Die Silhak-Philosophie
Eigentlich wollen wir am ersten vollen Besichtigungstag in Seoul gleich den als Touristen-Hotspot bekannten Gyeongbokgung Palast besuchen, aber der hat neben montags auch...

Veröffentlicht: 06.09.2025
Seoul hat in vielen Stadtbezirken verschiedene moderne Lebensstile anzubieten, für die bei unserem fünftägigen Kurztrip leider keine Zeit bleibt. Trotzdem müssen wir natürlich einen Stadtteil besuchen, der durch Park Jae-sang weltweite Berühmtheit erlangt hat. Als PSY wurde sein „Gangnam Style“ ein großer Hit und machte den K-Pop in der Welt bekannt. Also fahren wir in den Stadtteil Gangnam südlich des Han-Flusses (so auch die Übersetzung des Namens „Gangnam“) mit seinen Business-Wolkenkratzern. Hier sind große südkoreanische Banken und Firmen angesiedelt, so auch Samsung, es gibt viele teure Luxusgeschäfte, teure private Bildungseinrichtungen, Schönheitskliniken und teure Restaurants. Der Stadtteil verkörpert den Drang nach Erfolg, Reichtum und Luxus. PSY greift diesen Drang in seinem Song eher ironisch auf und plädiert vielmehr für ein tiefgründigeres Leben. Es ist also eher eine Parodie auf den Gangnam-Lebensstil. Aber sein Tanzstil prägt selbst 13 Jahre nach dem Song immer noch die koreanische Jugend. Wir schlendern die Teheranstraße entlang bis zur Trillion Tower Sculpture, die sich aber durch einen dahinter verlaufenden Bauzaun gar nicht fotogen präsentiert. Zielgenau steuern wir in den Innenhof der Wolkenkratzer zur Starfield Bibliothek, die durch riesige Bücherwände eine architektonische Besonderheit darstellt. In der Bibliothek befinden sich dann auch mehr Menschen, die mit dem Smartphone fotografieren, als Menschen, die lesen wollen. Wir gehen im Untergeschoss zur nebenliegenden COEX Mall und am Osteingang wieder heraus auf die Straße. Dort hat sich eine Menschenmenge an Mädchen mit bunten Luftballons versammelt. Der Grund: auf einer aufgebauten Bühne soll die K-Pop-Band „NCT Wish“ auftreten. Das nenne ich mal eine passende Kulisse für die Gangnam-Style-Skulptur, auf die wir jetzt zusteuern. Passende Musik an dem beliebten Fotomotiv bildet den Rahmen und Touristen stehen für Fotos Schlange. Ein paar verrückte Damen versuchen sich auch im Tanzstil. Ich müsste für einen solchen öffentlichen Versuch eine Menge Alkohol trinken, was ich aber natürlich jetzt nicht tue. Selfies müssen genügen. Wir schleichen nun an der anderen Seite der Boygroup-Fans vorbei, wobei die Skulptur von Jeon Su-cheon, die den berühmten Seefahrer Jan Bo-go (8./9. Jahrhundert) darstellt, in dem Trubel fast untergeht. Eigentlich interessiert mich diese Geschichte mehr, als die K-Pop-Fankulisse, und so flüchten wir vor den Massen der Enkelgeneration in die Metrostation zur Fahrt zu unserer nächsten Attraktion. Und bis dahin kann man hier den Gangnam-Style sehen und hören: Gangnam-Style.
