Museumsbesuch · Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Sehenswert
Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Baden-Württemberg, Deutschland
Über der Stadt Asperg bei Ludwigsburg erhebt sich der Hohenasperg, ein Berg, dessen Silhouette eine vielschichtige und düstere Geschichte verbirgt. Seine Vergangenheit reicht bis in die Steinzeit zurück, und um 500 v. Chr. thronte hier ein keltischer Fürstensitz, umgeben von einer Fluchtburg. Noch heute zeugen prächtige Hügelgräber in der Umgebung, wie jenes bei Hochdorf oder bei der Katharinenlinde, von dieser Epoche; sie sind alle so ausgerichtet, dass sie freie Sicht auf diesen markanten Berg bieten, ebenso wie das Kleinaspergle, ein weiteres, seit 1879 erforschtes Keltengrab.Ab 1535 zur württembergischen Landesfestung ausgebaut, begann seine eigentliche, anhaltende Bestimmung zu Beginn des 18. Jahrhunderts: die eines Gefängnisses. Bis 1945 saßen hier zahlreiche prominente politische Gefangene ein, was ihm im Volksmund bezeichnende Namen einbrachte. Man nannte ihn „Demokratenbuckel“, „Tränenberg“ oder spöttisch „Württembergs höchsten Berg“ – der Aufstieg dauere nur fünf Minuten, der Abstieg Jahre. Wegen der vielen inhaftierten Intellektuellen galt er als „Hausberg der schwäbischen Intelligenz“.Die Bandbreite der Häftlinge war immens und spiegelt die Brüche der deutschen Geschichte wider. Sie reichte vom Justizopfer Joseph Süß Oppenheimer über den wortgewaltigen Dichter und Journalisten Christian Friedrich Daniel Schubart, dessen zehnjährige Haft ihn zur Symbolfigur für die Freiheit machte, bis zu Revolutionären von 1848. Während des Nationalsozialismus diente die Festung als Schutzhaftlager für Regimegegner wie den ehemaligen Staatspräsidenten Eugen Bolz und, in einer zutiefst verstörenden Phase, als Sammellager für Sinti und Roma aus der Region, von denen die meisten in Vernichtungslager deportiert wurden – eine akribisch geplante Generalprobe für den Völkermord. Nach 1945 nutzten die Amerikaner die Anlage unter prekären Bedingungen als Internierungslager für NSDAP-Mitglieder.Bis 1968 wurde hier der Normalvollzug praktiziert, doch bereits 1953 begann der Wandel zum Zentralkrankenhaus für den baden-württembergischen Strafvollzug, ergänzt um eine sozialtherapeutische Modellanstalt. Auch in der jüngeren Geschichte blieb der Hohenasperg ein Schauplatz politischer Konflikte, als während des „Deutschen Herbstes“ 1977 RAF-Terrorist Günter Sonnenberg hier unter extremen Sicherheitsvorkehrungen, Zwangsernährung und monatelanger Dauerbeleuchtung inhaftiert war. Ein ganz eigenes Kapitel der Protestkultur verkörperte der „Remstal-Rebell“ Helmut Palmer, der zweimal, 1963 und 2000, wegen Beleidigungen und Querulanz hier einsaß.Um diese komplexe Geschichte zu bewahren, richtete das Haus der Geschichte Baden-Württemberg 2010 im ehemaligen Arsenalbau eine dezentrale Dauerausstellung ein. „Ein deutsches Gefängnis“ nennt sie sich und zeichnet anhand von 23 eindrücklichen Häftlingsbiographien die Entwicklung des Freiheitsentzugs nach. Ein Leseraum mit einer Datenbank zu rund 8000 Gefangenen bietet die Möglichkeit zur vertiefenden Recherche. So bleibt der Hohenasperg, heute Standort des Justizvollzugskrankenhauses und der Sozialtherapeutischen Anstalt, ein einprägsamer Spiegel von Herrschaft, Recht und ihrem Missbrauch – ein deutscher Schicksalsberg.#Hohenasperg#FestungHohenasperg#DeutscheGeschichte#Gedenkort#Erinnerungskultur#Demokratenbuckel#Asperg#Justizvollzug#Gefängnisgeschichte#Schubart#RAF#Strafvollzug#Landesgeschichte#BadenWürttemberg#Ludwigsburg#Asperg#MuseumHohenasperg#HausDerGeschichte#DarkTourism#wirsindsüden
Auf einen Blick
Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Stimmung
KulturellAbseits der Pfade
Highlights
Hohenasperg
Ausstellung „Ein deutsches Gefängnis“
Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Themen
GeschichteKulturArchitektur
baden-wuerttemberg-in-bildernFolge diesem Blog und verpasse keine neuen Beiträge.