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Die Silhak-Philosophie

Veröffentlicht: 05.09.2025

Sehenswert
Gyeongbokgung Palast
Seoul, Südkorea
Zug
Wangsimni Station → Ungilsan Station
Südkorea
Bus
Bushaltestelle am Bahnhof Ungilsan → Bushaltestelle beim Silhak-Museum
Gyeonggi-do, Südkorea
Museum
Silhak-Museum
Gyeonggi-do, Südkorea
Tour
Besuch der Grabanlage von Chong Yagyong und des Silhak-Museums
Tour

Eigentlich wollen wir am ersten vollen Besichtigungstag in Seoul gleich den als Touristen-Hotspot bekannten Gyeongbokgung Palast besuchen, aber der hat neben montags auch dienstags geschlossen, wie wir am Eingangstor feststellen müssen. Deshalb nehmen wir gleich unser zweites Ziel ins Auge und springen in die Metro und steigen an der Wangsimni Station in einen Vorortzug um, der uns von Seoul in die Berge östlich der koreanischen Hauptstadt bringt. Dort befindet sich die Grabanlage von Chong Yagyong (1762-1836), auch als Tasan oder Dasan bekannt. Er ist ein bedeutender Vertreter der wichtigen koreanischen philosophischen Strömung des Silhak, weshalb sich neben der Grabanlage auch das Silhak-Museum befindet. Ich habe im Vorfeld der Reise sein Hauptwerk "Mongmin simso" (목민심서), was auf Deutsch etwa "Abhandlungen über die Kunst, das Volk zu regieren" heißt, gelesen und für mich ist das Grab mit dem Museum das wichtigste Ziel der Urlaubsreise nach Korea. In seinem Werk führt er Beispiele guten Regierens auf, die Korruption verhindern und eine leistungsfähige Verwaltung schaffen. Dasan selbst war einige Zeit Gouverneur in der Provinz Gyeongsang-do und konnte somit auch beim Schreiben des Werkes von eigenen Erfahrungen profitieren. Nach langer Zugfahrt steigen wir am Bahnhof Ungilsan aus und gehen zur Bushaltestelle. Dort kommen wir mit einem älteren Herrn ins Gespräch, der auch zum Museum will und uns gleich Fotos seiner Urlaubsreisen und seines Enkels zeigt, der mit der Tochter in Shanghai wohnt. Der 79jährige wohnt in Seoul und zeigt uns eine Menge Gipfelfotos seiner Wanderungen, ein beeindruckender rüstiger Koreaner. Nach meiner App benötigen wir Bus 58 und nach einer langen Weile kommt Bus 58-3. Wir steigen ein und fahren los. Lange vor dem Museum steht unser flotter koreanischer Rentner auf und möchte aussteigen. Ich sage ihm, dass hier nicht das Museum ist und wir weiterfahren müssen. Er spricht kurz mit dem Fahrer und steigt aus. Ich blicke verdutzt, aber da hat der Busfahrer die Tür schon geschlossen und ist wieder losgefahren. Das Geheimnis lüftet sich Sekunden später, als der Bus an einer Kreuzung statt nach links abzubiegen einfach weiterfährt. Das ist für uns die falsche Richtung und ich frage den Busfahrer, der allerdings kein Englisch spricht. Irgendwie mit dem Zeigen der Handylandkarte deute ich seine Gestik und sein koreanischen Redeschwall, dass wir falsch sind. Wir steigen also aus und laufen in der Hitze und durch anhaltendem Fluchen meinerseits die Straße zurück. Was so eine kleine zusätzliche „3“ in der Busnummer doch ausmachen kann. Wir haben aber Glück, denn als wir wieder an der anderen Kreuzung ankommen, saust auch schon der richtige Bus 58 heran. Nun fahren wir die letzte Strecke bis zum Museum. Wir besichtigen die Grabanlage mit Ausstellungshalle, Schrein und Grabhügel und gehen gegenüber ins Museum. Eintritte sind überall kostenlos. Die Ausstellung ist sehr interessant, zwar meistens nur auf koreanisch beschriftet, weshalb die Übersetzungsfunktion meines Smartphones heiß läuft. Die Philosophie des Silhak nimmt Wertevorstellung des Konfuzianismus auf, betont aber die pragmatische Machbarkeit und Umsetzung. Dieser Pragmatismus ohne ideologische Scheuklappen, der neben Korea auch so erfolgreich in Singapore und China angewendet wird, ist ein Kennzeichen erfolgreicher Gesellschaften. So entstand beispielsweise das Daedong-Gesetz im Jahr 1569, welches aufgrund seines pragmatischen Ansatzes viel gerechter angesehen wurde, als vergangene Steuergesetze der Joseon-Dynastie. Zahlreiche alte Dokumente werden erläutert und sind neben der Vorstellung von philosophischen Persönlichkeiten für mich am interessantesten. Ein Buch führt Beschwerden über Preisschwankungen und Frondienste auf und welche Maßnahmen daraufhin unternommen wurden. Ein Werk von 1676 beschreibt Methoden in der Landwirtschaft und ein Autor aus dem 18. Jahrhundert macht sich sorgen über die unterprivilegierten Menschen im Land. Genau dieses Thema greift der Silhak-Vertreter Lee Yong-hu (1737–1805) auf und argumentiert, dass Moral nur dann etabliert werden könne, wenn das Leben der Menschen angenehm und wohlhabend sei. Die Wohlfahrtstheorie von Lee Yong-hu besagt, dass zunächst Wohlstand geschaffen werden muss, bevor nach Tugenden bei den Menschen gestrebt werden kann. Auch ein Manuskript von Dasan befindet sich im Museum und Choe Han-gi (1803-1877) veröffentlichte ebenfalls ein Buch zum Thema einer korrekten Regierungsverwaltung. Selbst in China gab es Gelehrte der Silhak-Philosophie, wie Li Gong - 李塨 (1666-1728). Zum Schluss werden im Museum die technischen Errungenschaften aus der frühen koreanischen Geschichte thematisiert, die uns immer wieder bei Besichtigungen an verschiedenen Orten begegnen und auf die ich später eingehen werde. Wir schlendern wieder den Weg zur Bushaltestelle zurück, der von verschiedenen themenbezogenen Elementen geprägt ist. An der Haltestelle steht ein kunstvoll gestalteter Bus, schnell ein Foto machen und einsteigen. Und wer sitzt schon im Bus? „Unser“ netter Koreaner. Wir lachen amüsiert darüber, dass wir bei der Hinfahrt zusammen den falschen Bus genommen haben, denn er war auch überrascht, dass er nach seinem Ausstieg aus dem Bus noch 15 Minuten laufen musste. An der Metrostation verabschieden wir uns herzlich, denn er reist noch zu einer anderen Sehenswürdigkeit an diesem Ort, während wir nun die längere Zugfahrt nach Seoul antreten. Ich bin währenddessen noch immer beeindruckt von unserem Besuch am Ort der Silhak-Philosophie.

Auf einen Blick

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Wetter
Sommer
Begleitung
Mit Freunden
Kulturell
  • Grabanlage von Chong Yagyong (Dasan)
  • Silhak-Museum
  • kostenloser Eintritt
  • Irrfahrt mit Bus 58-3 statt 58
Smartphone-ÜbersetzungsfunktionHandylandkarte
KulturGeschichteArchitekturTransit
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