Kein Plan, viel Kyoto (und überraschend viel Spontanität)
Heute sind wir ganz entspannt in den Tag gestartet. Wir hatten schlicht keine Lust aufzustehen und sind daher erst einmal eine ganze Weile liegen geblieben. Entsprechend stand...

Veröffentlicht: 01.01.2026




















Heute sind wir wieder zu einer halbwegs normalen Uhrzeit aufgestanden – schließlich wollte der letzte volle Tag in Kyoto genutzt werden. Wobei: streng genommen haben wir ihn gar nicht in Kyoto verbracht. Unser Ziel war Uji, eine kleine Stadt südlich von Kyoto.
Warum Uji? Gute Frage. Ich wusste es ehrlich gesagt auch nicht so genau. „Irgendwas mit Tee“, meinte der Kaffeenerd. Das hat mir als Begründung völlig gereicht.
Also ab zum Bahnhof, in den Zug – und kurze Zeit später standen wir auch schon in Uji. Dort haben wir uns erst einmal orientiert und ein paar Ziele herausgesucht. Zu unserer Überraschung lag alles, was wir sehen wollten, maximal etwa 15 Minuten zu Fuß voneinander entfernt. Klingt wenig, summierte sich über den Tag dann aber doch wieder zu einer ordentlichen Anzahl an Schritten.
Unser erster Stopp war der Byōdō-in-Tempel, der trotz Silvester geöffnet und entsprechend gut besucht war.
Der Tempel ist vor allem für seine Phönix-Halle (Hōō-dō) bekannt, die sogar auf der Rückseite der 10-Yen-Münze abgebildet ist (wusste ich vorher nicht – umso spannender war es dann, das Motiv direkt vergleichen zu können). Auf dem Dach der Halle sitzen tatsächlich zwei Phönix-Statuen.
Die Halle selbst hätten wir auch von innen besichtigen können, allerdings betrug die Wartezeit rund eineinhalb Stunden. Darauf haben wir dann verzichtet und uns stattdessen auf den Blick von außen konzentriert.
Anschließend sind wir noch ins dazugehörige Museum gegangen. Dort konnten wir unter anderem eine der Phönix-Statuen aus nächster Nähe sehen. Und ich muss zugeben, dass das für mich eher nach einem sehr stolzen Gockel aussah, als nach einem mystischen Phönix. Vielleicht darf man deswegen auch keine Fotos vom Gockel machen.
Deutlich beeindruckender waren aber die weiteren Ausstellungsstücke, die zum Teil mit leuchtenden Farben begeistern konnten. Besonders hervorzuheben sind die 52 hölzernen Bodhisattva-Figuren, die ursprünglich in der Phönix-Halle angebracht waren. Sie sitzen alle auf ihren Wolken, musizieren, beten oder zeigen buddhistische Handgesten – sehr detailreich und beeindruckend gefertigt.
Nach diesem kulturell geprägten Start ging es über den Uji-Fluss (ja, der heißt wirklich genauso wie der Ort) zu einem Shintō-Schrein. Da wir inzwischen gefühlt schon etwa 739 Schreine gesehen haben, hielten wir uns dort allerdings nicht allzu lange auf und spazierten relativ zügig wieder zurück Richtung Flussufer.
Dort kamen wir an einem Geschäft vorbei, das sofort die Aufmerksamkeit des Kaffeenerds auf sich zog: ein traditioneller Teeladen, inklusive kleinem Museum. Uji gilt schließlich als eine der wichtigsten Tee-Regionen Japans, besonders für Matcha und Sencha. Also wurde ein wenig Tee geshoppt – inklusive eines kleinen Matcha-Kekses für unterwegs.
Durch den Keks gestärkt ging es anschließend noch auf einen nahegelegenen „Berg“, Mount Daikichi. Eher ein Hügel, aber mit zumindest genug Steigung, um ihn so nennen zu dürfen. Von oben hatten wir einen schönen Blick über Uji (den Ort) und Uji (den Fluss).
Danach schlenderten wir weiter durch die Stadt und legten unsere Mittagspause in einem traditionellen Teehaus ein. Dort gab es originalen Matcha und Sencha direkt aus der Teehochburg Uji, dazu passende japanische Süßigkeiten. Sehr ruhig, sehr entschleunigt – genau das Richtige.
Anschließend stand noch ein etwas längerer Spaziergang zurück zum Bahnhof an (für Uji-Verhältnisse: etwa eine halbe Stunde), und von dort ging es wieder zurück nach Kyoto.
Im Hotel haben wir dann erst einmal entspannt und langsam angefangen zu packen – schließlich geht es morgen weiter zur letzten Station unserer Reise.
Am Abend gab es dann noch einmal Ramen. Unser letztes Mal Ramen in Kyoto.
Und damit war der Tag eigentlich auch schon vorbei. Also fast – ich hatte kurz vergessen, dass ja Silvester war.
Silvester wird in Japan eher ruhig und meist im Kreis der Familie gefeiert. Es gibt aber ein paar feste Traditionen. Zwei davon finden rund um Mitternacht und am Neujahrstag statt – und genau diese wollten wir miterleben, wenn wir schon hier sind.
Erstens: In buddhistischen Tempeln werden um Mitternacht 108 Glockenschläge geläutet (Joya no Kane). Sie stehen für die 108 irdischen Begierden, von denen man sich symbolisch befreien soll, um unbelastet ins neue Jahr zu starten.
Zweitens: der Besuch eines Shintō-Schreins zum Hatsumōde, also um für Glück und Erfolg im neuen Jahr zu beten. Das passiert oft erst am Neujahrstag selbst. Wir haben uns entschieden, das einfach auf dem Weg vom Tempel zurück zum Hotel zu machen.
Damit war das Programm für diesen letzten Tag des Jahres dann aber mehr als erfüllt.
Und in diesem Sinne: Euch allen ein frohes und gesundes neues Jahr!
