Tag 20 Te Anau
Heute ist Sonntag, ideal für einen Tag chill out. An der Rezeption vom Camping bekomme ich wertvolle Tipps. Ausserdem buche ich für den nächsten Tag eine Schiffstour im Milford...

Veröffentlicht: 18.11.2017
Heute ist der große Tag. Es geht in den Milford Sound. Im Vorfeld der Reise war das für mich eher ein “must do” statt ein “das will ich unbedingt sehen”. Jetzt freue ich mich riesig darauf. Auf der über 120 km langen Strecke gibt es keine Tankstelle oder sonstige Einrichtungen. Deshalb wird der VW Bus noch mal voll getankt und es muss auch mal ein weiterer Liter Öl nachgegossen werden. Der Wecker klingelt daher um 6:30 Uhr. Der erste Teil der Strecke könnte auch durch das Allgäu führen, aber dann öffnet sich ein großes breites Tal und die Straße wird enger und kurvig, mehr Regenwald. Es ist noch wenig Verkehr. Komme mit gut 100 km/h voran und klemme mich hinter einen einheimischen Mercedes Kleinbus. Später geht es nur noch mit 60 bis 70 km/h voran . Ich bin voll konzentriert, denn das ist die gefährlichste Straße in Neuseeland! Oder wie später der Captain auf dem Boot sagen wird: “Drive save and slow. On this the road you can see very individual driving styles.”
Der Weg zur Anlegestelle des Boote ist durchaus spektakulär. Eine steile Bergstraße führt bis zur höchsten Stelle, dem Homer Tunnel. Ein einfacher Tunnel mit Ampelregelung ohne richtige Fahrbahn mit max. 30 km/h befahrbar. Die Straße ist an sich schon ein Erlebnis!
Die Sonne scheint heute im Milford Sound das erste Mal. Davor hat es dreißig Tage am Stück geregnet!!! Der Captain begrüßt uns “you are very lucky guys”. Er ist ein echt lustiger Typ, ich stehe oben neben der Brücke, auf einmal geht die Tür auf und er unterhält sich lange mit mir. Die Rundfahrt selbst ist der Oberhammer. Wir fahren die meiste Zeit in Begleitung von mind. 20 Delphinen, die ganz eng ans Boot kommen und auch in der Bugwelle schwimmen. Die Geschwindigkeit ist beeindruckend. Wir fahren unter Wasserfälle, man wird übrigens ganz schön nass dabei, und sehen den Seelöwen beim Nichtstun zu.
Mittags geht es dann auf dem Rückweg zu einigen kleinen Walks an der Strecke. Wasserfälle, mirror lakes, Urwald und die empfohlene Bergtour.
Der Parkplatz ist total überfüllt und sogar Chinesen in Turnschuhen laufen los. Es geht durch Urwald und ich fange mir einige Sandfly Bisse ein - trotz Schutz. Die Strecke ist super langweilig und der versprochene tolle Ausblick ist eher öde, sagen ein paar Bayern, die mir entgegen kommen. Also noch ein bisschen weiter und dann drehe ich auch um. Hab sowieso nur die Hälfte der angegebenen Zeit benötigt, anderthalb Stunden sind für mich keine Bergtour. Aber durch die Schneefälle der letzten Tage ist einiges gesperrt oder aus anderen Gründen zu. Aber der Lichtblick kommt ein paar Kilometer weiter.
Das atemberaubende sehr breite Tal liegt in der 25 Grad warmen Nachmittagssonne. Ich halte und genieße die Atmosphäre. Die Straße ist jetzt kaum mehr befahren. Alle fünf oder zehn Minuten kommt einmal ein Auto vorbei.
Danach fahre ich ca. 70km weiter zu Lake Manapuri. Dahinter liegt der Doubtful Sound, es werden auch Touren angeboten. Die werde ich aber wohl auslassen. Genug Fjorde gesehen. Und heute war schon ein echter Traumtag, der nicht zu toppen ist. Entscheide mich für einen skurril anmutenden Campingplatz direkt mit Blick über den See. Der Platz wird von einer älteren Dame betrieben, die auch schon einmal in Deutschland gelebt hat. Wir unterhalten uns lange und sie zeigt mit auch ein paar ihre Sammlerstücke, Oldtimer uvm. Auf dem Camping gibt es auch ein paar Häuser und Hütten, alle Stile von Schwarzwald bis kanadische Anglerhütte sind vertreten. Echt cool! Sitze noch in der Abendsonne auf der Picknickbank. Das Gelände ist 10 Hektar groß und man hat einen schönen Blick auf den See.
Nachts um ein Uhr stehe ich nochmal auf, um den Sternenhimmel zu beobachten. Dieser ist klar, wie ich ihn bisher nur in der Atacama Wüste in Chile gesehen habe. Es gibt keinerlei menschliches Licht auf dem Campingplatz oder im Ort, es ist stockduster. Mache ein paar tolle Fotos, aber dann treibt mich die Kälte der Nacht wieder ins Bett. Ein langer, fantastischer und anstrengender Tag geht zu Ende. Die unendlich vielen Eindrücke von heute muss ich erstmal verarbeiten.
