châteaugeschichten
Bande auf Reisen - die Wild- und Minicamper!

Striptease im Waschsalon

Trotz der Blessuren rollt das kleine Wohnmobil weiter und meistert alle Geröllpisten, steinigen Pfade und Geschwindigkeitsbegrenzungsbuckel sämtlicher Höhen in den mittlerweile allgegenwärtigen 30-Zonen mit Bravour.

Wenn auch mit Zwangsbelüftung, durch die fehlende Heckscheibe, die vor allem nachts wohltuend kühl auf meine immer zu heißen Füße einwirkt, die auf der Heckheizung manchmal schwer entdampfen.

Nun sind für die nächsten Tage Gewitter angekündigt, doch wir haben jetzt zwei Planen an Bord und hoffen auf wetterdienstliche Irrtümer. Was natürlich nicht der Fall ist.

In den Barronies ziehen am frühen Abend dicke, dunkle Wolken auf und die ersten Schauer versprechen eine Menge Feuchtigkeit.

Wir haben einen Platz für die Nacht gefunden, drei französische Van-Lifer gesellen sich hinzu.

Platz für die Nacht an der Eygues
Platz für die Nacht an der Eygues

Das Donnergrollen wird lauter, die Blitze heller, das Unwetter nähert sich mit schnellen Tempo. Die ersten dicken Tropfen fallen, wir aber sitzen trocken unter unseren beiden Planen. Leider hat die langjährige Campingplane der letzten Touren inzwischen ein paar undichte Stellen, was dazu führt, dass die Innenseite mit der Zeit sehr feucht wird.

Das Gewitter rumpelt los, doch zu unserer Überraschung und auch Erleichterung regnet es in Maßen, wir stehen wohl zwischen den Fronten. In den Bergen um uns herum grollen unaufhörlich volltönende Donner, verstärkt und verdrei- oder vervierfacht durch die Echos der Felswände. Ohne Ende, immer und immer wieder zucken wilde Blitze durch die ansonsten undurchdringliche Dunkelheit. Wir sehen uns das Spektakel aus dem trockenen Bett im Twingo an, sind froh, dass die Urgwalt an einem anderen Ort losgelassen ist und fallen bald in einen tiefen Schlaf.

Am nächsten Morgen lacht die Sonne nicht sehr strahlend vom bewölkten Himmel und die Eygues strömt gut gefüllt und schmutzig-grau an uns vorbei.

Hier gehts nicht mehr drüber!
Hier gehts nicht mehr drüber!

Die Strassen sind matschig von roten und gelben Schlammlavinen, Pampebergen, die schon im Morgengrauen vom Bauern um die Ecke von der Bahn geschoben wurden und Geröllmassen. Dicke Steine blockieren die Fahrbahn und auch die kleineren in Massen erleichtern die Fahrt nicht unbedingt. Bäche und Flüssen haben rasante Fliessgeschwindigkeit aufgenommen, treten über die Ufer und befördern eine Menge Erde auf ihrem Weg bergab. Erst jetzt wird uns bewusst, wie viel Schwein wir in der Nacht hatten, wie auch die drei Franzosen mit uns, dass die Eygues an unserem Nachtlager eine sehr breites Bett hat und das Wasser damit eine Menge Platz zwischen den Ufern...

Auch heute ist keine Wetterberuhigung in Sicht, doch wir gondeln weiter von einem Dörfchen zum nächsten. Immer wieder brauen sich riesige, schwarze Wolkentürme zusammen.

Blitz, Donner und dicke Regentropfen trüben hier und da das unbeschwerte Touristendasein.

Und wieder mal der Ventoux...
Und wieder mal der Ventoux...

Das heisst, auch für die kommende Nacht, ein Plätzchen zu finden, an dem nicht im Laufe der Wetterkapriolen glitschige Schlammschichten unsere Füße einpampen oder ein Bächlein womöglich zum reißenden Fluss mutiert.

Wir finden eine schöne Stelle mit Schotter am Boden und bleiben. Bald braut sich das nächste Unwetter über uns zusammen.

Wir haben schon alles für den Regen aufgebaut - dachten wir.

Die Brico-Plane liegt leider nicht komplett über dem Twingo, so dass an den undichten Stellen an den Solarzellen-Ratschengurten kurzerhand Wasser tropft.

Ähm, also tropft ist nicht ganz korrekt.

Es regnet Eulen und Meerkatzen, wie die Kuh, die pisst und das in unser Bett. Zappa kramt Schüsseln, Schalen und den Topf aus der Kochkiste und fängt die Flüssigkeit auf. Alle paar Minuten sind die Gefäße randvoll und müssen geleert werden. Dieses Mal steht das Gewitter volle Kanne über uns und ergießt sich ebenso.

Es schüttet wie aus Eimern, das Wasser prasselt aus schwarzen Wolken auf uns herunter, der Himmel fällt uns auf den Kopf.

Nein, da beißt die Maus den Faden nicht ab, die Matratze und das Bettzeug sind klitsche-klatsche-nass.

Heute muss mit einer feucht-fröhlichen Nacht gerechnet werden.

Auf Regen folgt oft Sonnenschein und am Morgen begrüsst uns jener mit warmen Strahlen. Schnell ist der Twingo ausgeräumt und all unsere kleinen und großen Dinge trocknen im hellen Licht. Eingeräumt ist das Auto allerdings nicht so fix. Die Habseligkeiten und die Neuanschaffungen müssen wieder in dem Autochen ihre Plätze finden, tetrisgleich angeordnet, eingepasst und verstaut werden.

Liebe Sonne scheine...
Liebe Sonne scheine...

Am Nachmittag entdecken wir in Buis-les-Baronnies einen kleinen Waschsalon. Wie ist unsere Freude groß!

Die rigorose Reduzierung unserer Reisegarderobe führt dazu, dass die meisten Klamotten nach drei Wochen Reisezeit etwas mitgenommen sind und, um es genau zu bezeichnen müffeln.

Also holen wir das Zeug aus dem Auto, zahlen für 7kg Wäschewaschen 4€, spazieren durch das Örtchen und schmeißen dann auch noch den Trockner an.

Wo muss das Geld noch mal rein?
Wo muss das Geld noch mal rein?

In der PMU-Bar nebenan gönnen wir uns einen Cafe au lait, während die örtlichen Gäste schon beim Bier angekommen sind.


Buis-les-Baronnies
Buis-les-Baronnies

Als wir den Trockner ausräumen, müssen wir jedoch feststellen, dass der seinen Job nicht gemacht hat.

Ja, unsere Wäsche ist heiß wie ne Pellnudel, aber gar nicht trocken. Nein, die Sachen sind wieder klitsche-klatsche-nass!

Och nööö, heute morgen hat uns die liebe Sonne, die sich jetzt langsam vom Tagesgeschehen verabschiedet doch gerade erst zu trockenem Zeugs verholfen! Und nun dies!?


Klitsche-klatsche-nass!
Klitsche-klatsche-nass!

Wir haben nicht weit entfernt bereits einen schönen Platz für die Nacht an einer Wetterstation mit Zaun. Der hält jetzt als Wäscheleine her. Dabei heißt es beim Aufhängen gut Achtgeben, denn wenn der Schlüpfer, das Lieblingsshirt oder die einzige lange Hose hinter der "Leine" landet, sind diese schönen Dinge für immer verloren. Denn ein Weg auf die andere Seite steht nicht offen, es sei denn der Wetterwärter schaut in der nächsten Woche mal vorbei.

Wäscheleine
Wäscheleine

Die Sonne geht gerade in glutroten Farben unter und die Wäsche ist am nächsten Morgen durch den Tau wieder klitsche-klatsche-nass. Doch dieses Bild war die Mühe wert.


Coucher de soleil
Coucher de soleil

Und wer kommt eigentlich auf die Idee, im Urlaub Klamotten zu waschen und wer sagt, dass man auf einer Abenteuerreise nicht ein bisschen stinken darf?


Ab jetzt nur noch mit Hut und frischen Klamotten!
Ab jetzt nur noch mit Hut und frischen Klamotten!


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