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Krypta in Stift Marienberg

Veröffentlicht: 24.10.2019

Heute Morgen sind wir zur einmal in der Woche stattfindenden Führung durch die Krypta im Benediktinerstift Marienberg aufgebrochen.Im Kloster wurden wir an der Museumspforte von Pater Anselm abgeholt, einer der 10 Mönche, die aktuell im Kloster leben. 


Mit uns unterwegs waren ca. 15 Interessierte.Und auf ging es durch modern gestaltete Gänge abwärts. Rechts von der Marienkapelle war der Zugang zur Krypta. Es war deutlich kühler als draußen, und dort war es auch nur 13 Grad...In der länglichen Krypta (ca. 3,6 m x 11 m) gab es eine große mittlere Apsis (ist das hier das richtige Wort?), in der sich der Altar befindet und zwei seitliche Gewölbe. 

Da man in der Krypta nicht fotografieren konnte, habe ich aus einem Buch Fotos abfotografiert (@Benedikt: Danke!). Auf dem Foto ist die Krypta noch ohne Altar und Bestuhlung.


Hinter dem Altar gab es entlang der halbrunden Außenmauer eine Metallbank, die - Gott sei Dank - mit einer schützenden Filzauflage versehen war.Die hochromanischen Fresken an dem Deckengewölbe waren fast mit den Händen zu erreichen und hatten eine sehr intensive Farbigkeit. 


Pater Anselm (übrigens kenne ich jetzt den Unterschied zwischen Pater und Frater...beide leben im Kloster, der Pater ist aber ein geweihter Priester, der Frater nur ein "normaler" Klosterbruder) hat uns ca. 1 Stunde wirklich sehr interessante Details zur Entstehung, den Besonderheiten, der Farbbedeutung und der Symbolik erklärt. Er hat alles frei erzählt und man merkte deutlich, wie das alles durchlebt war.Mich haben natürlich die gestalterischen Einzelheiten interessiert:Warum sind die Figuren so in die Länge gezogen?


Warum gibt es Engel mit 6 Flügeln? Was bedeuten die Hände an den Flügeln?


Warum stehen manche Engel auf einem Podest (pedestra)?Was bedeuten die Farben und aus welchen Bestandteilen sind sie? 

Pater Anselm hat uns hierzu die Farbe Blau (Lapis) erklärt, die eigentlich weiß ist und erst durch eine chemische Reaktion blau wird.

Was haben die bandartigen Verzierungen im Haar der Engel zu bedeuten?Was bedeuten die Linien auf den Flügeln der Engel?


Es war erstaunlich, Pater Anselm konnte alle Fragen umfassend beantworten. Und kurzweilig war es noch dazu. Zu vielen Einzelheiten konnte er die Bezüge zur Bibel herstellen, man merkte ganz oft, wie beseelt er von diesen Fresken ist.Sehr erstaunlich war, dass ein großer Teil der Fresken fachmännisch von einem ehemaligen Abt restauriert worden war. Als dann die Profis übernommen haben, wurden die Fresken schwer beschädigt. Die gingen nämlich mit Hammer und Meisel zur Sache, und der Putz inkl. Bemalung bröckelte von der Wand. Man konnte das Unverständnis in der Stimme von Pater Anselm an dieser Stelle deutlich hören...Bis 1980 war ungefähr die Hälfte der Krypta zugebaut mit Gruften verstorbener Mönche. Die Gruften wurden abgebaut und die Überreste auf dem Friedhof bestattet, damit die zugebauten Fresken sichtbar gemacht werden konnten. Diese Fresken sind heute die am besten erhaltenen in der Krypta. 

Oben auf dem Bild mit der teilweisen Deckenansicht kann man die horizontale Linie erkennen, bis wohin die Gruften die Malerei verdeckt haben.

Nebenbei erzählte Pater Anselm, der auch für den Klostergarten zuständig ist und die 12 Bienenvölker versorgt, über das Leben im Kloster und wie man als Mönch lebt. Es war für mich sehr spannend, das live zu hören. Wir haben nämlich in unserem Haus ein Bücherregal, in dem es ein wunderbar layoutetes Buch über das Kloster Marienberg gibt:


Und das hatte ich natürlich in den letzten Tagen schon durchgeschmökert...Lesewetter gab es ja genug...


Nach der Führung, die wirklich ein besonderes Erlebnis war, habe ich im hochmodernen Klostercafe (Holz und Glas) einen sehr leckeren Zitronenverbenentee getrunken (wahrscheinlich aus dem Klostergarten). 


Außerdem haben wir uns im Kloster-Shop mit ein bisschen Literatur eingedeckt. 

Den Besuch in der Krypta können wir wirklich empfehlen! Von März bis Ende Oktober immer Donnerstag um 10:30 Uhr. 

Danach haben wir leckere Spinatknödel zubereitet und mit Leberkäse als Mittagessen verdrückt.Dann ging die kulinarische Tour zum Metzger in Mals, die Internetseite versprach Südtiroler Spezialitäten. Und ich war auf der Suche nach Coppa (Schweinenacken geräuchert). "Leider" gab es keinen Coppa mehr, wir haben dann in der Not schon mal geräuchertes Schweinefilet und Hirschwurzen mitgenommen. Schmeckt ja auch gut! 

Und weiter gings in die Saunalandschaft in Mals, hier hatten wir mit unserer Gästekarte freien Eintritt. Hier haben wir einen ganz außergewöhnlichen Aufguss erlebt, eine "Luftreise". Als erfahrene Saunagänger haben wir schon allerhand erlebt, aber der Ritschie hat mit seinem Handtuch und suppenkellengroßen Eiskugeln auf dem Saunaofen eine hochästhetische, fast tänzerische Darbietung geboten, bei der man fast die Zeit und die immer heißer werdenden Temperaturen vergessen hätte! Wunderbar entspannt war uns der mal wieder einsetzende Regen eine willkommene Erfrischung.Und mal ehrlich: wenn man bedenkt, dass in Italien an mehreren Orten die Unwetter nicht abreißen, können wir uns hier ja gar nicht beschweren! 

Wir schicken euch liebe Grüße aus Südtirol!  

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