* * * S E C H T A S A F A R I - der Auerochsenweg bei Bopfingen * * *
Die Sonne knallt unbarmherzig vom Himmel, unzählige Grillen zirpen im hohen Gras... Die Luft flirrt und die Ruhe ist so beherrschend, dass man sie fast hören kann...Ein Hauch von Serengeti weht über die Hügel der Ostalb: Inmitten der urtümlichen, renaturierten Auenlandschaft der Sechta zwischen Oberdorf und Kerkingen bietet eine Herde von etwa 20 imposanten Auerochsen ein fast vergessenes Bild urwüchsiger Natur. Diese beeindruckenden, rückgezüchteten Urrinder – erkennbar an ihrem dichten, zotteligen Fell und mächtigen Hörnern mit teilweise über einem Meter Spannweite – beweiden ganzjährig eine 25 Hektar große Weidekoppel in nahezu freier Wildbahn. Wanderer und Radfahrer können die kolossalen Tiere auf einem gut ausgeschilderten Rundweg bestaunen, der idyllisch am Fuße des markanten Berges Ipf und des malerischen Schlosses Baldern verläuft. Entlang des 5 Kilometer langen, renaturierten Bachlaufs wird die dynamische Kraft der Natur sichtbar: Hier zeigt sich, wie der neue Flussverlauf der Sechta aktiv die Landschaft umgestaltet und Flora und Fauna sich stetig wandeln und neu ansiedeln. Diesen faszinierenden, naturnahen Abschnitt haben der Landschaftserhaltungsverband Ostalbkreis und der Wasser- und Bodenverband Sechta-Eger gemeinsam geschaffen. Den idealen Einstieg in den Rundweg bieten die Wanderparkplätze am Edelbach, an der keltischen Schutzhütte bei Oberdorf oder direkt beim "Haus am Fluss" in Itzlingen. Die Geschichte der „echten“ Auerochsen (auch „Ur“ oder „Urus“ genannt) reicht tief zurück: Einst in Asien und Europa weit verbreitet, waren sie die größten und mächtigsten Wildrinder ihrer Zeit – mit einem Stockmaß von etwa 1,8 Metern und einem Gewicht von über einer Tonne. Vor etwa 6.500 Jahren im Vorderen Orient domestiziert, sind sie die Stammväter der meisten heutigen Hausrinder. Tragischerweise führten intensive Bejagung und der Verlust ihres natürlichen Lebensraums dazu, dass die letzten wilden Auerochsen bereits im frühen 17. Jahrhundert ausstarben. Die stattliche Herde im Besitz der Stadt Bopfingen wird mit großer Sorgfalt von Alois und Margret Wohlfrom betreut, die auch den nahegelegenen Milchviehbetrieb in der Edelmühle mit Weidehaltung führen. Lebensraum der Tiere ist die renaturierte Schneidheimer Sechtaaue, wo in den Jahren 2009 und 2010 das bedeutende Projekt ProSeKKO (Projekt Sechta Kirchheim, Kerkingen, Oberdorf) realisiert wurde. Als lebende „Landschaftsgärtner“ spielen die Auerochsen in solchen Beweidungsprojekten eine Schlüsselrolle: Durch ihr intensives Grasen halten sie die Vegetation niedrig und die Landschaft offen. Damit tragen sie aktiv dazu bei, wertvolle, historisch gewachsene Kulturlandschaften zu erhalten oder sogar in einen Zustand zurückzuversetzen, der dem ursprünglichen Wildnischarakter Mitteleuropas mit seinen großen Weidetieren wie Auerochsen, Wildpferden und Wisenten nahekommt.Der Weg lohnt sich. Er ist auch besonders für Familien mit Kindern geeignet, denn die Natur und die Tiere kosten keinen Eintritt. An der Keltenhütte unterhalb des Ipfs kann man einen Baumlehrpfad mit den Bäumen des Jahres besuchen. Wichtig: schaut euch die Tiere nur an, respektiert ihren Lebensraum und macht bitte eure Selfis von außerhalb des Zaunes! Könnte sonst unangenehm werden. Einen Einkehrtipp hätten wir euch auch noch anzubieten: der Biergarten im Wasserschloss Trochtelfingen. https://stolchschloss.com/biergarten/Dort warten kühle Getränke, ein schöner Blick auf die Ruine Flochberg und ein sensationeller Wurstsalat auf euch. Der Umweg lohnt sich, versprochen!