Zum Ende meiner Zeit in Kasachstan ein paar Fakten und Eindrücke zum Land:
Kasachstan ist riesig, flächenmäßig das neuntgrößte Land der Erde und fast so groß wie Argentinien. Durch diese enorme Ausdehnung ist es eine große Herausforderung, eine flächendeckend gute Infrastruktur (Frischwasserversorgung, Kanalisation, Internet …) aufzubauen. Das führt zu einem sehr deutlichen Stadt-Land-Gefälle. Außerdem habe ich durch diese Größe in meinen drei Wochen hier wirklich nur einen Bruchteil des Landes gesehen.
Auch wenn Kasachstan in meinem Kopf zu einer völlig anderen Weltregion gehört, grenzt es im Osten an China. In der Region rund um Almaty sind die chinesischen Einflüsse deutlich spürbar – etwa in der traditionellen Küche, bei den Automarken oder durch die Anzahl chinesischsprachiger Menschen. Auch südkoreanische Einflüsse sind erkennbar. Gleichzeitig sind die Spuren der Zeit im Russischen Zarenreich und in der Sowjetunion unübersehbar: Viele Schilder sind auf Russisch, fast alle Menschen, die wir getroffen haben, sprechen zumindest einigermaßen Russisch, und nach dem Islam ist die russisch-orthodoxe Kirche die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft. Almaty wurde in der Sowjetzeit planmäßig erweitert, die Architektur ist stark vom Plattenbau geprägt. Trotzdem wäre es zu kurz gegriffen, Kasachstan nur als „ehemaligen Sowjetstaat“ oder bloße Verlängerung Russlands zu betrachten. Seit der Unabhängigkeit 1991 entwickelt sich ein neues nationales Selbstverständnis: Viele Menschen sprechen bewusst lieber Kasachisch, die einst verbotene Nomadenkultur erfährt neue Wertschätzung und das kulturelle Erbe, auch die Erinnerungen an die Zeit als Teil des Mongolenreichs, wird bewusst gepflegt.
Die kasachische Flagge ist mittlerweile meine Lieblingsflagge. Auf strahlend blauem Hintergrund, der den weiten Himmel der Steppe und damit Freiheit symbolisiert, leuchtet eine goldgelbe Sonne mit einem Steppenadler. Der Adler steht für die nomadische Vergangenheit und die Zeit des Mongolenreichs unter Dschingis Khan. Am linken Rand verläuft ein Ornamentband aus ineinander verflochtenen Pflanzenranken und Tierhörnern, ein Verweis auf die traditionelle Volkskunst. Diese Flagge anzuschauen macht mich jedes Mal fröhlich :)
Kasachisch ist eine Turksprache. Zwar wird sie derzeit noch in einer speziellen Version des kyrillischen Alphabets geschrieben, sie ist aber enger verwandt mit Türkisch oder Usbekisch als mit Russisch.
Da nur wenige Kasach:innen Englisch sprechen, ist es mir manchmal schwergefallen, in Kontakt zu kommen. Philipp gegenüber waren die meisten Menschen aber sehr herzlich und hilfsbereit und auch ich habe keine unangenehmen Begegnungen zu verzeichnen. Besonders schön war ein Gespräch mit einer Gruppe Schüler:innen im Bus. Sie konnten ein paar Sätze Englisch und wollten diese unbedingt an uns ausprobieren. Am selben Tag haben uns zwei Studentinnen in einer Berghütte zu einer fröhlichen Uno-Runde eingeladen. Diese Begegnungen haben mir gezeigt, dass die Menschen sehr offen und freundlich sind, sobald man eine gemeinsame Sprache findet.
Die Landschaft Kasachstans ist unglaublich vielfältig: Von Wüste über Steppe, Grasland, Wälder bis hin zu Hochgebirge ist alles dabei. Wandern scheint hier allerdings weniger verbreitet zu sein als in Deutschland. Obwohl die Natur wirklich überall dazu einlädt, gibt es nur wenige markierte Wege. Typischer scheint es zu sein, einen Tag draußen mit einem ausgedehnten Picknick, lauter Musik und einem Nickerchen im Schatten zu verbringen.
Eine große Backpacker-Kultur habe ich in Almaty nicht wahrgenommen. Viele Reisende sind mit Mietwagen unterwegs oder schließen sich geführten Touren an. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchs Land zu reisen, ist nahezu unmöglich. Ein Zitat aus meinem Reiseführer bringt es auf den Punkt: „Schwerlich kann man etwas Gutes von diesem wilden Land erwarten; jedoch mit einem ausreichenden Vorrat an Langmut und Beharrlichkeit lässt sich alles überwinden, und je schwieriger die Hindernisse werden, desto angenehmer wird der Sieg.“ Zwar stammt dieser Satz von einem Reisenden des 19. Jahrhunderts, aber ich habe mich darin trotzdem wiedergefunden. Denn die Erlebnisse, die ich hier, vor allem in der atemberaubenden Natur, machen durfte, waren außergewöhnlich schön und die Mühe, die lange Anreise und die Planung auf jeden Fall wert!
Auf einen Blick
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Dauer
21 Tage
Begleitung
Zu zweit (2)
Stimmung
KulturellAbenteuerlichAbseits der Pfade
Highlights
Kasachstan ist flächenmäßig das neuntgrößte Land der Erde.
Die kasachische Flagge wird als Lieblingsflagge beschrieben.
Begegnungen mit Schüler:innen im Bus und Studentinnen in einer Berghütte.
Die Landschaft reicht von Wüste bis Hochgebirge.
Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchs Land ist nahezu unmöglich.
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Antworten (1)
Ralfvor 12 Monaten
Uno - соңғы карта
Қалайша бітті? ... мен енді ғана оқи бастаған едім ғой?