Ein "Phönix" in Uji und Silvester in Kyoto
Heute sind wir wieder zu einer halbwegs normalen Uhrzeit aufgestanden – schließlich wollte der letzte volle Tag in Kyoto genutzt werden. Wobei: streng genommen haben wir ihn gar...

Veröffentlicht: 02.01.2026













Aufstehen, alles packen, ab zum Bahnhof. Heute hieß es Abschied nehmen von Kyoto und weiter zur letzten Station unserer Reise: Tokio.
Die Fahrt mit dem Shinkansen sollte etwa zweieinhalb Stunden dauern. Am Bahnsteig kamen dann gleich zwei Züge kurz hintereinander. Der erste hatte rund fünf bis zehn Minuten Verspätung beim Losfahren, wodurch sich auch unser Shinkansen, der am selben Gleis einfuhr, leicht verzögerte. Allerdings wurde danach keine Zeit verloren: Kaum war der Weg frei, ging es direkt los – ohne lange Standzeit, offenbar mit dem klaren Ziel, die Verspätung unterwegs wieder reinzuholen. Schon beeindruckend, wie effizient das hier läuft. Die leichte Verspätung hat der Zug auch wieder rein geholt. Die Geschichten, dass sich im Zug dann persönlich bei jedem für die Verspätung entschuldigt wird, scheinen aber leider nicht zu stimmen.
In Tokio angekommen ging es erst einmal darum, unsere Unterkunft zu finden. Google Maps führte uns dabei kurzzeitig etwas in die Irre, aber nach ein paar Minuten Suchen standen wir dann doch richtig. Und die Unterkunft selbst ist ziemlich besonders: Wir brauchen in Tokio kein Hotel, sondern wohnen bei dem Bruder meiner Schwägerin. Für die nächsten Tage also eine ganz normale Wohnung – inklusive Ausblick auf einen kleinen Teil des riesigen Tokio. Ein sehr angenehmer Kontrast zu Hotels.
Nach dem kurzen Ankommen wollten wir den angebrochenen Tag noch nutzen und zumindest ein bisschen Tokio-Luft schnuppern. Also machten wir uns auf den Weg zum Tokyo Metropolitan Government Building in Shinjuku. Dort gibt es eine kostenlose Aussichtsplattform, von der man an klaren Tagen sogar den Fuji sehen kann. So zumindest die Theorie.
In der Praxis erwartete uns dort allerdings eine „kleine“ Schlange. Ein Schild kündigte etwa 45 Minuten Wartezeit an – und bis wir überhaupt dort ankamen, hatten wir schon rund 20 Minuten hinter uns. Also entschieden wir uns mittendrin doch noch um.
Der neue Plan: ganz entspannt in Tokio ankommen – mit einem Onsen. Gerade als wir einen passenden herausgesucht hatten und losgehen wollten, hatte der Kaffeenerd noch eine Idee: Wir könnten noch kurz bleiben, allerdings nicht für die Aussichtsplattform, sondern für „TOKYO Night & Light“.
Dabei handelt es sich um eine Licht- und Projektionsshow an der Fassade des Tokyo Metropolitan Government Buildings – mit Musik, Animationen und wechselnden Motiven, die von Anime über abstrakte Lichter, bis hin zu verrückten Inszenierungen reichen.
Nach etwa 15 Minuten war die erste Show vorbei. Da es inzwischen etwas kalt geworden war, entschieden wir uns dagegen, auf die nächste zu warten – zumal die Show ohnehin jeden Abend stattfindet. Also ging es durch Shinjuku weiter Richtung Bahnhof und von dort zum ausgewählten Onsen.
Nach rund eineinhalb Stunden abwechselnd in sprudelndem, warmem, heißem und kaltem Wasser – unterbrochen von zwei Saunagängen – war dann genug entspannt. Zeit, weiterzuziehen.
Auf dem „Heimweg“ wollten wir uns noch etwas zu essen holen. Allerdings ist der 1. Januar in Japan auch ein Feiertag, und es war inzwischen auch schon recht spät. Viele Restaurants hatten den ganzen Tag geschlossen oder waren zu diesem Zeitpunkt bereits zu. Selbst in den Convenience Stores waren die Regale mit Essen größtenteils leer.
Also blieb am Ende nur eine Option: das Restaurant zur goldenen Möwe – McDonald’s.
Nicht das beste Abendessen der Reise, aber immerhin wurden wir satt. Und eine Beobachtung war dann doch ziemlich spannend: Es saßen mehrere Schüler dort und haben gelernt. Um halb zehn am Abend. An Neujahr. Ein Anblick, der bei uns wohl eher undenkbar wäre.
Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang waren wir dann „zu Hause“. Betten herrichten, kurz runterkommen – und dann war dieser erste Tokio Tag auch schon vorbei. Nicht wirklich vollgepackt, aber doch irgendwie ereignisreich.
