Woche 72-74 - Rückblick September
Ein kleines Update von uns aus Yukon, Kanada. Wir sind natürlich noch fleißig am arbeiten. Franzi ist mittlerweile top eingearbeitet und organisiert sich ihre Tage selbst. Sie hat...


Veröffentlicht: 31.10.2026












Wir sind weiterhin im Yukon und wir fühlen uns immer noch sehr wohl.
Julian macht jetzt regelmäßig seine Touren. Eine Tour heißt „Southern Lakes Tour“ und man fährt von uns aus südlich bis Carcross und dann weiter bis zur Britisch-Columbia/Yukon Grenze. Auf dem Weg gibt es kleinere Stopps und Julian erzählt auf der Tour die Geschichte des Gold Rush in der Gegend. Wer sich hierfür interessiert kann am Besten mal „Gold Rush Yukon“ googeln.
Eine weitere Tour ist die City Tour. Hier fährt er die Gäste durch Whitehorse, macht verschiedene Stopps wie z. B. Bei der örtlichen Glasbläserei, dem Totem-Pfahl oder der SS-Klondike – einem Schiff, dass früher auf dem Yukon River als Frachter unterwegs war. Bei jedem Stopp erzählt er was über die Geschichte des jeweiligen Stopps und der grundsätzlichen Geschichte von Whitehorse.
Außerdem macht Julian den Nature Walk. Der findet auf dem Gelände statt und dabei erzählt Julian den Gästen von der Geschichte der Gegend (wie z. B. der Eiszeit), teilt Informationen über Flora und Fauna, die sich so finden lässt und beantwortet alle Fragen der Gäste.
Er erzählt also immer über die Geschichte, aber immer abgestimmt auf den Ort. Also mal über die Leute im Gold Rush, mal über die Entstehung der Natur in dieser Gegend, mal über Sehenswürdigkeiten in Whitehorse.
Er bekommt sehr viel Lob von den Gästen, da er zum einen sehr viel Wissen hat und auch alle Fragen beantworten kann aber zum anderen auch weil er die Informationen gut rüber bringt und es sich nicht auswendig gelernt anhört. Und das Lob von den Gästen ist für ihn viel mehr Wert als die Bezahlung die dahinter steckt :-)
Seine Touren werden sich jetzt mit dem Winter nochmal etwas verändern, das erzählen wir dann aber wenn es soweit ist.
Bei Franzi hat sich nicht viel getan. Sie hat sich gut an die Arbeitszeiten gewöhnt. Sowohl an die späten Stunden in der Küche, als auch an die aufgeteilten Arbeitszeiten an manchen Tagen. Sie genießt nun die Pausen zwischen durch und die Zeit die deshalb für einen Nachmittagskaffee drin ist :-)
Wir machen übrigens auch noch fleißig mit den Gästen Stockbrot und alle lieben es! Es ist etwas ganz anderes als sie kennen und daher so besonders für die Gäste. Als Erinnerung schreibt Franzi das Rezept handschriftlich auf und die Gäste können das Rezept dann mitnehmen.
So cool unsere Kindheitserinnerung mit den Gästen teilen zu dürfen.
Was wir glaub ich noch gar nicht so im Detail erzählt haben: wir werden nur bezahlt wenn wir arbeiten. Anders also als in Deutschland üblich. Daher wollen wir natürlich schon so viel wie möglich arbeiten, sind uns aber bewusst, dass wir Pausen/freie Tagen brauchen, um das Ganze bis April durchhalten zu können. Urlaub können wir nämlich keinen nehmen. Franzi ist daher glücklich über ihre 5-Tage-Woche und Julian arbeitet 6 Tage, diese sind aber nicht immer mit vielen Stunden verbunden.
Einen schönen Nachmittag verbrachten wir mit unserem Chef und einem weiteren Kollegen (beide aus Schwaben), denn wir spielten Binokel. Zuerst spielten wir ein paar Runden zu viert, dann musste unser Chef leider gehen und wir spielten nur noch zu 3. Zig Runden später stand der Siger fest: Franzi :-)
Es wurde jetzt auch schon richtig kalt und den ersten Schnee hatten wir Mitte Oktober schon. Dieser ist noch nicht liegen geblieben aber diese Woche hat es einmal die ganze Nacht geschneit und so 3 cm sind liegen geblieben (die liegen immer noch). Tagsüber sind wir nur noch manchmal im positiven einstelligen Temperaturbereich, meistens nahe null und nachts teilweise schon zweistellig im minus Bereich. Auf den vielen Schnee warten wir aber noch.
Wir wurden aber schon fürs Schnee schippen eingeteilt, sodass wir bereit sind, wenn es dann los geht. Von 7 bis 8 Uhr geht dann die erste Schipp-Schicht los. Das wird eine Herausforderung so früh aufzustehen, denn normalerweise schlafen wir beide mittlerweile länger. Selbst Franzi ;-) Aber auch daran werden wir uns gewöhnen. Und anscheinend schneit es hier nicht den ganzen Winter, denn dafür wird es irgendwann einfach zu kalt. Daher wird es ein paar Wochen viel schneien und dann wieder aufhören. Der Schnee bleibt dann aber die ganze Zeit liegen, weil es viel zu kalt ist, als dass er schmilzt.
Das Tageslicht geht jetzt auch in schnellen Schritten zurück. Zum heutigen Tag geht die Sonne um 9:21 Uhr auf und geht um 18:05 Uhr unter. Jeden Tag haben wir ca. 5 Minuten weniger Tageslicht. In der dunkelsten Zeit haben wir nur 4 Stunden Tageslicht, die Sonne wird dabei kaum über den Horizont steigen, sodass wir für mehrere Stunden Sonnenaufgangs bzw. -untergangs Stimmung haben werden. Alle Einheimischen schwärmen von dieser Zeit. Wir sind schon sehr gespannt.
Wir wollen dieses Mal einen kleinen Teil unseres Wissens über Yukon mit euch teilen:
Im Yukon leben ca. 48.000 Menschen, 35.000 davon in Whitehorse.
Die Größe von Yukon mussten wir nachschauen, aber uns blieb der Mund offen stehen: Yukon ist um 30 % größer als Deutschland. Baden-Württemberg würde mehr als 13-mal in Yukon passen.
Daran kann man schon ganz gut erkennen, wie abgeschieden Yukon ist und, dass außerhalb Whitehorse nichts außer Natur und ein paar kleine Siedlungen gibt.
Whitehorse liegt auf dem selben Breitengrad wie Oslo. Aufgrund des warmen Golfstroms ist es in Oslo aber um einiges wärmer im Winter als in Whitehorse. Im Yukon liegt die durchschnittliche Wintertemperatur bei -20 Grad. -30 sind aber keine Seltenheit und letztes Jahr z. B. War es ein richtig kalter Winter mit teilweise bis zu -50 Grad. Aufgrund der extrem trockenen Luft, fühlt sich die Kälte aber wohl anders an als in Europa (das werden wir dann in den nächsten Monaten noch selbst erleben).
Auch das Gesundheitssystem ist hier natürlich anders. Es gibt zwar Ärzte und ein Krankenhaus, aber es werden bei weitem nicht alle Abteilungen abgedeckt. So kann es z. B. Sein, dass wenn du zu einem Spezialisten musst, dich deine Krankenversicherung kostenlos nach Vancouver fliegt, um einen Arzttermin wahrzunehmen. Bei einem schlimmeren Unfall ist es auch völlig normal per Helikopter nach Vancouver geflogen zu werden. Wir hoffen, dass wir keins dieser Szenarien erleben werden.
Eine kleine Erfahrung haben wir mit dem Gesundheitssystem aber gemacht: Julian hatte einen kleinen Arbeitsunfall und musste zum Arzt ins Krankenhaus. Und nur, dass man reingelassen wird, muss man 800 CAD zahlen. In dieser Gebühr ist aber weder die Behandlung, noch der Arzt inkludiert. Und warten mussten wir auch 5 Stunden, bis der Arzt kam und nach 7 Stunden waren wieder draußen. Da es ein Arbeitsunfall war, mussten wir zum Glück nichts bezahlen, sondern die Versicherung des Resorts übernimmt das.
Zum Glück haben wir ja auch eine internationale Krankenversicherung, die im Normalfall sonst einspringen sollte. Diese ist übrigens für Kanada doppelt so teuer, als es vorher war.
Eine Neuigkeit haben wir noch: wir haben unseren Camper verkauft! Den Truck haben wir behalten. Wir hatten ja einen Wasserschaden im Camper und nachdem wir in einer Camper-Werkstatt waren, war klar, dass die Reparatur zu teuer für uns ist. Da die Leute hier grundsätzlich sehr viel selber bauen und reparieren können, haben wir uns entschieden den Camper für kleines Geld einzustellen für einen Bastler. Und tatsächlich hat es geklappt und wir haben den Camper verkauft bekommen. Wir werden zwar einiges an Geld verlieren, aber das war für uns die beste Lösung. Nun brauchen wir etwas Neues, um nächstes Jahr weiter reisen zu können. Vermutlich wird es kein Camper mehr, denn die Auswahl hier oben ist nicht groß und gut.
Das war es für den Moment, den nächsten Blog gibt es dann Ende November. Da wollen wir auch mal noch darauf eingehen mit welchem Konzept das Resort hier läuft. Es ist nämlich kein klassisches Hotel.
