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Wasser in Rom

Veröffentlicht: 20.05.2024

Zu den bedeutendsten Errungenschaften der zivilisatorischen Gesellschaft im Römischen Reich zählt das System der Wasserversorgung der Stadt. Ein ausgeklügeltes System versorgte die Einwohner von Rom mit Wasser und sorgte für die Entsorgung mit Abwasserkanälen. Diese ingenieurtechnischen Installationen sorgten für hygienische Zustände, wie sie selbst viele Jahrhunderte nach dem Zusammenbruchs des Reiches nicht mehr erreicht wurden. Wir besuchen drei Einrichtungen, wo diese Wasserinfrastruktur archäologisch zu sehen ist. Leider hatten alle drei Orte so ihre Haken.
Als Thermenanlage suchte ich mir die Diokletiansthermen in der Nähe des Hauptbahnhofs Termini aus. Im übrigen hat der Hauptbahnhof genau von diesen Thermen seinen Namen bekommen. Die Thermenanlage war eine der größten Thermen im antiken Rom. Eine kirchliche Nutzung nach der Antike ließ gewisse Teile der Therme erhalten. Ich hatte diese Therme im Gegensatz zu den Caracalla-Thermen aus subjektiven Gründen ausgewählt, weil Caracalla ein grausamer Herrscher war und Diokletian mit seinen Regierungsreformen eine positive Entwicklung des Römischen Reiches bewirkte. Der Besuch war aber dann ernüchternd, da nicht nur die Erklärungen, die Ausschilderungen und Darstellungen sehr dürftig waren, sondern die große Aula Decima (Eingangshalle) fast vollständig wegen Veranstaltungsaufsteller gesperrt war und man nur bis zum Grabmal des Platorini gehen konnte, der im Jahr 18 v. Chr. ein bedeutender Aufseher der Münzprägung war und dessen Familiengrab man 1880 in der Halle aufstellte. Wer also etwas von der Therme sehen will, geht lieber in die Kirche Santa Maria degli Angeli e dei Martiri, welche früher ein Teil der Therme war.
Das epigraphische Museum im Museumsteil in der Thermenanlage hat dann wiederum schon eher mein Interesse geweckt. Trotz der ermüdenden vielen Grabinschriften waren dann doch einige Ausstellungsstücke sehr interessant. So wurden diverse Wasserrohrinschriften ausgestellt. Eine kleine Trinkschale mit eingeritzter Wahlpropaganda bezog sich auf die Wahlen des Jahres 62 bzw. 63 v. Chr. mit den Kandidaten für das Konsulat Sergius Catilina und Lucius Casius Longinus (66 v. Chr. dann mit Cicero Prätor). Catilina wurde besiegt und zettelte die berühmte Verschwörung an, die Cicero so wortgewaltig aufdeckte und bekämpfte. Aus der Trinkschale geht außerdem hervor, dass Marcus Porcius Cato für das Amt des Volkstribuns kandidiert und gewählt wurde. Die Tabula von Ligures Baebiani ist eine Bronzeplatte aus der ligurischen Stadt Baebiani, die wahrscheinlich im dortigen Forum angebracht war. Das Dokument enthält eine Liste nicht rückzahlbarer Darlehen, die Grundbesitzern in der Region gewährt und durch Hypotheken auf den Grundstückswert gesichert wurden, für die die Eigentümer einen jährlichen Zinssatz von 5 % zahlen mussten. Das aus diesen Zinsen resultierende Kapital war für den Unterhalt der Kinder armer Familien in der Region als sozialpolitische Maßnahme bestimmt. Diese Regelung wurde von Kaiser Trajan unter dem Namen institutio alimentaria gegründet und fand in ganz Italien breite Anwendung.
Das zweite Ziel war die im Internet hochgelobte Vicus Caprarius, mächtig als „Wasserstadt“ bezeichnet. Dort angekommen gab es ein Absperrband mit einer Hinweistafel, dass nur Leute mit Reservierung eingelassen werden. Das klingt ja noch spannender, wenn der Andrang so groß sein sollte. Nach einem Bummel durch die Stadt hatte ich endlich die Möglichkeit zur Reservierung, welche über WhatsApp vorgenommen werden musste. Die von mir mit etwas Zeitabstand gewählte Uhrzeit wurde dann auch bestätigt. Dann hieß es noch ein wenig warten und zur bestätigten Uhrzeit die 4 Euro Eintritt pro Person zu entrichten. Man stieg in einen kleinen Keller mit einigen Metalllaufstegen und… war dann auch schon fertig. Einige wenige Mauern eines Teils eines Wasserversorgungssystem, effektvolles LED-Licht, ein paar scherbenreiche Ausstellungsstücke… nach zehn Minuten ist man wieder draußen. Zum Glück hatte ich nicht den teuren Audiogiude gekauft. Das ist gut propagierte Touristenabzocke, die man durch die geheimnisvolle Reservierungspflicht einfach noch etwas attraktiver und spannender gestalten wollte. Also mein Tipp: wer nach Rom fährt kauft sich für die 4 Euro lieber ein Eis in den zahlreichen umliegenden Eisdielen. Leider haben wir durch dieses „Theater“ viel Zeit verloren.
Die ganze Hoffnung zur Besichtigung von alter römischer Wasserinfrastruktur lag nun auf der Porta Maggiore, dem alten Stadttor, welches in ein Aquädukt integriert wurde und an einer Stelle steht, wo verschiedene Aquädukte zusammentreffen. Kaiser Aurelian hatte zudem die Stadtmauer mit diesem Abschnitt verknüpft. Abbrüche zeigten dann auch schöne Querschnitte der Aquädukte mit den innen liegenden Wasserkanälen. Besonders die Mächtigkeit und Größe dieser Bauwerke beeindrucken und werden hier sehr gut deutlich. An der einen Mauerseite befindet sich das Grab eines Bäckermeisters, der wegen dieser Grabstelle ein reicher Mitbürger gewesen sein musste. Das Grabmal des Eurysaces stammt aus dem Jahr 30 v. Chr. und die runden Löcher in der Grabruine sollen wohl Brotteig-Knettröge symbolisieren. Diese Grabanlage und der ganze verkehrsreiche Platz sind aber in einem eher heruntergekommenen Zustand. Neben Müll sorgen vor allem die Graffiti (eine Unart in ganz Rom und wohl in vielen europäischen Städten) für diesen traurigen Eindruck. Wie man das großartige römische Erbe stadtgestalterisch dann besser aufwerten kann, zeigt sich gleich nebenan in der Via Statilia, wo das Aquädukt Aqua Claudia weiterführt. Dort hat man die beeindruckenden Aquäduktbögen in einen Park (Parco di Via Statilia) zur Nutzung durch die Anwohner mit Sitzbänken, Pflanzen, Pinien und einer Wasserstelle integriert.
Apropos Wasserstellen, auch heute gibt es in Rom zahlreiche öffentliche Wasserstellen, die sogenannten „Nasoni“. Das Wort leitet sich vom italienischen „Nase“ (Naso) ab, weil das Wasser an vielen Stellen aus einem gebogenen Rohr, wie einer Nase, kommt. Die eine Wasserstelle auf meinem Foto hatte dann wohl eher eine platte Nase. ;-) An den Wasserstellen kann man seine Trinkflasche auffüllen und sich am kühlen Wasser an heißen Tagen erfrischen. Tolle Einrichtung!

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