2017 VespamerikasuR 2019
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Zuletzt in Montevideo

ab 04.02.: Puerto BIENdonado?

Veröffentlicht: 06.02.2018

04.02.

jose, der senor des hostels marquay friends, bringt mich mit seinem neu erworbenen kia sportage zum flughafen.
er hält sein versprechen, dass wir um halb 7 da sind.
ich möchte nicht wissen, wieviel liter dieser suv im stadtverkehr und bei dieser fahrweise verbraucht.

es ist noch zeit für zwei croissants und einen capucchino.
alles verläuft nach plan.

fast.

wir sind startklar. die türen sind geschlossen, die triebwerke dröhnen in höheren umdrehungen, doch dann werden sie wieder runtergefahren.
die tür vorne öffnet sich und signalrot bekleidete sicherheitsleute verschwinden im cockpit...

mit etwas verspätuung macht der kleine city-liner seine schleife über dem pazifik, um dann nach osten einzuschwenken.

neben mir sitzt dieses mal eine recht pralle mitvierzigerin, die sowohl den fußraum, als auch die armlehne für hautkontakte zu nutzen weiss. mein unwilliger blick und eine energische bewegung meines linken arms wirken nachhaltiger, doch nicht von dauer.

ich habe meine stöpsel im ohr und nicke bei schöner musik ein.
doch dann weckt mich der sich verändernde klang der triebwerke.
der flieger beginnt seinen landeanflug.
ich schaue auf die uhr und wundere mich, weil es noch viel zu früh dafür ist. ich kann draußen aber nichts erkennen, weil wir über den wolken sind. ich sehe die noch unverschneiten bergkuppen der anden.

ich schlafe wieder ein und wache erst wieder auf, als das fahrgestell ausfährt. mit verwunderung erkenne ich den pazifik unter mir. im ersten moment und ohne blickkontakt nach draussen dachte ich, dass eine zwischenlandung in cusco ansteht.
weit gefehlt. wir sind wieder in lima, das wasser und die militärschiffe nähern sich bedenklich.
als endlich der küstenstreifen in erscheinung tritt, setzen wir wenig später sicher auf und erreichen wieder unsere parkposition.

warum das alles?

die ohrstöpsel haben mir den zugang zu einer ansage des piloten verwehrt, so dass ich jetzt nur abwarten kann, was als nächstes geschieht.

es dauert bestimmt eine halbe stunde, bis wir aussteigen dürfen.
es wird unruhig in der kabine, kinder quengeln, auf smarties werden videoclips abgespielt.

der bus wartet. ich steige als letzter aus, um von dem flugbegleiter zu erfahren, warum wir wieder in lima sind.
seine lapidare antwort und der unternehmensseitigen sprachregelung entsprechend lautet nur:
mantenimiento - wartungsarbeiten.
die seien doch schon vor beginn unserer starts erfolgt?
professionelle freundlichkeit als antwort.

bis der bus die freigabe hat, zurück zu den gates zu fahren dauert es noch, aber dann befinden wir uns wieder am gate 34 und nehmen dort unsere plätze ein. jeder von uns bekommt eine starperu-karte, die uns später wieder den zutritt zum flieger ermöglichen soll.
wir warten anderthalb stunden und werden mit cola, sprite und sandwiches versorgt.

zwei stunden später kommt der aufruf. ohne weitere verzögerung sind wir wieder am flugzeug. es ist dieselbe maschine, die nun nicht mehr das volle vertrauen genießt.

anderthallb stunden später landen wir unversehrt in puerto maldonado.
nach knapp einer halben stunde treffe ich im hostel ein.
ein wiedererkennender blick und nach kurzer verhandlung der gewohnte zimmerpreis.

ein donnernder, aber kurzweiliger starkregen erinnert mich daran, dass ich wieder in den tropen bin.

eine lange siesta, etwas blog korrigieren, ein abendessen - mehr geschieht heute nicht mehr.

auch im restaurant stellt sich fast ein gefühl des nachhausekommens ein.
ich wäre längere zeit nicht da gewesen?

ich erzähle von lima und der eigenwilligen vepse.

05.02.

der tag heute gehört der tourenplanung.

langsam beginnt der countdown. rund 6.400 km liegen noch vor mir.

die kirche von puerto maldonado. licht- und luftdurchflutet. aber die eternitplatten heizen kräftig ein.

in den anden gab es in sachen straßenqualität und wetterkapriolen keine planungssicherheit.
auf der tour durch das amazonasbecken könnten mir die regenzeit und über die ufer getretene flüsse den zeitplan verhageln.

gut gerechnet möchte ich am 20. märz in sao paulo ankommen und nach ca. 10 tagen pause am 21. april montevideo in uruguay erreichen.

die etappen bis dorthin sind bis auf zwei oder drei "zacken" gut gerechnet. 223 km pro tag.

gut vier wochen später wird mein frachter den hafen verlassen.

06.02.

manana por la tarde a las seis- morgen nachmittag um 6 uhr, sei die vepse in puerto maldonado. gestern erst habe sie lima verlassen.

ich bin schon etwas verärgert über diese lapidare antwort auf meine frage, wo ich die vepse auf dem gelände der aragon-spedition fände. schulter zucken, keine entschuldigung.

so werde ich erst am freitag starten können.

den vormittag habe ich heute auf dem zollamt verbracht, da von la balsa, dem grenzübergang von ecuador nach peru immer noch keine antwort eingetroffen ist.

ich solle morgen zur bank gehen und 100 soles einbezahlen, dann könne die vepse noch weitere 48 stunden im land bleiben.
das wird sich jetzt um zusätzliche 24 stunden verzögern. sicherheitshalber werde ich mich aber morgen noch einmal beim zoll melden.

golden gate in puerto maldonado

mucho calor höre ich heute immer wieder. ja - es ist wirklich sehr heiss. knapp 40°.
ich bin trotzdem etwas verwundert, weil die einheimischen doch solche temperaturen gewöhnt sind.
mein hostelsenor, der dank seines übergewichtets besonder betroffen ist, hängt mehr, als dass er sitzt über der rezeptionstheke.
zu einer begrüßung ist er kaum imstande.
seit sonntag hat es nicht mehr geregnet.
soll tatsächlich der jahreskalender recht behalten, dass im januar die stärksten regenfälle zu erwarten waren? mir wäre es recht.

trotz der hitze arbeite ich mein programm ab. es gibt hier große bunte einkaufstaschen, die ich für das gepäck in den seitenkoffern benötige.
der reservekanister - 2 galones - ist auch besorgt, die motorradhose ist wie neu und meine haare wieder kurz.

morgen werde ich noch auf dem mercado einen poncho besorgen, damit ich auch bei starkregen weiterkomme.

ja mach nur einen plan und sei ein großes licht
und mach nur einen zweiten plan
gehn tun sie beide nicht...
aus b.brechts ballade von der unzulänglichkeit menschlichen planens (1928)

07.02.

gehn tun sie beide nicht...

jueves, media dia - freitag mittag ist die antwort der sachbearbeiterin auf meine frage, ob die vepse schon da sei.
ausdruckslose miene...

unfassbarkeit auf meiner seite, die der recht geringen emotionalen beteiligung der sachbearbeiterin nichts entgegenzusetzen hat.
während sie in meinem auftrag die muttergesellschaft in lima anruft, spielt sie gelangweilt mit der tackermunition, die vor ihr liegt.
sie wiederholt mechanisch den neuen ankunftstermin.

der lkw sei unterwegs. er sei gesternabend losgefahren.

das hat sie mir auch schon gestern erzählt. machtlosigkeit pur.
es sind nur erfüllungsgehilfen an den schreibtischen.
die entscheidungsträger verstecken sich hinter ihren ämtern.
das wort hat nur wenig gültigkeit.

suv-herbie mit ersatzreifen im motorraum und mit nummernschild auf dem dachgepäckträger
ich verlasse auf deutsch laut fluchend ihr büro. andere kunden schauen mich entgeistert an.
zum glück können sie nicht verstehen, was da über meine lippen kommt.

bleibt nur der satz: nützt ja nix.
in der tat.

majestätisch: der rio madre de dios

jetzt macht sich die filmrolle des kopfkinos selbständig:
vier dinge müssen hier ankommen.
wie leicht kann es bei der arbeitsweise und zuverlässigkeit passieren, dass die seitenkoffer und der karton mit dem zubehör entweder schon in lima geblieben sind oder unterwegs vergessen wurden.

ich kann mich bald mit den zollbeamten duzen. heute war ich das dritte mal da, um die frist für die vepse zu verlängern. morgen werde ich wieder dort erscheinen und auf die frage, ob ich bezahlt habe, erneut die antwort geben, dass die vepse immer noch nicht da sei.

heute entleert sich der himmel mit aller wucht.
jedesmal frage ich mich, wo ich dann gerade bin.
die temperaturen sind aber jetzt einigermaßen auszuhalten.

der poncho ist gekauft und ebenso ein riesengroßer trichter, damit ich den sprit aus dem 6 literkanister ohne verluste in meinen tank gießen kann.

a ver - mal sehen...

die letzten 6 wochen sind eine zeit der prüfungen. auch die werden bald überstanden sein.

der weberknecht, der seinerseits schon das weit geöffnete badezimmerfenster im blick hat , bemerkt nun eine erschütterung. seine position folgt der gravitation richtung süden...

aber eines der acht beine findet noch halt an der brüchigen emaillestelle.

08.02.

eine erneute verlängerung meines zimmers.
dieses mal bis sonntag. vielleicht das letzte mal?
fragen nach der vepse erübrigen sich.

der zollbeamte, der noch angelernt wird und im gespräch mit einer kundin ist, nickt mir wiedererkennend zu.
er unterbricht das gespräch, um seinem vorgesetzten meine ankunft mitzuteilen.
dieser erscheint kurz darauf. auch ein wissender blick, und ich deute mit meiner hand ein kreuz an.
er versteht, und wir führen unser gespräch im warteraum fort.

erst im nachhinein frage ich mich, ob dieses kreuz nicht erwas despektierlich war?
die peruaner sind sehr gläubig.
ich habe schon öfter bemerkt, dass sich die taxifahrer während der fahrt bekreuzigen. aber zu spät.

mein zollbeamter scheint mit gringos schon seine erfahrungen zu haben und reagiert neutral. er hat wohl verstanden, dass damit eine weitere verzögerung der vepse gemeint ist.
ich solle morgen wiederkommen. er sei aber nicht da. er instruiert seinen azubi, mit dem ich morgen die formalitäten zum abschluss bringen WERDE.

die wettervorhersage behält recht. schon die ganze nacht hat es stark geregnet. puerto maldonado nimmt diese wassermassen mit gelassenheit. die entsorgung klappt ausgezeichnet! in der mitte der fahrbahnen befinden sich ausreichend breite und tiefe gräben, so dass es keine überschwemmungen gibt.
hoffentlich haben sich die braslilianer puerto maldonado zum vorbild genommen.

tagsüber regnet es weiter. so nutze ich die mir geschenkte zeit, um den blog zu korrigieren und mit weiteren metadaten zu versehen.
ich habe mich festgelesen und festgestellt, dass ich einiges wieder vergessen habe.
zur abreise und zur ankunft der vepse in santiago lade ich noch ein paar bilder hoch.

morgen also wird es wieder einmal spannend.

media dia...

09.02.

bis 12:00 uhr ist noch zeit genug.

ich freue mich auf ein ruhiges frühstück bei meinen beiden senoras, die mir schon meine wünsche von meinen augen ablesen.
sogar das tv gerät stellen sie leiser, wenn ich komme.

heute morgen aber empfängt mich lautes gedröhne aus riesenboxen, die nur 5 m weiter von meinem frühstücksrestaurant stehen.
eine verständigung im restaurant ist nicht mehr möglich - zum glück auch nicht nötig.

auf der plaza soll eine veranstaltung stattfinden, und ich hoffe im stillen, dass es sich nur um soundchecks handelt.
dabei habe ich aber vergessen, dass die peruaner der meinung sind, dass über die lautstärke aufmerksamkeit und publikum anzuziehen ist.

trotzdem gelingt es mir, dieses getöse zu absorbieren und mich auf das politdesaster in berlin zu konzentrieren.
gabriel wäre nicht gabriel, wenn er nicht zurückgeschossen hätte. und schulz, der nicht genug von dem süßen honig der macht bekommen konnte, hat jetzt gar nichts mehr. mit eingezogenem schwanz verabschiedet er sich von der politbühne. welch eine schmach für ihn! in brüssel saß er fest im sattel, die bundespolitik hat ihm ein bein gestellt. und er sich selbst auch. durch ungeschicktes verhandeln und durch versprechen, die er nicht halten konnte.
doch eine minderheitsregierung?

ich verabschiede mich von den senoras und gehe mit gemischten gefühlen zur spedition. meine zielpunkte sind zum glück alle fußläufig erreichbar.

das gelände der spedition erscheint mir recht verwaist. kein weinroter supertruck, dessen hecktüren geöffnet sind. keine gabelstapler, die die ware ausladen. keine vepse, die schon irgendwo geparkt ist.

nur die spuren des nächtlichen dauerstarkregens...

al las cinco por la tarde. ich bleibe überraschenderweise ganz ruhig. das liegt wohl auch daran, dass ich schon vorbereitet bin.

ich frage die sachberarbeiterin von gestern - die etwas eingeschüchtert wirkt - ob sie sicher sei und wo der lkw sich befände. ocongate ist ihre antwort nach einem blick in ihren rechner.
das sind noch 8 stunden, geht mir durch den kopf. jetzt ist es 13:00 uhr. in 5 stunden schafft er das nicht. wir sind 8 gefahren. also eher 21:00 uhr? sie nickt erleichtert. das hat sie wohl schon vorher gewusst, wollte aber nicht so direkt damit raus.

ob denn heute abend um 21:00 uhr jemand da sei, damit ich die vepse abholen könne? nein.
somit hat sie mir es selbst überlassen darauf zu kommen, dass ich erst morgen ab 08:00 uhr - wenn überhaupt - die vepse in empfang nehmen kann.

ich frage in einem dringenden ton nach den anderen gepäckteilen und zeige ihr das auftragsformular. ja - nach einem weiteren blick in ihren rechner bestätigt sie mir, dass noch weitere 3 teile mit an bord seien.

kann ich ihr noch glauben????

eigentlich will ich gleich zum zollamt, muss aber vorher noch die unterlagen aus meinem zimmer holen.
dort ist bestimmt siesta, flüstert mir mein innerer schweinehund ins ohr. der nämlich hat mitbekommen, dass ich keinerlei lust verspüre, dort wieder meine zeit abzusitzen. so bleibe ich im hostel mit dem hintergedanken, dass das zollamt heute bis 17:00 uhr da ist.

statt mich durch die laute stadt zu kämpfen - sie tropft immer noch kräftig von den weltuntergangsähnlichen regengüssen der vergangenen nacht - arbeite ich an meinem blog weiter.
was die vepse alles geschafft hat!  das vertrauen zu ihr baut sich auch ohne direktes fahrgefühl wieder auf. und, geht es mir weiter durch den kopf, sie ist bestens erholt und hat noch eine ausgiebige reha genossen.

ich füge weitere bilder ein und strukturiere den etwas wirren anfang, als ich in valparaiso sitze und den blick auf die vergangenen tage in santiago werfe.
auch muss ich unverholen zugeben, dass mich der bestimmte absatz im flugzeug nach der landung in santiago selbst amüsiert.

die zeit geht dahin und auf einmal ist es 16:00 uhr. und erst jetzt fällt mir ein, dass ich ja auch auf die öffnungszeiten der banken angewiesen bin.

mich empfängt ein recht verschlafener zollamts-azubi, der scheinbar von dem securitymann geweckt wurde.
ich kann die frage einfach nicht unterlassen, ob er geschlafen habe. nein, nein, das arbeiten am rechner würde seine augen so anstrengen.

wir kommen zur sache. sehr bald erfahre ich von ihm, dass nur sein chef die dokumente für die neuerliche verlängerung ausdrucken könne. ich werfe noch ein, sein chef habe ihm doch gestern in meinem beisein verhandlungsvollmacht gegeben.
ich vertiefe das thema nicht weiter und frage nach den öffnungszeiten der banken. manana media dia. das ist eine gute nachricht, aber dann legt er nach: einzahlungen seien nur bis heute 15:00 uhr möglich gewesen.
er ist sich seiner sache aber nicht ganz sicher und empfiehlt mir den gang zur bank. ich bitte ihn, dort einfach anzurufen. er habe nicht die nummer. er könne doch im internet schauen. no.
ich nehme ihm das ab und stelle mit bestürtzung fest, dass die telefonnummer der bank dort nicht verzeichnet ist. ich fluche mehr oder weniger laut auf deutsch vor mich hin und er fragt immer wieder que paso?  - was ist passiert?
er erkennt, dass fantasie erforderlich ist und schlägt vor, die einzahlungsmöglichkeiten für morgen - samstag - direkt bei der bank zu erfragen.
er tippt meine nummer in sein handy und ruft mich an. seine nummer ist damit auf meinem smartie gespeichert.
ich solle ihn gleich anrufen. und wenn morgen auch noch bei der bank eingezahlt werden könne, dann würde er dafür sorgen, dass sein chef morgenfrüh hier wäre, um mir das erforderliche dokument auszuhändigen.
dabei grinst er verschmitzt. das erwidere ich und frage ihn, ob er ernsthaft sicher sei, dass das sein chef mache. überzeugtes nicken.

wenig später erfahre ich von der bank, dass erst ab montag wieder eingezahlt werden könne. ich wähle die nummer meines zoll-azubis. ohne erfolg. so gehe ich noch einmal hin, höre aber von dem securitymann, dass der azubi schon im feierabend sei.

ärger über mich und den schweinehund flackert auf. hätte ich doch, wäre ich doch...
und der ärger wäre berechtigt gewesen, wenn der zoll-azubi tatsächlich das geänderte formular hätte ausdrucken können, ich aber wegen meiner generösen zeiteinteilung die einzahlungsfrist bei den banken verpasst hätte. so aber ist alles gut.

ich verbringe den rest des nachmittages mit blick auf die "golden gate bridge" und auf den behäbig dahinfließenden rio madre de dios.
um mich herum herrscht eine ungewohnte stille. peruanische familien mit ihren kids, liebespärchen und singles genießen die nachmittagsstimmung.

ungewohnte stille

nur einmal wird mein frieden unterbrochen, als ein wenig sympathischer mensch sich neben mich setzt, meine herkunft erfragt und nichts besseres zu sagen weiss als hittlerrr und dabei auch noch hämisch grinst. ich gebe ihm mit blitzenden augen zu verstehen, dass ich diesen namen nicht hören wolle und auch nicht bereit sei, mit ihm darüber zu sprechen. er schaut mich unsicher an und lässt mich wenig später wieder allein.

die altvorderen puerto maldonados mit blick in die abendsonne fazit: noch ein weiterer tag im hostel. vielleicht kann ich morgen doch noch zu henrico. vielleicht hat er den passenden dichtungsring für das auspuffrohr. sonntag eine kurze probefahrt und das aufpacken der vepse.
erst am montag kann es weitergehen.das müsste zu schaffen sein. der zoll öffnet um halb neun. um diese zeit werde ich mit gepackter vepse da sein, anschließend zur bank gehen und das ersehnte schriftstück in händen halten. bleibt nur die ungewisse frage, ob die kollegen an der grenze damit etwas anzufangen wissen.

morgen um 10:00 uhr werde ich bei der spedition sein und die vepse in empfang nehmen...

10.02.

keine veränderung.

das gelände der aragon-spedition liegt still und verlassen.
lass es bitte nicht wahr sein. was ist hier los? siesta?
dann wäre das tor aber nicht geöffnet.
langsamen schrittes bewege ich mich auf das büro zu, dessen pforten glücklicherweise nicht verschlossen sind.
es kann einfach nicht sein, dass der lkw immer noch nicht da ist? welchen grund wird dieses mal geben?
unfall? straßensperrung? unter wasser stehende straßen? oder gar ein überfall?

bevor ich in das büro reingehe will ich mich aber noch mit "ruhigem blut" vergewissern und schaue mich in zeitlupe auf dem gelände um.
es kann ja immerhin sein, dass der lkw heute nacht noch neu beladen wurde und jetzt wieder auf dem weg nach lima ist.

und dann sehe ich sie.

auf den ersten blick nicht erkennbar. ihre außenhaut gleicht der stirnwand des unterstandes, unter dem sie steht. verpackt von oben bis unten in ausrangierte pappkartons und zusätzlich noch mit folie eingewickelt.

ja sie ist es. ich erkenne sie an ihrer typischen haltung, wenn sie nicht auf ihrem hauptständer stehen darf. zwar sehe ich nicht die anderen teile, aber das beunruhigt mich noch nicht.
sie sind bestimmt in dem ganzen verpackungswirrwar versteckt.

sie ist wieder da. wohlbehalten

ich betrete das büro, grüße und grinse die dort sitzenden mitarbeiter an - wissend, dass sie meinen vorgestrigen auftritt nicht vergessen haben.
meine sachbearbeiterin sucht in ihren papieren, überreicht mir schweigend meine versicherungsunterlagen und zwei durchschläge des auftrags und verlässt wortlos das büro. ich folge ihr in der annahme, dass sie mich zur vepse führt. sie schlägt einen anderen weg ein, bedeutet mir dann aber, dass sie woanders hin müsse.

bevor ich hand anlege, gibt es erst einmal ein willkommensfoto von ihr. dann packe ich sie vorsichtig aus - auf alles gefasst.
sehr schnell stelle ich aber fest, dass die seitenkoffer nicht an ihrem platz sind und auch der karton fehlt.
im büro aber sagt man mir, dass sie woanders stünden. schließlich führt mich ein lagerarbeiter dort hin. der karton ist nicht geschlossen. ich ahne böses. aber dann sehe ich die fünf einzelteile.
nichts fehlt. alles ist unverletzt.

am schluss stapelt sich ein ganzer berg von verpackungsmaterial. ich konstatiere: die in lima haben sich sehr viel mühe gemacht. die 50 soles aufpreis haben sich gelohnt.
zwar kommt mir beim auspacken ein abgebrochenes plastikteil entgegen, aber das lässt sich wieder ankleben. wenn es nichts schlimmeres ist...

schnell ist sie zusammengebaut. ich betätige die zündung, und sie ist sofort da. sie strotzt vor kraft!

auf zu neuen taten

draussen ist mittlerweile die hölle los. der himmel öffnet seine schleusen und findet erst zwei stunden später ein ende.

als ich dann das gelände verlassen will, ist es wirklich verwaist. ich öffne das mittlerweile verschlossene tor, kann es aber leider nicht mehr verschließen. keine reaktion auf meine rufe - dann eben nicht.

sie ist besser als je im anzug und will scheinbar sofort richtung brasilianische grenze.

die abfahrt ist aber für montag geplant, vielleicht auch erst für dienstag.

mein besuch bei henrico ist so wie immer. freundliche und interessierte begrüßung. die anderen mecanicos schauen erkennend hoch und widmen sich dann wieder ihrer arbeit.

ob er eine idee habe, wie wir den auspuff leiser bekämen? ihm scheint etwas einzufallen, bittet mich aber am montagmorgen wiederzukommen, da er jetzt noch ein motorrad fertig machen müsse. schon um 07:30 uhr kann ich da sein.

vom timing mit dem zoll und der bank könnte das klappen.
ich schätze eine stunde arbeit.

jetzt steht sie wohlbehütet in der überdachten lobby des hostels.

11.02.

puerto mal donado steht wörtlich übersetzt für schlecht gespendeter hafen. oder frei übersetzt: der hafen für missliche geschenke?

das gibt die geschichte der stadt aber so nicht her.
viel einfacher: faustino maldonado hat 1860 diese ansiedlung entdeckt. er hat eine expedition in das amazonastiefland geleitet, ab 1861 blieb er dann aber verschollen.

einen hafen gibt es hier nicht - noch vor ein paar jahren - vor dem bau der "golden gate  bridge" - gab es einen anleger für die fähre.

ich für meinen teil bin ziemlich sicher, dass mich puerto maldonado nicht verschluckt. ich werde am dienstag dieser stadt mit gemischten gefühlen den rücken kehren.

ja - dienstag wird es werden. henrico wird seine zeit benötigen. ich hoffe sehr, dass es ihm gelingt, der vepse wieder ihre ursprüngliche stimme zurückzugeben.

das zollamt mit der bank ist der zweite programmpunkt morgen, und schließlich muss noch ein polsterer her, der die sitzbank wieder in ordnung bringt.

der heutige tag ist heiss und tropisch feuchtwarm.

aber das geld muss auch sonntags verdient werden.
von meiner "dachterrasse" konnte ich heute beobachten, wie beton gegossen wurde. nicht etwa wie bei uns, sondern in handarbeit.
der beton ist gnadenlos und ändert gern und schnell bei diesen temperaturen seine konsistenz.
6 männer sind mit schubkarren ausgestattet, die ihn quasie im dauerlauf in die bereitstehenden verschalungen gießen müssen. ohne unterlass.

in paracas habe ich beobachtet, wie die arbeiter, den beton eimerweise, über eine wacklige leiter in eine dreimeter hohe verschalung kippen mussten. ähnliche temperaturen wie hier.

der tv-lautsprecher in meinem frühstückslokal wird wohl bald sein leben endgültig aushauchen.
heute morgen musste er bis zu meinem erscheinen wieder volle leistung bringen. doch es ist nur noch getöse und gekrächze zu verstehen. er hat über viele monate - mehr kann es nicht gewesen sein - jeden tag von morgens bis abends volle leistung gebracht - sein ende ist nahe. erleben werde ich das wohl nicht mehr.

heute gehört der tag teilweise den reisevorbereitungen. die bergstiefel, die ich während meiner fahrt durch die tropen bestimmt nicht anziehen werde, sind jeweils in einem der reservemäntel untergebracht, der neue reservekanister, der 8 liter fasst, passt gerade noch zusammen mit dem 5 liter kanister in die metallbox auf den gepäckträger.

die wäscheleine auf der dachterrasse ist behängt mit feucht gewordener motorradkleidung. die reisedokumente sind alle laminiert und können weiter als solche benutzt werden.

ansonsten ist es ein ruhiger tag, der ausschließlich die abendteuer der folgenden wochen im auge hatte...


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Antworten (4)

Petra
wow!!!

Thomas
nicht auf meinem mist gewachsen. gm!!

Petra
gute Besserung - Warnzeichenstufe 3

Thomas
das kannst du laut sagen!!!

#puerto#maldonado#madre#de#dios#amazonas#vespa#vepse