Vier Reifen und zwölf Pfoten
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Ein Katzensprung nach Almeria

Veröffentlicht: 03.02.2022

#11 Almeria

Nach drei Tagen Erholung wagen wir uns heute an den ersten Ausflug – 10 Kilometer nach Almeria. Wir wollen nach unserem 3.000-Kilometer-Ritt klein anfangen …

Almeria ist eine Hafenstadt und wurde gegen Ende des ersten Jahrtausends von Arabern errichtet, wovon heute noch die vielen engen Gassen, weißen Häuser und die langen Palmen-Alleen Zeugnis geben.

Über der knapp 200.000 Einwohner zählenden Stadt thront eine riesige Festung namens Alcazaba. Mit ihrem Bau wurde 955 von den Arabern begonnen und irgendwann bauten die Christen weiter, ehe dann 1522 ein schweres Erdbeben vieles wieder zum Einsturz brachte. „Die Restaurierungsarbeiten dauern bis heute an“, weiß Wikipedia. Da feiern wir dieses Jahr glatt ein Jubiläum: 500 Jahre Restaurierung von Alcazaba – vielleicht greift der örtliche Tourismus-Direktor die Idee ja auf. Apropos Restaurierung. Vor unserem Haus werden die Pflastersteine unseres Gehwegs neu verlegt. Ich vermute, die beiden Arbeiter sind von der Alcazaba ausgeliehen. Aber im Ernst: Ich glaube, die Menschen hier müssen ihr Tempo den klimatischen Bedingungen anpassen. Schon im Mai klettert das Thermometer auf über 30 Grad und erreicht im August Werte weit jenseits der 40 Grad. Da ist selbst die kleinste Bewegung eine Überlegung wert. Diese Entschleunigung, diese Bedächtigkeit ist überall zu spüren. Ich finde das wunderbar.

Almeria ist berühmt durch seine reiche Kneipenkultur. Wir haben großes Glück bei der Parkplatzsuche mit unserem Wohnmobil: Im Umkreis von zehn Metern drängen sich sechs, sieben Restaurants, Bars und Cafés. Wir sind noch nicht ausgestiegen, als von der Seite ein leises Flüstern in meine Ohren krabbelt: „Ich glaube, mich plagt ein kleines Hüngerchen.“ Icke, na klar! Fünf Schritte in Almeria getan, und schon sitzen wir in einer Kneipe. Unsere Wahl fällt auf das Menü des Tages. Der Ober spricht kein Wort Englisch und so wird es wieder mal eine Überraschung. Zuerst eine kalte Gemüsesuppe mit Eiern und Speck – die ist gar nicht Ickes Fall – und dann ein Gemisch aus Reis, Kartoffeln, Fisch und Ei, das ganz gut schmeckt. Der Nachtisch sind Waffeln aus Blätterteig, die in einem Berg aus Sahne versteckt sind. Und das alles schwimmt auf einem Meer aus flüssiger Schokolade. Es schmeckt traumhaft, auch wenn es den Kalorienbedarf für eine Woche deckt – den eines Straßenarbeiters im Hochsommer.

Almeria ist wunderschön. Viel grün, historische Bauten, einladende Geschäfte. Aber wo es viel Sonne gibt, ist der Schatten oft nicht weit. Wir sehen viele arme Menschen, die mit ihren sieben Sachen auf der Suche nach einem Platz für die Nacht durch die Straßen ziehen. Am Rand der Stadt sehen wir vereinzelt riesige Gewächshäuser, die Ausläufer eines Plastikmeers, das Almeria umgibt. Oben auf dem Bildschirmfoto könnt ihr an den weißen Flächen erkennen, welche Ausmaße diese Art der Landwirtschaft angenommen hat. Die Region umfasst heute 350 Quadratkilometer – das sind 35.000 Fußballplätze! – und gilt als der Gemüse- und Obstgarten Europas: Millionen Tonnen von Tomaten, Paprika, Gurken, Avocados oder Erdbeeren werden exportiert – ein Drittel davon nach Deutschland. Die meisten der heimischen Tier- und Pflanzenarten sind ein Opfer dieser Entwicklung geworden. Schwierig, hier vor so viel Schatten noch die Sonne zu sehen … 

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