Auszeit - Reise Richtung Osten
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Bereits auf der Taxifahrt vom Flughafen in die Stadt bemerkten wir einen gewaltigen Unterschied zwischen Kuching und den übrigen Städten Borneos. Besonders ins Auge stachen die gepflegten Strassen und die vielen neuen Gebäude. Selbst das Industrieviertel wirkte sauberer und aufgeräumter als die Stadtzentren von Sandakan und Semporna. Auf den ersten Blick erinnerte uns Kuching an Kuala Lumpur – multikulturell und fortschrittlich.

Die Stadt Kuching ist die Hauptstadt des malaysischen Bundesstaates Sarawak. Der Name der Stadt bedeutet in der malaiischen Sprache Katze (kucing). Es gibt verschiedene Legenden zur Namensgebung – eine besagt, dass der Name vom Bukit Mata Kuching, einem Hügel im Stadtzentrum, abgeleitet wurde. Mehrere Katzenstatuen zieren das Bild der Stadt. Am Ufer des Flusses Sarawak befindet sich eine nette Promenade, die vor allem am Abend bei den Einheimischen sehr beliebt ist. Die Menschen treffen sich hier zum Essen, Teetrinken oder um das Wasserschauspiel zu betrachten, das dreimal täglich, jeweils am Abend, abgespielt wird. Der Brunnen befindet sich unmittelbar vor dem modernen Parlamentsgebäude. Ein kleiner Film zur Geschichte Sarawaks wird in den Sprühregen hineinprojiziert. Dazu läuft Musik ab. Das Schauspiel steht in keinem Vergleich zur Lichtshow am Bundeshaus, ist aber trotzdem sehr schön.

Die Unterschiede zwischen den Bundesstaaten Sabah (Sandakan und Semporna) und Sarawak (Kuching) sind historischer Natur. Während Sabah von 1881 bis 1946 zur britischen Kronkolonie Nordborneo gehörte, wurde Sarawak von 1848 bis 1946 von den Weissen Rajas (Angehörigen der englischstämmigen Familie Brooke) regiert. Davor stand Sarawak unter der Herrschaft des Sultans von Brunei. Als der englische Abenteurer James Brooke in der Mitte des 19. Jahrhunderts dem Sultan von Brunei bei der gewaltlosen Lösung eines internen Konflikts half, ernannte ihn dieser als Dank zum Raja (Fürst) von Sarawak. Die Verwaltung des Gebietes unterlag seiner Obhut. Es gelang Brooke sein Herrschaftsbereich aus der Oberhoheit des Sultans zu lösen und fortan souverän zu regieren. Die Dynastie der Brooks dauerte bis zum Zweiten Weltkrieg an. Die Familie reformierte die Verwaltung, bekämpfte die Piraterie, förderte die Industrie (Öl- und Gummiproduktion) und den Handel. Sarawak erlebte eine Zeit der Blüte. Erst 1963 wurden die vier ehemaligen Teile des Britischen Weltreichs: die Föderation Malaya, die Kronkolonie Nordborneo, die Kronkolonie Singapur (bis 1965) und die Kolonie Sarawak zum heutigen Malaysia zusammengeschlossen. Ein Umstand, der sich bei der Einreise immer noch bemerkbar macht. Die Einreisestempel von Malaysia, Sabah und Sarawak zieren unseren Pass. Es ist schon etwas seltsam, dreimal ins gleiche Land einzureisen. Wieso dies so ist, konnte uns bisher niemand erklären. Interessant ist, dass die Bewohner von Sarawak nicht durch die Immigration gehen müssen, wenn sie nach Sabah oder Westmalaysia reisen. Aber die Einwohner der anderen Bundesstaaten nach Sarawak 'einreisen' müssen. Der Grund bleibt auch hier unklar.

Kuching ist nicht nur historisch interessant, sondern hat auch viel zu bieten. Am ersten Tag unseres Aufenthalts erkundeten wir das Stadtzentrum mit all seinen Sehenswürdigkeiten. Viele stammen aus der Kolonialzeit. Andere bezeugen die chinesische Präsenz. Bereits seit dem 18. Jahrhundert leben und arbeiten chinesische Einwanderer in Sarawak. Der Rundgang führte der Wasserpromenade entlang. Viele der historischen Gebäude befinden sich auf der einten oder anderen Seite des Flusses in der Nähe des Zentrums. Beim Parlamentsgebäude führt eine eindrückliche Brücke über den Sarawak. Wir besuchten den chinesische angehauchten Markt, das chinesische Geschichtsmuseum sowie die meisten wichtigen Gebäude Kuchings. Uns gefiel die lebendige, aber zugleich ruhige Stadt sehr gut.

Am Folgetag fuhren wir zum Semenggoh Nature Reserve, um die Orang-Utans bei der Fütterung zu beobachten. Im Park leben 31 Orang-Utan in Alter von 5-42 Jahren. Da der knappe Lebensraum nur in der Fruchtsaison genügend Nahrung für alle bietet, werden zweimal am Tag Früchte verteilt. Einmal mehr fragten wir uns, ob der Mensch mit seiner Intelligenz dem Affen wirklich überlegen ist. Die anwesende Menschenmasse liess ernsthafte Zweifel aufkommen und stellte unsere Geduld gewaltig auf die Probe. Trotz einer guten Instruktion durch die Wärter und klaren Anweisungen gelang es den menschlichen Wesen einfach nicht, den Mund für dreissig Minuten zu schliessen und einfach die Natur zu geniessen. Die Orang-Utans schätzen den Lärm der Menschen gar nicht. Zudem sind sie intelligent. Sie wissen, dass die Menschen nur zwischen 9.00 Uhr und 10.00 Uhr anwesend sind und sie danach die Früchte in aller Ruhe geniessen können. Einige unserer Artgenossen hätten wir liebend gerne einmal kräftig durchgeschüttelt und mit einem Klebeband den Mund zugeklebt. Wir hatten Glück, dass einige Affen sich nicht um die Menschen scherten. Sogar ein 100 kg schweres Männchen liess sich blicken. Der Anblick war überwältigend: riesige Backen, kräftige Arme und ein prächtiges Fell. Gemächlich stopfte er sich einige Bananen in den Mund. Punkt 10.00 Uhr mussten alle Besucher den Park verlassen. Die Wildtiere dürfen nicht zu lange gestört werden.

Unser Grab-Fahrer, der übrigens ausgezeichnet Englisch sprach, fuhr uns weiter zum Annah Rais Longhouse, einer einst traditionellen Behausung des Bidayuh Stammes. Beim Eingang wurde uns ein Gläschen des selbst hergestellten Reisweins angeboten. Zu unserem Erstaunen schmeckte das süssliche Getränk gut. Unser Fahrer erzählte uns, dass viele der jungen Bewohner in die Stadt abgewandert sind. Zurückgeblieben ist nur die ältere Generation. Einige Familien bieten ein B&B an, andere verkaufen ihren Wein. In der Mitte der Siedlung steht ein leeres Haus 'Showhouse', das von den Touristen erkundet werden darf. Die Behausung besteht aus zwei Stöcken. Ins Obergeschoss führt eine Art Hühnerleiter (sehr schmale Treppe). Die Einrichtung ist nicht speziell – es erinnert an die Schweiz vor 100 Jahren. Spannender als das Haus fanden wir die traditionelle Kochkunst. Die marinierten Fische werden in einem Bambusrohr über dem Feuer gegart – schmeckt bestimmt lecker.

Mit dem Taxi geht es zurück in die Stadt. Insgesamt waren wir sieben Stunden unterwegs. Wir mögen unserem jungen, sympathischen Taxifahrer die 25 Franken von Herzen gönnen. Die Transportkosten in Malaysia sind unglaublich niedrig!

Den letzten Tag verbrachten wir im Bako Nationalpark. Die Anreise mit dem Minibus dauerte rund 45 Minuten und kostete pro Person knapp einen Franken. Wir bezahlten die Parkgebühr und kauften ein Ticket für die Fahrt mit dem Boot in den Nationalpark. Nach einem sehr durchschnittlichen Mittagessen – wohl die bisher schlechtest Mahlzeit in Malaysia – begaben wir uns auf eine kleine Wanderung. Der Aufstieg war steil und anstrengend, dafür der Dschungel umso schöner. Da das letzte Boot bereits um 15.00 Uhr fuhr, blieb uns leider nur Zeit für einen kleinen Rundgang. Mit Boot und Bus ging es zurück in die Stadt.

Nach unserem kurzen Abstecher in Kuching geht es morgen mit dem Flugzeug weiter nach Kota Kinabalu (Sabah). Dort verbringen wir unsere letzten Tage auf Borneo bevor es weiter nach Südkorea geht.

Malaysia

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