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Einmal Zentralamerika to go, bitte! - Dana und Julian berichten

Belize #1 - Caye Caulker


Abgesehen davon, dass man uns die mexikanische Tourismussteuer gerne ein zweites Mal berechnet hätte, ist unser erster terrestrischer Grenzübergang sehr unproblematisch verlaufen.

Für die erste Nacht im dritten Land sind wir in der grenznahen Stadt Corozal bei Couchsurfer Lucas untergekommen. Bei einem abendlichen Spaziergang hat er sich mit Freude unseren zahlreichen Fragen zu Belize gestellt und uns somit den perfekten Einblick in das Land ermöglicht.


So erzählte er uns mit seiner weltoffenen und sehr belesenen Art nicht nur von Belizes Vergangenheit als Kolonie der britischen Krone und der engen Beziehung zu Jamaika, sondern erklärte uns auch warum Guatemala seit Jahren Anspruch auf Belize erhebt. 

Als Mitglied des Commonwealths findet sich auf Banknoten und Münzen des „Belizian Dollars" noch immer das Gesicht der Queen. Denn einzig Belize musste England Ende des 18. Jahrhunderts nicht an Spanien abtreten.


Da Belize damals über die ebenfalls britische Kolonie Jamaika regiert wurde, nahm es als kleinerer Bruder große Ähnlichkeiten an. Für uns hat sich das besonders im karibischen Slang-Englisch, der angeheiterten Stimmung und dem enormen Cannabiskonsum bemerkbar gemacht. „Don't be shy to say ‚hi' – don’t be shy to get high" – mit diesem speziellen Humor wurde uns häufig begegnet. 

Die Spuren der Kolonialbeziehung sind jedoch in beiden Ländern noch zu finden: So werden die Brexitverhandlungen im famosen englischen Unterhaus auf feinstem belizischen Mahagoniholz ausgetragen. 

Lucas erzählte uns viel von den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, die das heutige Belize ausmachen. Die aus umliegenden Ländern eingewanderten Mestizen (Mischung Indianer und Weiße) machen heute den größten Teil der Bevölkerung aus, gefolgt von den dunkelhäutigen Kreolen (Mischung Afrikaner und Weißer), welche als Sklaven in dem Karibikstaat gebracht wurden. Die Maya stellen als ursprüngliche Bewohner Mesoamerikas immerhin noch die drittgrößte Bevölkerungsgruppe. Bei den weiteren kleinen Bevölkerungsgruppen wird es dann wirklich sehr spannend: Beispielsweise sind die sogenannten Garifuna versehentlich auf St. Vincent gestrandete Westafrikaner, welche sich dann mit den dortigen Kariben vermischt haben.

Da Lucas in seinen Vorfahren alle möglichen Ethnien findet, musste er lange überlegen, als wir ihn fragten zu welcher Ethnie er sich zugehörig fühle. 

Caye Caulker

Trotz all der tollen Gespräche mit Lucas stand am nächsten Morgen die Weiterreise an:

Da Belize sehr teuer ist wollten wir hier nur eine Woche verbringen und haben uns als einziges größeres Ziel die Karibikinsel Caye Caulker (gesprochen Kii Koker) gesetzt. Also machten wir uns vormittags auf nach Belize City, von wo aus nachmittags die Fähre auf die Inseln ablegten.


Caye Caulker ist die Symbiose aus Karibikflair und Tauchparadies. Das Motto der Insel lautet „Go slow“ und tatsächlich packte uns, kaum hatten wir die Fähre verlassen, ein Gefühl der totalen Entschleunigung:

Karibikflair

Es gibt weder asphaltierte Straßen noch Autos. Stattdessen tuckert selbst die Polizei nur auf Golfkaddies über die Sandwege. Zwischen den bunten Holzhäusern wiegen und rascheln die Palmenblätter im seichten Wind und von der nächsten Cocktailbar ertönen Reggae Covers aller denkbaren Genres.


Darüber hinaus versuchen Rastermänner an jeder Straßenecke ihr Gras an den Mann zu bringen, selbst die Straßenhunde schienen merkwürdig rote Augen zu haben. Würden nicht überall Belizeflaggen hängen, könnte man meinen man wäre auf Jamaika. 

Tauchparadies

Doch nun zur Unterwasserwelt, dem primären Bewegrund unseres Besuches.


Auch Belize hat Anteil am zuvor erläuterten Mesoamerikanischen Riff (hier Belize Barrier Reef), jedoch gibt es hier eine weitere Besonderheit, die Belize wohl zu dem Tauchland Nummer Eins der amerikanischen Kontinente macht: 

Drei Bootsstunden von Caye Caulker entfernt liegt das Great Blue Hole, welches in Tauchermagazinen und auf Websites häufig als einer der weltbesten Tauchspots gehandelt wird. Aus geologischer Sicht war es wohl mal eine Cenote, welche inzwischen unter der Meeresoberfläche liegt. Aus der Luft scheint sich inmitten des türkisenen Meeres ein scheinbar perfekt symmetrisches, dunkelblaues Loch mit einem Radius von über 300 Metern aufzutun. 

Unzählige Touristen verbringen ihren Jahresurlaub in dem kleinen Karibikstaat, um einmal im weltberühmten Great Blue Hole zu tauchen oder den unrealen Anblick während eines Rundfluges zu bestaunen. 

Durch die wohlhabenden Touristen und der hohen Beliebtheit an der sich die Inseln erfreuen, sind derartige Aktivitäten enorm kostspielig und somit außerhalb unseres Budgets. Um dennoch einen Einblick in die famose Unterwasserwelt zu bekommen entschieden wir uns für den Luxus des kleinen Mannes; eine ganztägige Schnorcheltour auf einem Segelboot durch das Hol Chan Marine Reserve. 

Schnorcheltour

Und tatsächlich, wir bekamen an mehreren Stopps das zu sehen, was man normalerweise nur mit Glück beim Tauchen findet.


Die enorme Artenvielfalt blieb uns nicht lange verborgen: Bereits an unseren ersten Stopps bekamen wir Tarpune, verschiedene Rochenarten, Meeresschildkröten und sogar eine Seekuh zu sehen.


Adlerroche

Dann kamen wir wohl zum Highlight der Tour: Shark Ray Alley. Und plötzlich, wie auf Kommando, war unser Boot von sich tummelnden, bis zu vier Meter langen Ammenhaien umgeben.

Im nächsten Moment bekamen wir auch schon unsere Schnorchel in die Hand gedrückt. „Remember you don't have to be faster than the shark, just be faster than your buddy" scherzte unser Tourguide als wir ins Wasser sprangen. Noch nie zuvor hatten wir derartig große Meereslebewesen gesehen, geschweige denn ihr Habitat betreten. Ein Gefühl aus Ehrfurcht und Faszination machte sich in uns breit.

Am Tag zuvor hatten wir von einem Fachmann gelernt, das man vermeintlich harmlose Haie unter anderem daran erkennen kann, dass sie mehrere kleine Rückenflossen haben. Tendenziell gefährlichere Haie haben nur eine große Rückenfinne.

Auch wenn ihre Größe und Erscheinungsbild einschüchternd wirkt, gelten Ammenhaie, solange man sie nicht provoziert, als absolut ungefährlich. Sie haben keine Zähne sondern nehmen ihre Nahrung saugend auf. Die zutreffende Unterscheidung nach den Rückenflossen wurde somit schnell redundant.

Im Wasser haben die Haie uns gemieden, als wir uns jedoch etwas von der großen Schnorchelgruppe entfernten, konnten wir uns zwei kleineren Tieren bis auf wenige Zentimeter annähern – unglaublich spannend!


Von Reggaemusik begleitet segelten wir zu einer weiteren Station, dem sogenannten „Coral Garden“. Nahe der Wasseroberfläche bot sich uns hier die verblüffend farbenfrohe Unterwasserwelt.

Neben zahlreichen Korallen in allen erdenkbaren Formen macht diverse leuchtende Fische das bunte Treiben perfekt. Die riesigen Korallenformationen ragten wie eine Felsenlandschaft zu uns empor.


So lange es uns ein Atemzug erlaubte, konnten wir an den Grund in eine kleine Höhle tauchen. Zu gerne hätten wir den ganzen Tag dort verbracht…

Alles in allem war die Schnorcheltour ein absolutes Highlight unserer Reise, unglaublich was wir an einem Tag alles zu sehen bekommen haben. Jedoch muss auch gesagt werden, dass auch wenn sich die seriösen Touranbieter heute stark davon distanzieren, besonders die Haie in der Vergangenheit für die Touristen angefüttert wurden. Über die Jahre wurden die Tiere darauf konditioniert, den Kontakt zu den Booten zu suchen, was natürlich kein natürliches Verhaltensmuster ist. 

Unser Alltag auf Caye Caulker

Um unser Budget nicht zu sehr zu belasten, hatten wir hier mit 16 Betten das größte geteilte Schlafzimmer unserer bisherigen Reise.

Besonders die englischsprachigen Nationen sind auf der Karibikinsel sehr stark vertreten. So wurde unser Hostel komplett von trinklustigen Irländern und Australiern dominiert, welche uns an einem Abend eine Einführung in ihre Feierkultur gaben.

Da Caye Caulker paradoxerweise keinen Badestrand hat, gibt es leider abgesehen von den hochpreisigen Tours nicht viel zu tun. So geben sich die meisten Touristen tagsüber einfach nur dem Rum und dem entspannten Vibe an einer der Bars wie dem „Lazy Lizard" hin.

Während unseres Aufenthalts hat das Wetter perfekt mitgespielt. An allen vier Tagen wurden wir Zeugen malerischer Sonnenuntergänge. 

Wenn wir nicht mit einem ausgeliehenen Kajak über das feurig leuchtende Wasser in Richtung der untergehenden Sonne gepaddelt sind, haben wir unsere Abende am „Iguana Reef Inn“ verbracht.


Denn hier beginnt, wenn sich erste Orangetönen am Himmel abzeichnen, auf einem Steg die Fütterungszeit. Eine wahre Flugshow boten uns die frechen Pelikane: Um von den Fischerjungen den einen oder anderen Fisch zu ergattern zischten sie knapp über unsere Köpfe hinweg und, wenn es sein musste, zwischen uns hindurch. Im Wasser um den Steg herum versammelten sich riesige Stachelrochen, weitaus größer als eine Familienpizza.


Und so wurden wir, umgeben von hungrigen Tieren, Tag für Tag Zeugen des Farbspektakels wie der rote Feuerball ins Meer taucht.


Nach vier Nächten wurde es dann jedoch Zeit für die Weiterreise: Von Caye Caulker aus ging es über Belize-City und die Hauptstadt Belmopan nach San Ignacio. Hier verbrachten wir eine Nacht, um uns am nächsten Tag auf nach Guatemala zu machen. 

Fazit Belize

Auf Caye Caulker haben wir schöne und vor allem sehr entspannte Tage verbracht, jedoch hätten wir aufgrund der hohen Preise und begrenzten Möglichkeiten nicht viel länger bleiben wollen. Generell scheint die Insel etwas im Schatten ihres extrem guten Rufs zu stehen.


Jedoch hat für uns eine Tour durch Belizes Unterwasserwelt gereicht, um Träume zu erfüllen und neue Perspektiven zu schaffen. Noch nie haben wir das Meer so lebhaft erlebt und eine so große Varietät an Fischen und Korallen gesehen, und das ohne richtig abzutauchen!


Vor allem bleibt wohl die erste Haibegegnung unvergesslich. Spätestens ab hier ist unsere Begeisterung fürs Schnorcheln endgültig entfacht und wir wollen trotz unseres minimalistischen Besitzes die Schnorchelausrüstung nichtmehr missen. Belize hat uns ganz neue Horizonte geschaffen!


Die Belizianer werden uns besonders durch ihren erfrischenden Humor und ihr karibisches Slang-Englisch in Erinnerung bleiben: „Got a tail of a whale or a whale of a tale?“ – Hast du einen Fisch gefangen oder erzählst du nur Märchen?

Nach allem was wir hier erlebt haben können wir uns dem berühmten Slogan „You better Belize it“ nur anschließen. Was auch immer genau damit gemeint ist, es stimmt. 

Saludos!

D&J 

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