Veröffentlicht: 28.10.2018































Servus!
111 Tage ist es nun her, seit wir den letzten Blogeintrag online gestellt haben. Über drei Monate, in denen Vroni und ich gearbeitet haben um unsere Reisekasse aufzufüllen. Wie Du weißt ist der Arbeitsalltag nicht so spannend um alle paar Wochen etwas darüber zu schreiben. Nichtsdestotrotz möchte ich es mir nicht entgehen lassen, Dir meine Erfahrungen in einem australischen Milchviehbetrieb zu schildern. Während Vroni im schönen Perth wohnt und arbeitet bin ich ins über 200 km südlich gelegene Capel gezogen um dort auf einer Dairy Farm zu arbeiten. Zuerst einmal sind die Dimensionen "etwas" anders, als wir das von Bauernhöfen in der Heimat kennen. Mir war bewusst, dass ich in Australien definitiv nicht auf diese Art der Landwirtschaft treffen würde - hier ist ja alles ein bisschen größer als in Deutschland.
Als ich Mitte Juli startete erwarteten mich 2.500 Rinder: Milchkühe, Kälber, Jungrinder, Färsen und Mutterkühe. 900 Milchkühe werden zweimal am Tag gemolken - circa 22.000 Liter Milch werden allein auf dieser Farm jeden Tag produziert. Melken war jedoch nicht mein Job - ich arbeitete mit zwei Kollegen im Kälber-Team: Unsere Aufgabe war es uns um die über 264 Kälber zu kümmern. Jedes neugeborene Kalb wurde zuerst in den "Dome" (eine portierbare Viehkuppel) gebracht, wo es ca. zehn Tage bleibt bis es mit gleichaltrigen Kälbern ins Außengehege kommt. Neugeborene werden zuerst mit Kolostrum per Hand gefüttert bis sie anschließend an Zitzeneimer gewöhnt werden. Alle Kälber werden zweimal am Tag gefüttert. 900 Liter Milch haben wir somit Tag täglich für die Kälberfütterung aufbereitet. In der Hochsaison waren 13/14 Stunden pro Arbeitstag die Regel. Nach dem Motto: "Sleep, eat, shit, repeat" habe ich so meine bis zu 86 Arbeitsstunden pro Woche hinter mich gebracht. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen meinen Freunden entschuldigen, die teilweise immer noch auf eine Rückmeldung warten. Um ehrlich zu sein entsprach das Motto dem Alltag - außer essen, duschen und schlafen habe ich nichts anderes zwischen den Arbeitstagen gemacht. Trotz der Umstände hat mir die Arbeit auf der Farm sehr viel Spaß bereitet! 90% des Tages habe ich unter freiem Himmel verbracht - was in den australischen Wintermonaten mit viel Regenschauern verbunden war. Und auch wenn ich hin und wieder an meinen komfortablen, trockenen Bürostuhl gedacht hab, den ich gegen dieses Abenteuer eingetauscht hab, würde ich auf keinem Fall tauschen wollen. Es war eine wunderbare Zeit! Das Einzige, was ich wohl nicht vermissen werde, ist der Geruch meiner Arbeitskleidung. ;-)
