Jaffna - Sri Lanka
Auf der Zugfahrt nach Jaffna traf ich den Sri Lanka John und plauschte mit ihm die 4h Zugfahrt. Ich fragte ihm nach dem Hinduismus und dem Bürgerkrieg und er mich über Fußball...

Veröffentlicht: 14.09.2023
Sigirya. Eine Ortschaft mitten im Dschungel Sri lankas. Kein Autolärm, keine Abgase, keine Menschenmassen. Nur Natur.
Ich habe mich auf diesen Ort mit am meisten gefreut um hier einfach anzukommen. Nicht den ganzen Tag vollgeplant und am überlegen wie, wann und wohin es als nächstes geht. Am ersten Abend sind ein paar Backpacker und ich noch mit dem Jeep raus gefahren und haben eine große Elefanten Familie vom nahen beobachten können. Obwohl ich meine Probleme mit Zoos aus tierrechtlichen Gründen habe (und so auch teilweise mit Safaris) war ich mit dieser Art die Tiere zu beobachten doch im großen und ganzen zufrieden. Es schien als ob die Tiere meistens nicht daran interessiert waren, dass wir sie beobachten haben. Trotzdem findet man leider auch hier die kapitalistische Ausschlachtung von 'Wildtiererlebnissen', wo Elefanten in Ketten den ganzen Tag zweifelhafte Touristen herum tragen, nur damit diese ein schnelles Foto machen können.
Ich traf eine kleine Gruppe von Urlaubern: Hinke aus der Niederlande, Fraser aus England und Leonie aus Deutschland mit denen ich die Tage in Sri Lanka verbringen würde. Eine super lustige Truppe mit der man einfach perfekt herumblödeln konnte.
Ich lag viel in der Hängematte im bequemen Hostel und las mein Buch "Der große Trip", welcher von einer jungen Frau handelt, die den PCT wandert um eine Art identitätskrise zu managen, oder versuchte verzweifelt mein Kreuzworträtselbuch weiter auszufüllen.
Hinke und ich gingen wandern und machten Wettbewerbe aus allem. "Ich wette ich kann die Kokusnusss weiter werfen!" Oder "Du schaffst es wetten nicht in 5min den Berg runter und wieder rauf zu laufen!". Sie gewann bei der Kokusnusss und ich beim Laufen :D wir gingen uns in einem der vielen Seen abkühlen, nachdem wir Einheimische fragten ob dort Krokodile drinnen sein. Trotzdem bin ich noch nie mit so einem Nervenkitzel geschwommen. Aber die Abkühlung war fantastisch! Nachdem wir im angrenzenden Sumpf Elefantenfußstapfen sahen haben wir die Verfolgungsjagd aufgenommen und uns ziemlich im Sumpf verlaufen, sodass wir am Ende auf einem Privatgelände landeten. Um genauer zu sein auf einer "organic farm", wobei wir die Mitarbeiter mit Kanistern auf dem Rücken sahen, wie diese die Pflanzen bespritzten. Ob Fungizide, Herbizide, Pestizide oder nur Wasser versprühten wussten wir nicht, aber es sah trotzdem auffällig aus. Auf dem Rückweg nahm uns ein einheimischer in seiner Ochsenkutsche mit und wir flogen im ruckelnden Wagen hin und her. Abends sind wir dann mit den anderen auf den Pidurangala Rock geklettert und haben uns zusammen den atemberaubenden Sonnenuntergang angeschaut.
Am nächsten Tag liehen wir uns die vermutlich schlechtesten Fahrräder auf ganz Sri Lanka aus und fuhren durch den zugänglichen Dschungel, gingen schwimmen und machten weiter Unfug.
Nachdem sich die anderen auf eine Safari aufmachten, radelte ich zu einem abgelegenen, halb ausgetrockneten See. Nach dem ich fast einen 1,5 Meter langen Varan überfuhr, winkten mir Fischer auf dem See zu und ich unterhielt mich ihnen und ich fragte, ob ich mit Fischen könne. Keine Zwei Minuten später stand ich mit Klamotten im schlammigen Wasser und versuchte mein bestes die Netze zu spannen und Fische zu fangen. Nach zwei Stunden und zwei Fischen die ich ausversehen entkommen lassen habe, verabschiedete ich mich und ging weiter in den ausgetrockneten Bereich um die Samen der Lotusblüte zu sammeln und zu essen (sie schmecken ein wenig wie Kastanien). Nachdem ich Oberschenkeltief im Schlamm versank rissen meine Flip Flops und ich machte mich Barfuß an den Wasserbüffeln und Pelikanen zurück zum Fahrrad.
Später hatte ich vermutlich das lustigste Abendessen bis jetzt. Unser Dahl wurde mit weißem, ungetoasteten Brot serviert und als wir nach mehr fragten schaute uns der Kellner für 10sek so an, als ob die Welt nicht mehr verstehen würde. Dann sagte er freundlich "oh yes", ging durch den Haupteingang rein und sprintete aus der Hintertür über die Straße zum Minimarkt und kaufte in Eileswinde eine Packung Toastbrot. Dann rannte er zurück, überzeugt dass wir ihn nicht sahen, ging durch die Hintertür, atmete laut durch und kam dann mit der Packung Toast freundlich raus. Das selbe auch beim Joghurt für den Nachtisch. Wir haben den ganzen Abend gelacht und ihn, sowie Sigirya dann mit ein, zwei Runden des traditionellen indischen Brettspiel Caromm beendet. Es war eine wundervolle Zeit.
Ich merke aber auch, dass ich bei all diesen Input tag täglich auch einen entsprechenden Output benötige. Umso mehr genieße ich den Kontakt mit Freunden und Familien aus der Heimat, Gespräche mit anderen um sich auszutauschen und die Zeit für mich alleine in der ich einfach die Landschaft genieße und nachdenke.
Man trifft eine Menge Backpacker und ist mit allen am reden und austauschen. So langsam bemerke ich die unterschiedlichen Mentalitäten dieser. Die, die 3 Wochen durch das Land rasen um alles ein Mal zu sehen und nie ankommen. Die Schüchternen, die Arroganten, die Labertaschen, die Komischen, aber auch die Lustigen, Liebenswürdigen und Bewundernswerten. So wie eigentlich Zuhause auch. Ich hab jetzt erst so langsam gemerkt, dass Backpacker nicht gleich Backpacker sind und dass es auch vollkommen okay ist nicht mit jedem perfekt klar zu kommen. Dann lieber für einen Tag alleine, aber glücklich unterwegs sein, als mit jemand anderen aber verstellt. Einsam wird man so oder so nicht. Allerhöchstens in Bezug auf den Kontakt mit sehr vertrauten Menschen. Da hilft nur der Griff zum Telefon und sich bei diesen Menschen in der Heimat melden und schauen, ob man vllt. eine*n Reisende*n trifft mit dem man länger als 4 Tage unterwegs ist und eine Art des tieferen Vertrauens aufbauen kann.
