Neuseeland: 8000km solo durch das schönste Ende der Welt
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Tag 22 - Mailboat Run durch die Marlborough Sounds

05.01.2015

Mashanka und ich treffen uns beim Frühstück und bleiben nun über Facebook in Kontakt. Sie fährt heute mit dem Bus nach Christchurch und morgen mit dem Tranzalpine (Bahn) über den Arthur's Pass nach Greymouth. Ich hab ja auch schon überlegt, ob ich das ggf. von Greymouth aus machen soll. Man braucht halt einen kompletten Tag dafür, um hin und zurück zu kommen. Es ist fast 10h und Rosemary, die strenge Frau des B&B wird Mashanka vermutlich gleich eigenhändig rausschmeissen, weil sie jetzt erst noch duschen will. Ich packe meine 3,5 Sachen zusammen und fahre mit meinem Auto die 300m Richtung Hafen, um dort auf dem Langzeitparkplatz bis heute abend zu bleiben. Leider ist aber kein Parkplatz frei. Also parke ich ein paar Straßen weiter am Straßenrand und spare mir die Parkgebühr.

Da ich über die Tour heute ja für An Bord einen Artikel schreiben werde, gehe ich erstmal zu dem Büro vom Mailboat Run und unterhalte mich mit der Tochter der Betreiber. 

Sortierte Postsäcke


Währenddessen werden schon die Postsäcke für die einzelnen Leute zurecht gelegt. Auf drei Routen wird die Post ausgeliefert, zweimal wöchentlich kriegt jeder Post, Zeitungen oder auch Lebensmittel, Werkzeuge, Fahrräder und was sonst so benötigt wird. Seit rund 150 Jahren gibt es diesen Dienst, der heute von der neuseeländischen Post mit betrieben wird. Aber die Boote nehmen bis zu 80 Personen mit und bei einem Preis von 95 Dollar ist das sicher kein schlechtes Geschäft nebenbei.

Ich sitze draußen in der Sonne und gucke mir das bunte Treiben an, verdrücke mich dann in den Schatten, denn es ist jetzt fast mittags und die Tour geht erst um 13.30h los.Die Sonne scheint von einem fast wolkenlosen Himmel und ich meine, dass dies der wärmste Tag ist, seit ich unterwegs bin.

Wassertaxi - kein Postboot

Jason der Barfuß-Kapitän und die Postsäcke

Jason, der head skipper ist ein mitteilsamer Zeitgenosse, der toll über Neuseeland, die Natur, die Marlborough Sounds erzählt. Ich sitze oben auf dem Deck und da das Boot mit 20 Knoten fährt, ist das ganz schön stürmisch. Der Wind kommt aus allen Richtungen, das Wasser hat kleine Schaumkronen. Wir kurven in kleine Buchten, wo mehr oder weniger gut erhaltene Holzstege manchmal nur ins Nichts zu führen scheinen, andere Male aber in ein Gelände mit mehreren Ferienhäusern. 


Die Leute und Häuser, die hier beliefert werden, sind entweder Leute, die hier ihre Ferienhäuser haben, Aussteiger, Künstler oder auch wirklich Menschen, die hier schon ewig leben. Viele grün bewaldete Inseln liegen überall in den Sounds, die eigentlich keine echten Fjorde sind, sondern eher die Reste eines aufgefalteten Gebirges, das durch steigenden Wasserstand nun so aussieht, wie die Fjorde oder Schären, die man so aus Skandinavien kennt.


Bei jedem Stopp, schiebt der Skipper sein Fenster auf, reicht zunächst den Hunden einen Hundekeks - es gibt eigentlich keinen, der hier nicht mit seinem Hund auf dem Steg steht und das Postboot erwartet - und dann reicht er aus dem Fenster, was an Land soll: Kisten aus dem Supermarkt, oft mit irgendwelchen Bindfäden zusammengehalten, dann den Postsack und dann gibt es noch einen kurzen Schnack und der Inselbewohner reicht dem Skipper seinen Postsack mit der ausgehenden Post und weiter geht es mit dem Boot. Noch einmal winken und dann ist für 2 Tage wieder Ruhe im Paradies.

Post für Herrchen...


...und ein Keks für Wuffi


Der nördlichste Punkt unserer Tour ist nach gut 2 Stunden erreicht: Ship Cove. Hier hat Captain Cook mehrfach angelegt und es gibt hier nicht nur einen Gedenkstein sondern eine wundervoll unberührte Natur. Die Hänge sind bewaldet mit richtigem neuseeländischen Urwald, was man daran erkennt, dass hier eben keine Kiefern wachsen und von Ferne das Ganze eher wie Broccoli oder Blumenkohl aussieht. Ein aufgeregter Austernfischer sitzt am Ufer auf zwei Eiern und schreit uns natürlich an, als wir alle mit den Kameras vor ihm stehen.

Austernfischer mit Ei am Ship Point



Ship Point
Hier landete Captain Cook
Wekaralle


Einige Laufvögel sind hier ziemlich ohne Scheu unterwegs, es sind wieder "wekas" (Wekarallen), die ich schon oberhalb von Russell gesehen habe. Und ich kriege endlich einen dieser unglaublich grünen Vögel fotografiert. Es ist paradiesisch schön hier in der Bucht, wo wir mal eine Viertelstunde ¨Landgang¨ haben. Das Wasser ist karibisch grün, der Himmel blau, die Hänge saftig grün, - wunderschön!


Insgesamt haben wir am Ende wohl 8 oder 10 Stopps gemacht, um Post oder Material abzugeben. An zwei Stopps werden auch Touristen abgeliefert oder abgeholt. Man kann an zwei Orten hier den Tag verbringen, indem man morgens eine andere Schiffstour macht, aussteigt und nachmittags mit dem Postboot wieder zurück nach Picton fährt. Andere wiederum steigen an einem Punkt aus und wandern über einen Berg in einen weiteren Ort. Das Postboot bringt also die Touristen an Punkt A und das Gepäck an Punkt B, wo es Feriendomizile gibt, wo die im Anschluss noch bleiben. Es gibt hier auch eine super-noble Lodge, mit Übernachtungspreisen von NZ$1000 im Sommer pro Person und Nacht.


Es wird vorübergehend ziemlich bewegt auf dem Wasser, bis es dann die letzte halbe Stunde richtig platt ist und die Sonne auch nicht mehr so sticht. Erst nach 18.00h macht das Schiff wieder fest. Ich laufe zu meinem Auto und fahre kurz in den Supermarkt, hole mir 5 Flaschen Wasser und ein Schälchen Tomaten für 5 Dollar und ein Joghurt, denn ich denke, ich werde heute Abend ggf. auf der Bettkante essen. Mal sehen. Ich habe online kurzfristig ja ein Motel in Blenheim gebucht und fahre jetzt noch eine halbe Stunde dorthin. Der Typ vom Raymar Motel ist zwar sehr nett, aber das Zimmer ist das schlechteste, das er hat. Das Fenster vom Bad ist das einzige, was man nutzen kann, geht aber auf die Straße raus. Die Tür des Zimmers ist eine Glasschiebetür, die in einer Gebäudeecke ist und vor der Tür hat man z.B. den Staubsauger in einer dreckigen Ecke geparkt und eine der zwei Campingküchen ist direkt daneben. Der Parkplatz ist für die Zimmeranzahl zu klein.

Also hier will ich nicht auf der Bettkante essen und ich wollte erst in den Ortskern laufen, aber schon auf der nächsten Ecke erscheint mir die Nachbarschaft wenig vertrauenserweckend und da es schon halb 8 ist und ich vermutlich erst gegen 21.00h wieder zurück komme und dann das Tageslicht langsam weniger wird, drehe ich um, hole das Auto und fahre den Kilometer in den Ort. Die Preise sind wieder so unfassbar, dass ich mich für einen Chinesen entscheide, wo ich wenigstens für 19 Dollar einen Hauptgang kriege, mir ein Bier gönne, - und das in Blenheim, der Weinstadt des Marlborough. Zunächst dachte ich noch, ich leiste mir gegenüber in einer Bar noch ein Glas Wein, aber 13 Dollar für ein 0,15 l-Glas ist es mir nicht wert. Ab in die Kaschemme, Bilder sichern und Licht aus. Die Bude riecht nach solchen Lufterfrischern, der Kühlschrank verströmt eine intensive Vanilleduftnote, so dass ich meine Tomaten da wieder raushole, damit die das nicht annehmen. Das Bett ist hart und hat in der Mitte einen Gnubbel und ich schlafe eher schlecht.

Tageskilometer: 36km

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