Ein Tag im Yellowstone National Park
07.06. / Dienstag / Gardiner – Yellowstone National Park – Gardiner OK, der Wecker hat brav um 5.00 Uhr geklingelt und ich bin brav sofort aus dem Bett gestolpert, um durch fast...


Veröffentlicht: 02.09.2019































08.06. / Mittwoch / Yellowstone – Teton
Nachdem wir im Fernsehen einen tollen Film über den Yellowstone National Park im Winter gesehen haben, wissen wir, dass wir es echt gut haben mit unseren Temperaturen derzeit! Denn es wird hier bis -30°F (-35°C) kalt, was dann auch den Bisons zu schaffen macht. Da deren Futter Gras ist und die Schneedecke dick, müssen die schon ganz schön wühlen, um die vertrockneten Halme freizulegen, die aber einen Nährwert von Pappe haben. Dennoch wühlen die mit Hilfe ihres dicken Kopfes Löcher in den Schnee und fusseln da die Gräser raus. Nun muß so ein Koloss ja schon einiges futtern, das ist im Winter Schwerstarbeit. So wandern die Viecher dann zum Ende des langen Winters auch schon mal in Richtung der durch Geysire und Fumarolen erwärmten Gegenden des Parks. Dort aber sind die Gräser durch Mineralien und Säuren nicht wirklich gut und wenn nicht irgendwann der Frühling dann doch immer wieder kommt, würden die sich vermutlich selbst vergiften.
Wir hören mit Staunen, dass hier üblicherweise Anfang Juni alles frei von Schnee ist. Jetzt ist der 8.6. und hier ist definitiv lange nicht alles frei von Schnee. Der Winter war wirklich hart. Es gibt hier mehrere Wolfs-Rudel im Park, die einzigen Tiere, die vom langen harten Winter profitieren, weil die stetig schwächer werdenden Tiere beste Beute sind und die Wölfe wirklich gestärkt aus dem Winter hervorgehen.
Nach dem Paket Fernseh-Bildung frühstücken wir rasch im Hotel mit üblichen Papptellern, Plastikbesteck, die übliche Gummimarmelade – Highlight ist Rührei.
Es ist trocken, aber die Wolken hängen sehr tief, als wir um 10.00h loskommen. Wir freuen uns über ein paar Wolkenlöcher und fahren zu mehreren Fumarolen und Geysiren, die tolle Farben haben.
Wir fahren zum Fire Lake Drive, einem kurzen Rundweg mit einigen Quellen und blubbernden Ponds.
Überall spuckt und dampft es. Wir fahren noch einen Loop, laufen einen kleinen Trail auf den üblichen Holzstegen und sehen den Sapphire Pool mit unglaublichem Blau.
Daneben ein Geysir, der fast wie Pansen aussieht. Also nicht alles ist hier hübsch…Dauernd fallen dicke Tropfen, die Objektive trocken zu halten ist fast unmöglich und so geht’s wieder ins Auto und hoffnungsfroh zum Old Faithful.
Denn wir hoffen natürlich, daß auch dort das Wetter heute besser ist, als gestern, denn wir haben schon blauen Himmel gesehen. Es gibt ihn also doch! Also wir beim „Alten“ ankommen, beginnt es langsam aber stetig zu hageln. Sehr hübsch. Ich halte aber durch mit zwei Jacken und meiner Kamera eingewickelt in mein Fleece.
Es weht ein leckerer Wind und es ist popo-kalt. Gleichzeitig mit der Eruption geht ein massiver Hagelsturm nieder inkl. Blitz und Donner und ich renne zurück ins Visitor Center, bin aber trotzdem quatschnass und habe keine echten Fotos machen können. Jetzt bräuchte man eine Unterwasserkamera. Wir stehen hinter den riesig hohen Panorama-Fenstern und schauen dem grau-weißen Spektakel aus der Ferne zu, während langsam gefühlt 2 Liter Regen und Hagel von meiner Jacke, Hose und Kapuze tropfen.
So kommt der Film im Visitor Center gerade recht. Das Kino ist trocken und relativ warm, so dass man ein bißchen trocknen kann. Nach einer halben Stunde ist das rum und wir werden mit keinem zweiten Film beglückt. Also woanders weiter trocknen. Vielleicht im Gift Shop? Also dort hin und 100 Sachen anfassen und hoffen, daß es draußen mal trocken wird. Es gibt eine Durchsage, daß man sich bitte nicht im Freien zu lange aufhalten soll, da es eine Unwetterwarnung für das Gebiet Old Faithful gibt. Ich sage Euch: Ich bin so durch mit dem Alten, mir kann der echt gestohlen bleiben. Der mag vielleicht zuverlässig sein, aber daß ich da jedes Mal aufgeweicht werde, wenn ich bei dem warte, das muß echt nicht sein.
Wir sprinten ins benachbarte Old Faithful Inn. Das 1904 aus dicken Baumstämmen erbaute Hotel zählt zu den größten Blockhäusern der Welt. Ein aus Naturstein gemauerter, riesiger Kamin ist der Mittelpunkt der 23 Meter hohen, gemütlichen Lobby.
Das Haus hat in seinen gut 100 Jahren einige Erdbeben und auch den Brand von 1988 überstanden. Wir ergattern hier sogar zwei bequeme Lederstühle, holen uns aus der Cafeteria Kaffee und Sandwich und sitzen hier eine gute Stunde und warten dass die Sintfluten draußen versiegen. Zwei Amis schenken uns ihre Regenumhänge, die bessere Plastiktüten sind und wir hechten um kurz nach 16.00h über den großen Parkplatz zu unserem Auto.
Wieder nasse Hosen…Heizung an und „ab in den Süden, der Sonne hinterher“. Wir haben noch gut 90 Meilen zu fahren und müssen zunächst wieder über den Craig Pass mit fast 2.700 Metern Höhe.
Links und rechts liegt der Schnee locker zwei bis drei Meter hoch. Viele Wanderwege und Picknickplätze sind unzugänglich und mit mehreren Metern Schnee zugedeckt. Wir sehen die Hinweisschilder quer aus der Schneewand ragen, manchmal gucken sie gerade oben drüber. Der Regen wird jetzt weniger, aber die Schneemengen hier im südlichen Yellowstone sind gigantisch und es liegt selbst in den Ebenen noch alles unter einer dichten Schneedecke. Wir erreichen mit 35°F (1,6°C) die heutige Tiefsttemperatur. Bei 56°F (13°C) waren wir heute schon mal gelandet (10 Minuten).
Der Grand Teton National Park erwartet uns mal wieder mit Bisons und Hirschen, aber auch einem tollen Wolkenbild über dem Jackson Lake und den dahinter liegenden Bergen der Teton Range.
Der See ist im Gegensatz zum Yellowstone Lake nicht mehr zugefroren. Der kurz dahinter liegende Louis Lake ist allerdings noch ganz zugefroren. Das Tal wird bald breiter und wir sehen die tollen Berge der Teton Range auf unserer rechten Seite. Da wir selbst immer noch auf mehr als 2.000 Metern unterwegs sind, wirken die Berge trotz ihrer 4.000 bis 4.100 m Höhe gar nicht so gigantisch hoch, aber sind sehr imposant.
Wir fahren durch den kleinen aber sehr lebendigen Ort Jackson hindurch, über den Snake River hinüber und müssen nach Teton Village, einem Wintersportort, um dort den Schlüssel für unser Apartment zu holen. Jackson mit seinen bunten Geschäften und Menschen auf der Straße ist der belebteste Ort, den wir seit etwa einer Woche zu sehen kriegen.
Die Wohnung in der Anlage „The Aspens“ liegt zwischen Jackson und Teton Village. Wir haben dies über Expedia gebucht. Die Wohnung ist zweistöckig mit einer offenen Küche im unteren Stock, einem Wohnzimmer mit Kamin und einem Zimmer mit zwei Betten. Im oberen Geschoss gibt es ein großes Zimmer und es gibt auf jeder Ebene ein Bad. Hier bleiben wir nun 3 Nächte und freuen uns, dass es so klasse ist.
Wir fahren in den kleinen Ort Wilson, der etwa 10 Minuten entfernt liegt und gehen rustikal und teuer essen. Möglich, daß hier alles teuer ist? Na jedenfalls ist die Tortellini-Portion so groß, dass wir die Hälfte mitnehmen und für morgen haben. Den Abend verbringen wir auf den riesigen Sofas im Wohnzimmer.