkehrslärm. Am nächsten Tag drehten wir erstmal eine kleine Runde durch Kingaroy, das sich recht großer Bekannt- und Beliebtheit als Erdnussstadt erfreut. Wir gönnten uns 2 Variationen am Werksverkaufsvan und fühlten uns sehr klein vor den gigantischen Erdnussilos und dem Wirrwarr von Transportbändern. Zufällig endeckten wir eine Frachtwaage, die außerhalb des Zaunes zum Wiegen der Laster in den Boden eingelassen war. Da Sonntag war und alles verlassen aussah, fuhren wir mal neugierig drüber. Oha, um die 2,6 Tonnen. Spielraum nach oben ist da nicht mehr, aber mehr Platz ist in unserem Schlachtross ja eh nicht xD. Als nächstes schauten wir bei der Moffatdale Ridge Weinerei vorbei, der Mann hinterm Tresen war nett und sehr locker drauf, wir unterhalten und am laufenden Band während wir uns durch die gesamt Wein- und anschließend die Likörpalette probieren. Sehr gute Tropfen dabei, wir einigten uns am Ende auf 2 Flaschen. Nach einer kurzen Erfrischung im nahegelegenen See fuhren wir weiter zu unserem Übernachtungsort bei den Kinbombi Falls. Es fiel sogar Wasser, zwischendurch hatte es heute immer mal wieder geregnet, aber es war eine ziemlich braun-trübe Suppe. Der Abend verlief entspannt und ohne besonders Vorkommnisse, abgesehen vom Besuch eines Opossums, das neugierig unsere Lichterkettenkonstruktion inspizierte. Am Morgen fuhren wir weiter, gönnten uns ein paar süße Leckereien vom Bäcker (u.a. puddinggefüllter Blätterteig) und genossen eine kostenlose Dusche in Gayndah, der ältesten Stadt Queenslands. Es gab einige interessante Gebäude, wir guckten uns in einem Stoffladen die "fliegende" Wechselgeldanlage an, die Geld von 2 Kassen zu einem Geldschalter in der Mitte transportierte. Schon krass, vor 100 Jahren noch so, heute kann man so gut wie überall bargeldlos bezahlen, selbst an einigen Wochenmarktständen. Am 21.1. machten wir einen Ausflug in den Cania Gorge National Park, nachdem wir morgens zunächst auf dem Highway liegen geblieben waren, weil unser Benzin verdampft war (ich glaube, dass das der Fall ist, unser Auto kann unmöglich soviel fressen) und wir uns mit der Reichweite überschätzt hatten. Matze hat sich einen Kanister gegriffen und ist ins nächste Dorf und zurück getrampt. Ich hab in der Zwischenzeit gelesen...ja selbst ich lerne beim Reisen hin und wieder, etwas Geduld an den Tag zu legen. Der Nationalpark war dann sehr schön und erinnerte uns an die Sächsische Schweiz. Im Schatten der Sandsteinüberhänge, in denen man ockerrote Handabdrücke von Aboriginals sah, war es angenehm temperiert, oben auf den Aussichtspunkten bekamen wir fast nen Sonnenstich. In Ermangelung eines Wasserloches zum Schwimmen legten wir uns in den flachen aber angenehm kühlen Bach. In einer Höhle, durch die man ein Stück hochklettern musste, fanden wir eine kleine Ansammlung von putzigen kleinen Fledermäusen, die wir so leise wie möglich beobachteten. Als wir gerade wieder aus dem Park hinausfuhren, erleuchteten Blitzlichter den dunklen Himmel, einschlagende Blitze sah man zum Glück keine, sodass wir selbstbewusst bei unserem Plan bleiben und wieder einen kostenlosen Highwayrastplatz ansteuerten. Während ich zunächst bei jedem Leuchten zusammenzuckte, baute Matze unsere Kochutensilien unter dem überdachten Picknicktisch auf, solange es regnete machte der Zeltaufbau keinen Sinn. Zum Glück war das Unwetter nach dem Essen vorrüber und wir konnten uns ins Bett kuscheln (naja, dafür war es immer noch ziemlich warm, aber besser als die Nächte davor). Am Donnerstag kamen wir in Rockhampton an, wo wir wieder für 2 Wochen bei einer Familie wohnen und mit diversen Dingen helfen würden. In Rockhampton gab es einen kostenlosen Zoo, der v.a. verletzte oder problematische australische Tiere beherbergte und einige "exotische", wie z.B. Schimpansen. Die hatten gerade ein Kleines und es war sehr amüsant ihren Interaktionen zuzugucken. Sehr interessant war das "nasenbehaarte" Wombat, das in einem speziell angelegten 18 Grad kühlen (sie leben in Höhlen im Boden) Bau auf dem Rücken lag und offenbar träumte sowie die Cassowaries, die aussehen wie eine Kreuzung aus Nashorn und Emu. Pünktlich zum Abendessen kamen wir bei unserer neuen Familie an, die Kinder Henry und Isabella begrüßten ins neugierig und ohne Scheu. Unser Zimmer war thematisch voll auf Starwars abgestimmt, aber hatte eine Klimaanlage, die wir in der kommenden Zeit auch benötigten. Wir standen am nächsten Morgen 6.30 auf und legten los, Mel und Rob wollten gern einige ihrer Bäume loswerden, vor allem die Bäume deren Pollen das Asthma des kleinen Henry triggerten und die braunen Palmenblätter. In den folgenden Tagen fielen wir also über diese mit bloßen Händen, Schere, Handsäge und Kettensäge her. Außerdem befreite ich den hinteren Teil des Gartens, wo sich auch Kinderschaukeln und Beete befanden, von Unkraut und vertrockneten Blättern. Nach Rockhampton fuhren wir nochmal am folgenden Wochenende, es gab ein kleines Bierfest mit Livebands und wir fuhren auf den Mount Archer, genossen die angenehme Temperatur und den Ausblick. Am 28. machten wir eine Tour durch die Capricorn Caves, ein riesiger Höhlenkomplex, in einigen davon leben auch Fledermäuse. Ganzjährige 24 Grad sind auch ein echt großer Bonuspunkt! Später erfrischten wir uns im freien Pool mit Meeresblick in Yeppoon und machten eine kleine Klettertour um den "Double Head". Die schroffen Klippen und das ausgewaschene Kalkgestein bilden einen sehr imposanten Kontrast, außerdem kann man dort gut die Spuren vulkanischer Aktivität sehen, durch die Landschaft geformt wurde.

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