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Vom Winde geplagt

Veröffentlicht: 25.08.2022

Tja, der Regen war nun also da. Pünktlich zum Start in die nächste anspruchsvolle Etappe. Der Col de Malatra stand an. Den wollte ich unbedingt machen. Genaugenommen habe ich meine gesamte Route rund um diesen Übergang vom Aostatal ins Val Ferret geplant. Üblicherweise durchgeführt als schwierige Tagestour mit Shuttle-Unterstützung, wollte ich mich daran by fair means als zweitägiger Bikepacking-Variante versuchen. Nur halt nicht bei so trübem Wetter wie es heute morgen nun mal war.

Aber was soll´s - die Wolken mussten sich halt noch voll ausregnen und Wetterbesserung sollte ja in Sicht sein. Der leichte Nieselregen störte erst gar nicht. Eher war es angenehm kühl beim Aufstieg. Bis nach Saint-Rhemy-En-Bosses, kurz vor dem Großen Sankt Bernhard Pass, war sowieso nur stures, gleichmäßiges Pedalieren über 1500 Höhenmeter auf Asphalt und Schotterstraßen angesagt. Über die Hälfte der Strecke ging das mit gelegentlichen, leichten Schauern auch gut voran. Doch um elf, als die Wetterprognose eigentlich das Ende der Regenfälle angekündigt hatte, legte es nochmal richtig los. Ein ergiebiger Landregen ergoss sich über mich, und mir blieb nur übrig schnell Unterschlupf in einem urigen Café in Etroubles zu suchen. Zugegeben, eine gar nicht so schlechte Wahl für einen Zwischenstopp. Und nach einer Stunde ging es weiter. Es wurde etwas trockener, aber der eiskalte Wind sorgte dafür, dass es mir bloß nicht zu angenehm werden sollte.

Beim Übergang in einen gröberen Fahrweg war dann Schieben angesagt. Ich verließ das recht belebte Gebiet rund um den Großen Sankt Bernhard und tauchte wieder ein in ein abgeschiedenes Seitental. Eine ruhigere Welt kleiner Almen, pfeifender Murmeltiere und unglaublich viel Kuhscheiße. Der Übergang des Col de Malatra ließ sich zwischen den schroffen, abweisenden Felszacken schon erahnen, und ein Pfad schlängelte sich steil am Ende des Talkessels hoch. Hier musste ich einen angenehmen Platz für mein Nachtlager finden. Das gestaltete sich allerdings gar nicht so einfach. Das Gelände wurde von oben überwacht von einem Rifugio, das über den oberen Hängen thronte und unten von einer geschäftigen Alm. Glücklicherweise fand ich auf halber Höhe zwischen den beiden eine Geländefalte auf einem Felsabsatz, der Schutz vor allzu neugierigen Blicken bot.

Der Wind wütete immer noch, und so blieb es doch recht frisch auf 2500 Meter Höhe. Von wegen Hitzesommer, hier oben saß ich fröstelnd mit Mütze und Handschuhen. Windgeschützt im Zelt war es etwas angenehmer, aber die warme Unterwäsche kam trotzdem zum Einsatz. Ich bibberte mich also in den Schlaf und freute mich schon auf die ersten wärmende Sonnenstrahlen des nächsten Tages.

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