USA - Der wilde Westen
USA - Der wilde Westen
vakantio.de/usa_der_wilde_westen
Zuletzt in Stuttgart

Der größte Drugstore, der Badlands Nationalpark und die Stadt von Buffalo Bill

Veröffentlicht: 02.09.2019

03.06. / Freitag / Hill City – Badlands National Park – Deadwood

Um 7.30h rollen wir vom Hotel weg und steuern Richtung Badlands National Park. Die Fahrt führt zunächst nach Keystone, was angeblich deutlich größer als Hill City sein soll und mehr für Touristen bietet. Der Ort hat 789 Einwohner, Hill City hatte 311. Es gibt zwar einige Hotels und Restaurants mehr, als in Hill City, aber der Ort sieht letztlich wie eine verlängerte Version von Hill City aus. Wir haben also nix verpaßt und ich weiß einmal mehr, dass man diesen Werbeprospekten nicht glauben soll, wenn alles wieder als ganz toll, historical oder „has it all“ beschrieben wird. In Wirklichkeit ist das alles Einheitsbrei und kaum beeindruckend.


Den Highway in die Badlands kann man zwar schnell fahren, aber die Strecke ist sehr langweilig. Rechts und links nur Weiden, Weiden, Weiden. Die Straße ist schnur-gerade. Kurz vor dem Nationalpark fahren wir in einem Mini-Ort namens Wall ab. Der Ort hat seinen Ursprung in einem Drug-Store (Wall-Drug), der 1931 eröffnet wurde. Heute hat dieser Drugstore einen kompletten Straßenblock eingenommen und ist eine Holzbude gigantischen Ausmasses, in dem es alles von Baby-Windeln bis zu Pistolen-Gürteln, unzähligen Souvenirs und Eiskrem gibt. 




Kaffee für 5 Cent und kostenloses Eiswasser waren von jeher die Lockmittel für Kunden und sind es heute noch. Die Läden gehen ineinander über, man läuft auf knarzenden Holzbohlen und wir gucken staunend auf das Sammelsurium von Verkaufsartikeln. Jeder Cowboy kann sich hier einkleiden und auch für’s Rodeo rüsten.







Kurz vor 10.00h morgens fahren wir ab. Ohne etwas gekauft zu haben, was uns sicher ziemlich einzigartig macht, denn hier stehen selbst Reisebusse (vermutlich als Stopp vor dem Nationalpark). Zudem haben wir mindestens 100 Werbeschilder neben dem Highway gesehen, den wir bis hierher gefahren sind.

Ein paar Minuten später stehen wir im Badlands National Park am ersten Ausguck. Unwirtliches Gelände hellen und porösen Steins und Sandes hat hier noch Hügel und ulkige Formen gebildet, die durch Regen und Wind kontinuierlich abgetragen werden. Wenn wir also in 100 Jahren das Monument von Crazy Horse in der Nähe besuchen, werden die Badlands schon deutlich kleiner sein.




Auch hier wurden einige Teile des Films „Der mit dem Wolf tanzt“ gedreht. Wir fahren entlang von Wiesen mit verschiedenen Gräsern, einige glänzen silbrig in der Sonne und wenn sich diese Gräser im Wind wiegen, sieht es aus wie eine Wellenbewegung eines Meers.

Wir sehen wieder jede Menge Prärie-Hunde und wir machen – trotz konstanter Warnhinweise, daß die Viecher die Pest haben – nette Fotos. Die Tiere pfeifen und schlagen mit dem Schwanz, um ihre Genossen zu warnen. Ihre unterirdischen Gänge sind sicher riesige Gebiete und wir sehen sie immer wieder in Löchern verschwinden und wieder auftauchen. Beim nächsten Punkt besagt ein Schild, dass es hier Klapperschlangen gibt. 

Prarie dog / Prärie-Hund


Gestern in den Black Hills haben wir eine recht kapitale Schlange gesehen, aber einer Klapperschlange möchte ich nicht begegnen. Die Tiere halten sich gerne in Wärme und in der Nähe von Prärie-Hunden auf. Vermutlich schmecken die gut.

Wir fahren 15 Meilen auf einer nicht asphaltierten Straße quer durch den Park und kommen dicht an großen Bisons vorbei. Wir sehen noch mehr Pronghorns, Schlangen an der Straße (auch platte) und Prärie-Hunde. Um 18.30h verlassen wir die Badlands und steuern Richtung Westen. Wir fahren an Rapid City vorbei nach Deadwood, was uns die beiden Amerikaner empfohlen hatten, die wir neulich in Aspen getroffen hatten. Ich bin etwas skeptisch, weil es eine Casino-Stadt ist und vielleicht deswegen den Amis so gut gefallen hat. Allerdings ist die Stadt berühmt, weil sie Unmengen in die Renovierung der historischen Gebäude der Main Street investiert hat. Ende des 19. Jahrhunderts war die Stadt durch den Gold-Boom entstanden – damals ein Sündenbabel mit Bordellen und Bars. 

Deadwood




Berühmte Bewohner der Stadt waren der Revolverheld Wild Bill Hickok, der mit Buffalo Bills Wild West Shows in Europa war. Wild Bill war kein wirklich friedlicher Zeitgenosse - er soll an mehreren Schießereien beteiligt gewesen sein und mindestens acht Menschnleben gehen auf sein Konto. Eigentlich war er wohl eher Landstreicher. Jedenfalls sagt dies die Geschichte - denn er wurde deswegen mehrfach angezeigt. Wenn das Einkommen als Landstreicher reichte, war er Zocker. Als solcher tauchte er in Deadwood in den 1870er Jahre auf, wurde aber dort im Saloon No. 10 ermordet, während er pokerte. Das Blatt, das er auf der Hand hielt war eine Dame, zwei Asse und zwei Achten - dieses Blatt wird seitdem "Dead Man's Hand" genannt. 


Es wird also bleihaltig hier in Deadwood, denken wir noch – und stehen plötzlich in einer riesigen Baustelle. Deadwood im Umbau. Na super. Zudem wird ein Marathon beworben und uns schwant schon, dass es hier eng werden könnte. Im Visitor Center, das um 17.00h schließt, kriegen wir 8 Minuten vor der Schließung noch den Hinweis auf die zentrale Reservierung im Nachbargebäude und dort bestätigt sich die Befürchtung, daß Deadwood ausgebucht ist, jedenfalls in unserer Preiskategorie. Da wir also keine 130 Dollar + Steuern ausgeben wollen, entscheiden wir uns für einen 13 Meilen entfernten Ort namens Spearfish. Ich frage mich, wie ein Ort in den Bergen diesen Namen erhalten kann. Vielleicht hat man hier mit Speeren Fische in Flüssen erlegt?

Bevor wir dahin aufbrechen, bummeln wir durch Deadwood (auch ein hübscher Name…). Auch hier beschränkt sich die Stadt auf eine Straße, die aber wirklich recht hübsch hergerichtet ist. In den historischen Gebäuden sind aber üble Souvenir-Läden oder Restaurants. Egal was, fast jedes Haus hat eine gewisse Anzahl von Glücksspielautomaten. Sofern es Hotels oder auch Bars sind, kann man den Eingangsbereich meist gar nicht ausmachen, weil vorher so viele Automaten stehen. Nicht wirklich mein Ding. 


Um 18.00h gibt es eine kleine Westernshow, mit einer Schießerei, die wir uns ansehen. Nachgestellt wird die Zeit um Buffalo Bill und natürlich Wild Bill Hanckok.

Deadwood Shootout / tägliche Westernshow in der Main Street




In Spearfish checken wir in ein riesiges Zimmer ein und gehen gegenüber im Applebee’s essen. Vor unserem Hotel steht ein Truck mit einem kompletten Haus auf dem Hänger. Auf dem Highway haben wir das ja schon mal gesehen, hier kann man durch die Fenster in voll eingerichtete Zimmer gucken. Ob die Möbel wohl festgeschraubt sind?


USA - Der wilde WestenFolge diesem Blog und verpasse keine neuen Beiträge.
Antworten

USA
Reiseberichte USA
#usa#badlands#south_dakota#deadwood#wall_drug