Wo sind Cerina und Marius?

Auf diesen Seiten werdet ihr es herausfinden!

Vietnam: Mopedtour durch den Norden Vietnams

Ein Bus mit Liegesitzen brachte uns binnen 6,5 Stunden von Hanoi ins eigentlich nur knapp 300 km entfernte Ha Giang. Teilweise fragten wir uns, ob der Busfahrer auf der Hupe hängen geblieben ist, sie schallte in einem fort. Vietnamesen mit Reishüten und Wasserochsen arbeiteten vereinzelt auf den kargen Winterfeldern und die Landschaft wurde immer hügliger und grüner. Berge gesellten sich am Horizont hinzu.

Wir liehen uns in Ha Giang drei Mopeds, eine mit 125 ccm und zwei mit 100 oder 110 ccm. Doch bevor die Motoren richtig warm laufen konnten, wartete gleich beim Ortsausgang die Polizei auf uns. Die Führerscheine bitte. Dank der mitgeführten internationalen Führerscheine und der verwirrenden Motorradführerscheinregelung Deutschlands waren sie schnell gelangweilt und ließen uns ziehen. Ein Glück.

In den ersten vier Tagen fuhren wir eine ca. 385 km lange Rundtour durch spektakuläre Karst-Landschaften. Je weiter wir gen Norden kamen, desto schmaler wanden sich die Serpentinen zu Pässen hinauf und führten an Bergflanken hoch über dem Tal und meist ohne Leitplanken immer weiter in unglaublich schöne Panoramen hinein.

Auf dem ersten Pass machten wir eine Teepause, wir waren etwas durchgefroren. Im Durchschnitt ließen die schmalen, kurvenreichen Straßen gepaart mit dem Auf- und Ab und den verrückten Bus-/ Lkw-Fahrern nur eine Geschwindigkeit von 35 km/h zu. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit liegt bei 60 km/h, die wir nur selten fahren konnten. Wir kamen langsam voran doch bei dieser grandiosen Landschaft zu hetzen wäre ein Frevel. Die Augen staunend geweitet, der Körper etwas verkrampft vom Fahrtwind (10°C Lufttemperatur und Fahrtwind sind keine gute Kombo) erkundeten wir den Ha Giang Loop. Gut, dass es in jeder Siedlung Tee und Pho (Nudelsuppe) für wenig Geld gab. 

Der Kopf war schön warm vom Helm. Die Einheimischen fahren hier teilweise mit einem Helm in Käppiform, inkl. Aussparung für den Zopf. Ob bei einem Unfall da das gute Karma ausreicht? Wir haben zum Glück keinen Unfall gesehen oder gehabt.

In Tam Son begrüßten uns sozialistische Plakate und viele Vietnamflaggen am Straßenrand. 

Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich die Lung Khuy Höhle. Die Harzer Tropfsteinhöhlen hätten hier hinein gepasst. Unglaublich lang und hoch, voller Stalaktiten, Fächern und anderen Gebilden. Sie wurde erst 2015 entdeckt und wir waren dort fast allein.

Cerina merkte nach wenigen Metern, dass sich das Moped schwammig fuhr. Plattfuß… Im Dorf wurde der Reifen aufgepumpt und dann musste sie mit Bleifuß den Berg hinauf und hinunter in die 6 km entfernte Werkstatt. Bloß nicht anhalten und ewig schieben... Geschafft! Für 5,80 € reparierte uns der Mechaniker das Hinterrad.

Hatten wir schon die grandiose Landschaft erwähnt? Einfach nur spektakulär. 

In Yen Minh bekamen wir 5 Betten zum Preis von Dreien in einem Zimmer. Das passte Nicole und Cerina ganz gut, die beiden überzähligen Decken dienten als Topper für die steinharten Matratzen.

Abends schlenderten wir durch die Hauptstraße. Eine hier scheinbar typische Szenerie: Essenstände auf dem Gehweg (Maiskolben, Suppen, Hühnerfuß am Spieß gebraten, Schnecken...), daneben grelle Blitze vom ebenso dort arbeitenden Schweißer, Tag der offenen Tür beim Zahnarzt und soz. Plakate, Flaggen, Neonlichter.


Wir fuhren bis zum Nordpol Vietnams, Lung Cu. Die darauf wehende Flagge umfasst 54 m² und soll die 54 Minderheiten des Landes symbolisieren. Ein Blick rüber nach China verriet, dass die Landschaft dort gleich ist.

Etwas weiter südlich kann man direkt an die Chinesische Grenze, das gestaltete sich schon spannender. Lediglich ein Schild und die Zaunpfeiler bildeten die Grenze. Kein Wachposten, keine physische Barriere. Dahinter war eine chinesische Straße sichtbar. Wir hörten eine barsche Stimme aus China, nix wie weg!

Die Dämmerung senkte sich zu rasch und so fuhren wir die letzte halbe Stunde im Dunkeln, keine schöne Erfahrung bei den Straßen/teilw. Pisten. Endlich erschienen die rettenden bunten Neonlichter von Dong Van!

Die Mopeds trugen uns über den Ma Pi Leng Pass und über Meo Vac nach Du Gia. Malerisch.

Du Gia ist noch ein sehr uriges Bergdorf. Bis auf genau eine Bar und einige Homestays ist alles beim Alten. Eine Familie grillte einen Schweinekopf, überall gab es Nudeln und Reis, es gab keine Gehwege oder Straßenbeleuchtung und die Menschen schleppten Körbe und Säcke, die wir wahrscheinlich kaum anheben könnten. Wir schliefen in einem Homestay (Einheimische bieten Schlafplätze in Hostelqualität bei sich zuhause an).Winddichte Räume, Heizungen oder gar zugezogene Türen sind Mangelware. So bestellten wir in der einzigen Bar statt günstigen Cocktails heiße Schokolade mit Rum. Die Barbesitzerin überließ uns für geschlagene 20 Minuten ihre Bar, um Gäste abzuholen. Wir waren die letzte Stunde die Einzigen gewesen und hatten noch nicht mal bezahlt. Als sie endlich wieder kam, bekamen wir Mitarbeiterrabatt.

Um 6 Uhr wurden wir von scheinbar in Todesangst quiekenden Schweinen geweckt, es war Samstagmarkt. Aus allen Bergdörfern strömten die Leute nach Du Gia, um Ferkel, Hühner, ganze Rinder, Hundewelpen, bunte Stoffe, Kleidung, Werkzeug rohes Fleisch und andere Lebensmittel zu erwerben. Die Trachten der Frauen waren sehr verschiedenen doch allen gemein war das bunte. Die Männer trugen lediglich gedeckte Hosen und Jacken. 

Unsere Route über Ban Loan verwarfen wir. Wenn selbst die Einheimischen diese Strecke aufgrund der Straßenverhältnisse meiden, muss sie grausam sein. Die 40 Km längere Ost-West-Verbindung brachte uns zurück nach Ha Giang. 111 Km maß die Strecke, die bis dato längste Etappe. Blöd nur, dass bei Cerina nachts um 5 Uhr starke Magen-Darm-Probleme eingesetzt hatten. Doch da war noch Luft nach unten. Mitten im Nirgendwo, das nächste Dorf 30 km entfernt, hatte Cerina wieder einen platten Hinterreifen. Auch von den Kamikaze LKWs und Bussen keine Spur, die das Moped Huckepack hätten nehmen können. Sie fuhr 1-2 km auf der Felge und dann erschien eine Bergsiedlung! Gleich die erste Behausung war eine Werkstatt. Jetzt wurde auch der Übeltäter mit entfernt, ein kleiner spitzer Span im Reifen. Diesmal hat die Reparatur ganze 2,30 €, inklusive neuem Schlauch, gekostet!

Zurück am Anfangsort Ha Giang hatten wir endlich mal eine Unterkunft mit angenehm weichen Matratzen. Bisher hatten wir in Vietnam nur steinharte Matratzen, die den Körper vielleicht 1 mm einsacken ließen. Wir schliefen lange und wachten erholt auf.

Spontan fuhren wir zu einem Wasserfall, entspannten auf der Wiese davor und fuhren dann zu einem offiziellen chinesischem Grenzübergang. Letzterer war entgegen der Aussage unseres Gastgebers überhaupt nicht interessant. Aber wir konnten nochmal nach China rübergucken. Wir gaben die Mopeds wieder ab, waren glücklich, dass wir alles unbeschadet überstanden hatten und waren mit dem Trip sehr zufrieden.


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Kommentare

Ivonne
Mitarbeiterrabatt!!!👍🤣 Tolle Landschaftsbilder!

Lowea
hatte sie zunächst abgelehnt und war dann doch zu faul um den größeren Schein zu wechseln😅

Dinge, die du vor Ort erleben kannst: