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Roadtrip Part VII - Route 66 & Dallas

Veröffentlicht: 12.06.2018

29.05.-01.06.2018 Da waren wir also: In Vega, im Nordwesten Texas. Einem kleinen verschlafenen Nest mit vielleicht 100 Einwohnern. Mehr als ein paar heruntergerockte alte Läden, die ihre beste Zeit schon hinter sich hatten, gab es hier nicht. Na gut, zwei Tankstellen und das obligatorische Fastfood-Restaurant. Ansonsten um den Ort herum....Steppe. Und verdammt war das heiß hier. Was machten wir dann hier? Gute Frage, Kevin-Poseidon, gute Frage. Wir hatten diesen Ort unserer Route hinzugefügt, weil durch diesen die alte Route 66 verläuft. Also in den Truck gesetzt (Harley oder Indian hatten wir leider nicht zur Verfügung stehen) und ab gings: "Born to be wiiiiiiiiiiiilld!" drang aus den Boxen und wir begannen den Spirit dieser Legende aufzusaugen. Nun, was erwartet einem auf so einer Tour? Viele zerfallene Häuser und Shops am Straßenrand plus schnittige Oldtimer. Genau unser Ort also. Die ersten Halte waren also Tankstellen, Werkstätten, Diners und alte Farmen. Konnte man sich irgendwie nur schwer vorstellen, dass hier vor 50/60 Jahren der Bär gesteppt hat und hier prosperierende Geschäfte existierten. Nun hatte das ganze etwas von Endzeitstimmung. Nur vereinzelt waren Menschen zu sehen. Keiner interessierte sich für die alten Autos, welche neben der Straße standen. Keiner für das verrostete Werkzeug vor und in der Werkstatt. Zumindest wir interessierten uns für das alles. Und niemand störte uns dabei. Ein paar Kilometer später kamen wir dann an der Cadillac Ranch vorbei. Hier werden natürlich Cadillacs artgerecht und biologisch aufgezogen und dann ausgewildert....oder eben einfach alte Cadi´s senkrecht in den Boden gebohrt, so dass sie vom gemeinen Pöbel mit Farbe angemalt werden können. Der von den Schaulustigen aufgetragene Lack aus der Sprühdose ist tatsächlich das einzige, was diese altehrwürdigen Karossen noch zusammenhält. Weitere Kilometer später, standen dann noch drei im Originalzustand erhaltene Cadillacs in der Weltgeschichte herum. Einer von Willie Nelson (Wer zur Hölle ist Willie Nelson?), John Wayne und, natürlich, dem einzig wahren, großartigen und stimmgewaltigen King, Elvis Presley. Um das ganze noch zu krönen, stand auch noch ein wabelwackelarmiger Windhosenkamerad daneben. Nachdem wir uns gegenseitig vorgestellt hatten, setzten wir unsere Reise fort. 


Nächster Halt: Amarillo! Frühstücken. Das hatten wir nämlich noch gar nicht gemacht. Ab also in ein waschechtes, enges, klimatisiertes und lautes American Diner (Ye Olde Pancake Station). Um es noch waschechter zu machen, standen vor dem Diner natürlich (fast) nur Pick-Up-Trucks, von denen der ein oder andere noch lief. Ganz klar: Der Besitzer saß im Diner und ließ sich sein Biscuit mit Gravy schmecken (schmeckt aber nicht....wirklich) während der Truck draußen vor sich hin brummt. Schließlich will man es wohltemperiert in seinem Auto haben, wenn man vom Essen kommt. Wie man dieses Essen regelmäßig zu sich nehmen kann, ist uns beiden sowieso schleierhaft. Pancakes/Waffeln, Bacon, Rührrei, Hashbrowns (Kartoffelpuffer)/Biscuit mit Gravy. Kein Wunder, warum so viele Menschen hier aussehen wie Nilpferde. Zu allem Überfluss wird natürlich jeder Weg mit dem Auto zurückgelegt und dann direkt vor der Haustür geparkt. Bloß nicht zu viele Kalorien verbrennen....könnte man noch schlank werden. Nachdem wir unser American Breakfast verzehrt hatten, setzten wir uns wieder in unsere Sauna und brausten in Richtung Wichita Falls. Da es früher Nachmittag war, wir auf unserem Wunsch-Campground einen Platz bekommen hatten und dieser auch noch einen Pool hatte, sprangen wir zur Abkühlung erstmal in selbigen, um unsere Körperkerntemperaturen von 70 auf 36 zu senken. Danach fuhren wir zu Walmart und kauften uns leichte Kost fürs Abendbrot. Zurück im Lager richteten wir unser Auto für die Nacht her. Nachdem das geschafft war, aßen wir etwas. Dabei lernten wir einen unserer Nachbarn kennen. James war sein Name. James kam aus einer kleinen Stadt in Mississippi und wohnte etwa 9 Monate im Jahr in seinem heruntergekommenen Camper in Texas und fuhr mit seinem ebenfalls arg abgewirtschafteten Pick-Up jeden Tag 80 Meilen von Wichita Falls gen Süden, um Rohre im Boden zu versenken. Er meinte, es wäre ganz gutes Geld, was man damit verdiene. Besser als in Mississippi. Das gehört also auch zur amerikanischen Realität. Anfangs war es schwierig, sich mit ihm zu verständigen. Der sprachliche Südstaaten-Einschlag war doch sehr gewöhnungsbedürftig. Aber mit der Zeit verstand man sich. Und Bella und ich erkannten einen gewissen Rhythmus in seinen vorgetragenen Sätzen. Und schon fühlte man sich in die Zeit von Huckleberry Fin versetzt. Irgendwann verabschiedete sich James und kümmerte sich um seinen etwas angetrunkenen Kumpel, mit dem er sich seinen Camper für 9 Monate im Jahr teilt. Wir machten uns bettfertig und legten uns in unser Bett. Nahezu nackt, versteht sich, denn im Canopy waren trotz fortgeschrittener Stunde immer noch mollig warme 33 Grad. Es sollte die vorerst letzte Nacht von uns auf Jim Bobs Rücken sein. Denn das Thermometer sollte über die nächsten Tage Nahe der 40-Grad-Marke verharren. 


Am nächsten Morgen ging es wieder früh auf die Piste. Wir wollten die mittägliche/nachmittägliche Hitze umgehen. Falsch gedacht. Es war schon morgens kaum auszuhalten. Ziel des Tages war Dallas. Nach zweieinhalb kurzen Stunden waren wir auch schon da. Als erstes gings, na klar, zu einem Campground/RV-Park. Das Nachtlager musste bestellt werden. Leider war der RV-Park verstärkt für dauerhafte Vermietungen ausgelegt. Nicht für Reisende wie uns. Überall standen mit dem Boden förmlich verwachsene, alte Camper. Ein kleines Zäunchen drum, zwei Blumen gepflanzt. Schon hat man sein Eigenheim mit Grundstück. So ähnlich sah es zumindest aus. Auch die Umgebung wirkte nicht unbedingt einladend. Viele Obdachlose und Tagelöhner. Heruntergekommene Häuser. Schnell weiter. Wir beschlossen nach Downtown zu fahren, um uns das "historische" Zentrum der Stadt anzuschauen. Wir parkten unser Auto auf einem Public Parking Lot, wovon es in der Stadt nur wenige gibt. Dementsprechend sind die Preise auch gepfeffert. Wir liefen etwas herum und wunderten uns schon bald über das hohe Polizeiaufkommen. Könnte es sein, dass ein hohes Tier aus der Politik gerade in Dallas weilte? Nach kurzer Recherche hatten wir Gewissheit: Der Orang-Utan, die Orange mit der toten Katze auf dem Kopf, sollte nach Dallas kommen. Oh toll, haben wir ein Glück. Leider sollte er erst 3 h später an dem abgesperrten Hotel ankommen. Schade. Als Ossi haben wir ja ein Herz für Südfrüchte, gerade Orangen. Gab ja früher nichts. Also wanderten wir noch ein bisschen umher, sahen uns das Westend und den Kennedy-Memorial-Plaza an. Die Parkzeit ließ leider keine weitere Zeit für Sightseeing zu. Schließlich kostete eine Stunde parken 5$. Also wieder ab in die Sauna und ab zu einer besonderen Location: Gas Monkey Bar´n´Grill. Gas Monkey ist eine Werkstatt unter der Führung des immer biertrinkenden Richard Rawlings. Vorzugsweise wird an alten Amis geschraubt und diese aufgemotzt. Das ganze wurde irgendwann mal vor die Kamera gebracht unter den Namen "Fast´n´Loud" und ist seitdem recht populär, auch in Deutschland. Jedenfalls hat dieser Richard Rawlings sich ein kleines Imperium aufgebaut. Neben seiner Garage hat er gleich einen Merchandise-Shop gebaut und betreibt eben das oben genannte Bar´n´Grill und einen Laden, in dem Konzerte stattfinden können. Geschäftsmann ist er. Jedenfalls waren wir in dem Restaurant und aßen etwas. Wenn man einmal hier ist... Es gab einen fetten Burger für den König. Und einen Salat für die Königin. Nachdem wir satt waren und noch ein wenig durch den hauseigenen Merchandise-Shop (auch im Restaurant gab es einen) geschlendert waren, setzten wir uns in den Dicken und fuhren noch zu Gas Monkey Garage. Im Merchandise-Shop von Gas Monkey konnten Außenstehende sogar in die Werkstatt reinschauen und die Jungs beim schrauben beobachten. Nachdem auch der König ein neues Leibchen sein eigen nennen konnte, überlegten wir, wie es mit dem Tag weitergehen sollte. Fuhren wir weiter oder blieben wir in Dallas. Schließlich war es ultrawarm und wir hatten keine Lust mehr im Auto zu sitzen. Und wir wollten den Abend noch bei Gas Monkey Bar´n´Grill ausklingen lassen. Also ab, Hotel suchen. Glücklicherweise war direkt neben dem Restaurant ein Hotel, welches unseren Anforderungen genügte und mit einem günstigen Preis lockte. Also gebucht, ab aufs Hotelzimmer. Endlich etwas kühlere Luft, eine Couch, ein TV und ein eigenes Bad. Als erstes sprangen wir in den hauseigenen Indoor-Pool und setzten den gesamten Raum unter Wasser. Nachdem wir eine Kleinigkeit gegessen und uns etwas erholt hatten, gingen wir wieder rüber zu Richards Bar und tranken ein paar Cocktails/Biers. Es war angenehm warm und die Drinks schmeckten besonders gut. Irgendwann war es Zeit, die Waagerechte aufzusuchen. Schließlich sollte es den nächsten Tag weiter Richtung Osten gehen, Näher an New Orleans heran...


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