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Straßenverkehr und Elektroautos in China

Veröffentlicht: 25.11.2024

Ich habe ja schon im letzten Jahr ein paar Zeilen zum chinesischen Straßenverkehr geschrieben (Bloglink: Straßenverkehr in China), nun kann ich diese Story wahrscheinlich jedes Jahr fortschreiben. Aber langsam gewöhne ich mich an die Gepflogenheiten, welche für mich als Verkehrsteilnehmer aus Deutschland kurios oder chaotisch anmuten. So ist es hier in China nicht ungewöhnlich, dass in der Dunkelheit der Nacht durch alle Fahrzeugklassen von Roller über Pkw bis zum Lastwagen hindurch ohne Licht gefahren wird. Bei dichtem Nebel wird zwar das Licht nicht eingeschaltet, dafür fahren etliche Fahrzeuge mit Warnblinkanlage, was das Abbiegen spannend macht. Es wird auch kaum die Fahrweise geändert, so hat unser kleiner Überlandbus im dichten Nebel zum Überholmanöver angesetzt und stand plötzlich vor einem Pkw. Ok, beim zweiten Versuch ging es dann ohne Gegenverkehr über die Bühne. Gehupt wird immer, wenn man auf sich aufmerksam machen will und es wird auch meistens ignoriert, denn keiner reagiert wirklich auf das Hupen. Allerdings muss man bei dieser Fahrweise eines eingestehen: Niemand, aber wirklich niemand regt sich über andere Verkehrsteilnehmer auf. Man tastet sich vor, man bremst, man überholt, man lässt ein anderes Fahrzeug passieren und ist einfach zufrieden, wenn man weiterfahren kann. Das kreuz und quer Fahren und kreuz und quer Parken wird einfach hingenommen und man versucht einfach nur selbst für sich die beste Fahrspurlücke zu finden. In aller Seelen Ruhe werden auf dem Roller mitten im tobenden Verkehr die letzten WeChat-Nachrichten gecheckt oder mitten auf der Kreuzung gewendet. Ich habe einen alten Mann beobachtet, der mit seinem dreirädrigen Lastenfahrrad in Zeitlupentempo eine sechsspurige Straße schräg überquert. Die ersten drei Spuren mit der Verkehrsrichtung jonglieren alle um ihn mit Leichtigkeit herum. Aber ab der Mitte der Straße kommt er in den Gegenverkehr und ich schwitze beim Zuschauen Blut und Wasser, als er gemächlich dahinkriecht und alle Fahrzeuge ausweichen und abbremsen müssen. Hier kein Problem - alle, aber wirklich alle, sind mächtig entspannt, nur ich beim Zuschauen nicht. :-)
Das ganze verfolge ich bequem vom Rücksitz eines Elektroautos, denn die neue Entwicklung dazu in China ist auch in der Familie meiner Frau zu beobachten. Eine Schwester hat bisher einen Volkswagen gefahren, wie so viele Chinesen. Jetzt hat sie sich ein Li-Auto gekauft, ein faszinierendes Elektroauto mit unglaublich viel Freiraum beim Sitzen und Panoramaglasdach und einem System, welches per Kamera und Radar andere Fahrzeuge und Menschen in der Umgebung erkennt und auf dem Navi anzeigt, sogar mit rotem Bremslicht, wenn der Vordermann bremst. Zum Parken fährt man einfach in die Nähe des Parkplatz, steigt aus und das Auto fährt allein vor und zurück in die Parklücke, was man über diesen Link anschauen kann: Einparken des Li-Autos. Überall gibt es Ladesäulen, die immer gut genutzt werden. Den Strom bezahlt man genauso wie die Parkgebühr mittels QR-Code mit dem Smartphone. Alle Funktionen im Auto, wie Heizung, Sitzklimaanlage, Musik, Dachöffnung, werden per Sprachsteuerung eingestellt, wobei ein kleiner KI-Smiley auf dem Display erscheint und sich mit dir unterhält und dabei in die Richtung des Gesprächspartners im Auto schaut. Es gibt auch keinen Autoschlüssel, denn das Schließen und Öffnen des Autos erfolgt durch das Smartphone, selbstverständlich auch der Kofferraum. Die Preise für Elektroautos sind günstiger als in Deutschland. So würde ein für mich passender Wagen als Neuwagen unter 10.000 Euro zu haben sein, der in Deutschland zur Zeit für 33.000 Euro verkauft wird. Bei den niedrigen Preisen kann man sich noch ein zusätzliches Designelement leisten. So kleben manche Figuren auf das Dach oder dem Kofferaumdeckel vom Auto. Mhmm, ok, aber über ein anderes Designelement lässt sich nicht streiten: Ein Blumenkorb im Stadtbus lässt eine angenehme Atmosphäre aufkommen.
So, nun ist der Urlaub leider schon wieder vorbei. Erlebnisreiche Wochen liegen hinter mir und das innerliche und foto- und videotechnische Verarbeiten wird wohl noch eine Weile dauern. Die Blogposts zur Liangzhu-Kultur in Hangzhou bin ich noch schuldig und werde ich später von Deutschland aus schreiben.

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