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Der Ebro ist mit 910km Länge der zweitlängste Fluss der Iberischen Halbinsel, die ihren Namen dem Strom verdankt, wie ich kürzlich gelesen habe. Er entspringt am Pico Tres Mares im Kantabrischen Gebirge auf etwa 1880m Höhe, fließt dann unterirdisch und sprudelt in Fontibre aus dem Berg. Hier hat man dem Gewässer einen familienfreundlichen Park rund um einen kleinen See mit dazugehörender Schutzheiligen angelegt.

Virgen del Pilar
An der Ebro-Quelle

Wir starten unsere Entdeckerfahrt an der Quelle. Es herrscht entspannter Trubel und es ist immer wieder faszinierend, zu welchen akrobatischen Höchstleistungen Menschen für ein Selfie mit Hotspot fähig sind.

Ich auch und der große Fluss!

Nach dieser Sehenswürdigkeit ist unser nächstes Ziel der Embalse del Ebro. Bereits nach wenigen Kilometern wird der Fluss angestaut und bildet einen weit ausufernden See. Oft pfeift der Wind aus den Bergen über das flache Gewässer und die Kiter finden zum sportlichen Spaß zusammen. Wir gesellen uns zu dem lässigen Völkchen, auf dem Parkplatz finden wir noch eine Lücke und dann wandern wir ans Ufer.

Embalse de Ebro

Das Wasser ist nicht kalt und reicht mir gerade bis zum Knie. Der kräftige Wind lässt jedoch einige nennenswerte Wellen über den Embalse schwappen, wühlt den See auf und das reißt mich gleich mal völlig unvorbereitet von den becrocten Füßen. Die natürlich Auftrieb haben, wodurch mein Rest unter Wasser bleibt. Eigentlich kenne ich das Spiel schon, aber wer rechnet denn bei 50cm Tiefe mit solchen Freakwaves?

Zappa lacht sich mal wieder schlapp, hilft mir selbstverständlich auf die Beine und wir genießen den erfrischenden Badespaß nach der heißen Fahrt.

Ebro-Stausee

Zurück an der Räuberhöhle kommen uns Bedenken, ob wir hier zwischen den Party-Kitern eine geruhsame Nacht haben werden und entfernen uns ein wenig außer Hörweite.

Während Zappa ein wie immer köstliches Mahl bereitet, beobachte ich mit Erstaunen, dass mehr und mehr Camper den Parkplatz verlassen. Ein Wagen nach dem anderen verschwindet von der Bildfläche. Also doch keine Fiesta heute Abend?

Pünktlich mit den letzten Fahrzeugen beenden wir unser Abendbrot und brechen ebenfalls unsere Zelte ab. Wenn wirklich restlos alle Kiter-Vans den Strand verlassen, liegt der Verdacht nahe, dass das Übernachten am Ufer nicht gern gesehen ist.

...Wegesrand!

Am Kuh-Tor wartet ein Wagen auf die letzten Camper, um die Klappe zu schließen.

Unser Nachbar hat den Exodus scheinbar nicht bemerkt und bleibt einfach stehen. Sein Hund hat uns während der ganzen Mahlzeit angekläfft, das war nicht nett. Deshalb überlassen wir ihn seinem Schicksal.

Mickrige Staumauer

Wir folgen dem Lauf des Ebro am südlichen Ende des Stausees, der jetzt im August längst nicht mehr voll ist. Von der Strasse aus ist der alte Flusslauf wieder gut zu erkennen, der sich in vielen Windungen durchs fruchtbare Land schlängelt. An der Staumauer angekommen, überrascht uns doch sehr, wie wenig Beton ein so immenses Gewässer wie den Embalse del Ebro verursachen kann.

Erstaunlich viel Wasser fließt danach in einem teilweise ganz schön ruppigen Tempo Richtung Mittelmeer. Das Gefälle muss erheblich sein, mit brausendem Tosen rauscht der Fluss erst nach Süden, dann nach Osten, windet sich in Kurven und weiten Schlaufen, macht jede Menge Wirbel und Eindruck.

Wildwasser

Viele kleine Plätze im Schatten alter Pappeln und Schwarzerlen ermöglichen den Reisenden erholsame Rast.

Schwimmen ist unmöglich, die rasende Strömung reisst dich auch ohne Crocs von den Füßen und mit sich. Zwei Anbieter ermöglichen die Buchung von begleiteten Rafting-Abenteuern, aber dazu bin ich zu feige. Zappa ja nicht.

Umgestürzte Bäume bilden hier und da kleine Lagunen, in denen wir uns erfrischen. Hier wohnen auch die Flusskrebse.

Am frühen Abend bekommen wir Gesellschaft am brodelnden Fluss. Señor Mas und Señor Menos laden jede Menge Kram aus ihrem kleinen Transporter: Eimer, Leinen, Senknetze, Stangen und el Perro. Neugierig unterbrechen wir die Vorbereitungen für unser Abendmahl, das in spanischen Augen wahrscheinlich mitten am Tage und viel zu früh von uns eingenommen wird. Vor 21:00 Uhr begibt sich kein Spanier zu Tisch.

Wir bleiben aber bei etwa 19:30 Uhr, das ist ausreichend spät.

Was also haben die beiden Herren vor? Ein großer Fischkopf wird in viele Teile zerlegt und in den Netzen verteilt. Diese kommen dann an die Leine und werden mittels Stab an verschiedenen Stellen im Wasser versenkt. Nach nur wenigen Minuten werden die Netze wieder hochgeholt. Und siehe da: es befinden sich zwei bis drei Flusskrebse darin.

Die kommen in die Eimer. Der noch sehr junge Hund ist an einem Busch zur Bewachung der Beute festgemacht, aber völlig überdreht und aufgeregt und quietscht unentwegt Herrchen hinterher. Und wie sollten die Krebse auch aus ihrem Gefängnis abhauen?

Als wir mit unserer Mahlzeit fertig sind, beenden auch Señor Mas und Señor Menos ihre Jagd. Stolz zeigen sie uns das Ergebnis, im Eimer wimmelt es von Krustentieren. Der Behälter ist beinahe so voll, dass die ersten schon wieder flüchten könnten. Unser Mitleid haben die Gliederfüßer jedenfalls, sie erwartet jetzt der Kochtopf.

Immer wieder beobachten wir die Krebsfänger am Ebro. Auch die beiden Señores treffen wir noch einmal, dieses Mal haben sie el Perro zu Hause gelassen. Und natürlich will Zappa seine eigenen Erfahrungen sammeln. Schon seit der Normandie träumt er davon, so eine Trophäe zu fangen.

Beim nächsten Einkauf drängt er mich, die Biotomaten zu wählen. Dass er das signalrote Netz für seine Krebsfalle braucht, wird mir bald klar.

Selbstbau-Anleitung, Erfahrungsbericht, empirische Forschungsergebnisse zum Fress- und Sozialverhalten des Flusskrebses, Erfolgsgeschichten und Einzelheiten zu Rückschlägen gibt es hier in Wort und Bild. Seid gespannt!

Ach so: in unserem Topf ist kein Krebs gelandet, sie mussten lediglich zum Fotoshooting.


Die große Survival-Anleitung Seiner Kleinen Tigrigkeit in Wort und Bild:

1. Großer Raubkatzen-Hunger! 

2. Man nehme: einen langen Stock, einen dünnen Stock, ein Survival-Messer, ein Stück Bindfaden von der Kuhweide gemopst, das rote Biotomaten-Netz

3. Man biege den dünnen, elastischen Stock.

4. Man befestige mit dem Kuhweidenfaden das Netz am gebogenen Stock.

5. Man prüfe die Haltbarkeit!

6. Man befestige das Netz am langen Stock und lege Krebsfutter und einen Stein zur Beschwerung hinein.

7. Man lasse das Netz in den Ebro und warte.

8. Man hole das Netz heraus und bestaune den Fang.


9. Man führe eine spanische Konversation mit dem Krebs und lasse ihn mit der schwarz-gelb-gestreiften Ehrenmedaille für seine glorreichen Verdienste beim bestandenen Tiger-Abenteuer und heißen Grüßen an die scharfen Nixen in Neptuns Reich zurückkehren. ¡Olé!

10. Man freue sich auf ein bocadillo con queso mit frischen Kräutern und Traubentopping - ¡Que aproveche!


Spanien

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Kommentare

Kasi
😁

Hobbit
Entweder ist seine Tigrigkeit janz schön jeschrumpft oder der Fluskrebs janz schön jroß! ;)