Tag 20/21 - erschreckend
20./21.05.19 Der Grund warum die beiden Tage zusammengefasst werden ist nicht, das wir faul werden, sondern, dass sie sich so ähneln, dass es absurd und langweilig wäre, zwei...


Veröffentlicht: 24.05.2019
22.05.19
Nach einer, für mich, eher lückenhaften Nacht steht uns heute ein besonderer Tag bevor. Nach 11 Tagen verlassen wir unser lieb gewonnenes Domizil und damit auch die Insel. Auf Zehenspitzen tapse ich über die Fliesen, in voller Erwartung, einen der gestern entdeckten Gäste heute wiederzusehen. Doch alle tierischen Besucher sind nicht aufzufinden und ich belasse es gerne bei diesem Ergebnis. Wir schmeißen uns unsere gepackten Rucksäcke über, legen den Schlüssel ab und verlassen den Bungalow.
Die Hunde von unserer Unterkunft sind schon draußen, freuen sich uns zu sehen und begleiten uns die (öffentliche) Straße vom Camp bis hin zur Hauptstraße – ca 500 Meter.
Es ist erst 07:15 Uhr - wir haben uns wieder dafür entschieden zu gehen, weil wir zu geizig waren Geld für ein Taxi auszugeben. Zusätzlich wollten wir auf dem Weg eh noch den Kurz’schen Fahrtproviant und Kaffee besorgen. Wir kommen am Pier an, erledigen die erwähnten Einkäufe, holen uns unsere Tickets nach Krabi und gesellen uns zu der Traube unglaublich verschlafener Backpacker an einem Unterstand. Obwohl dort gut 20 Leute sitzen sagt keiner irgendetwas. Ein Backpacker dreht sich in Seelenruhe einen großen Joint – erst Mal wach werden! Offensichtlich sind wir nicht die Einzigen, für die diese Zeit etwas außerhalb der Norm liegt.
Pünktlich um 08:45 Uhr legt die Fähre an und wir können an Bord gehen. Wir machen es uns im Innenraum gemütlich und verbringen die 150 minütige Überfahrt mit Handyspielen und Podcasts. Als sich die Fähre dem Festland nähert, kann man schon die typisch thailändischen Kalkfelsen erahnen, welche wie Zähne aus dem Wasser ragen – surreal.
Wir legen gegen 11:45 Uhr an unserem Zielort an, von hier aus soll es mit einem Van/Bus weitergehen, mehr wissen wir nicht. Absolut desorientiert irren wir mit allen anderen Passagieren auf einem großen Parkplatz umher, in der Hoffnung von irgendjemandem angesprochen zu werden, der einem sagt, in welches Gefährt man steigen muss. Nach wenigen Minuten erspäht ein Koordinator unsere Bruststicker mit der Aufschrift „Krabi“ und bittet uns in den fast komplett ausgebuchten Van zu steigen. Wir tun wie geheißen und stellen uns auf eine gut 5 stündige Weiterfahrt bis nach Krabi ein, so steht es zumindest auf unseren Tickets. Wir fahren nach Surath Thani, das liegt zwar nicht so richtig auf der Route, wir gehen aber davon aus, dass hier einige Passagiere rausgeschmissen werden, die mit dem Flugzeug weiterreisen wollen. In der Stadt angekommen, hält der Van um 13:30 Uhr an einer vierspurigen Straße. Der Fahrer dreht sich um und weist Jonna und mich darauf hin, dass wir hier aussteigen müssen. Mehr liegend als sitzend werden wir von dieser Nachricht etwas überrumpelt und packen hektisch unsere Sachen zusammen. An dieser unfassbar nichtssagenden Busstation empfängt uns ein älterer Herr; er sagt uns, dass wir hier warten müssten und, dass es in einer halben Stunde von hier aus weitergingen – „Ähm, Na gut“ – Es ist ein sehr komisches Gefühl, sich so sehr in Abhängigkeit zu bewegen, vor allem, wenn man in einem fremden Land ist und keinerlei Kenntnis über Ablauf und Organisation hat.
Kurz vor Ablauf der halben Stunde, bittet uns der ältere Herr in seinen Pickup zu steigen. Er sagt uns, dass hier normaler Weise durchschnittlich 15 Backpacker warten, weswegen der Bus zu dieser Station kommt und die Passagiere einsammelt. Da wir heute aber nur zu zweit sind und es sich bei dem Busfahrer laut des Mannes um einen „Lazy Guy“ handelt, werden wir zum Bus-Terminal gefahren. Auf der Fahrt plaudern wir ein bisschen mit dem, sehr gut Englisch sprechenden Mann. Er gibt uns einige hilfreiche Tipps, setzt uns direkt vor unserem Bus ab und weist den Busfahrer darauf hin, wo er uns denn rauszuwerfen hat. Um 14:30 Uhr startet der Fahrer die Motoren, wir suchen uns Plätze und unsere Reise geht weiter – zwei Stunden und dreißig Minuten soll es dauern.
Der Busfahrer, der rauchend unter einem „Rauchen verboten“ Schild sitzt, hupt gerne. Ich würde sogar sagen: Die liebste Beschäftigung des Busfahrers ist hupen. Er hupt in folgenden Situationen:
Vor einer Kurve.
Nach einer Kurve.
Vor jedem Menschen am Straßenrand, der ansatzweise den Eindruck macht, er wolle mitfahren.
Vor jedem Überholmanöver.
Vor jeder Kreuzung/Abbieger.
Man kommt, ohne zu übertreiben, auf einen Durchschnitt von gut 15 Hupsignalen pro Minute. Dabei ist nicht die Rede von einem kurzen Signal. Wenn gehupt wird dann in 3er, bzw, 4er Gruppen – Ich werte es trotzdem als ein Signal. Davon abgesehen ist der Fahrt in dem etwas in die Jahre gekommenen Gefährt entspannt. Als wir in der Region Krabi angekommen sind, warten wir, Erfahrungsgemäß, jede Sekunde darauf, dass wir aufgefordert werden, auszusteigen. Wir kommen um 17:00 Uhr am Bus-Terminal Krabi an und steigen aus. Wenige Meter weiter steht der Nächste „Bus“ (Pick-Up mit Sitzbank auf der Ladefläche), den wir laut altem Mann in Surat Thani und Busfahrer nehmen sollen und, der uns zu unserer Unterkunft bringt. Der Pick-Up Fahrer ist sehr nett und zurrt unsere Rucksäcke außen an der Ladefläche fest. Neben uns sitzen noch 4 andere einheimische Frauen in dem Gefährt.
Die Fahrt, auf der einige Passagiere zu- und aussteigen, macht eine kurze Pause in Krabi. Wir warten ca 15 Minuten, bis das Shuttle komplett gefüllt ist (jeder hat solide 30 cm Platz zum sitzen). Kurz bevor es jedoch weitergeht, warten wir auf ein Mädchen, was kurz ausgestiegen ist, um an einem Straßenstand zwei „Krabi“-T-Shirts zu kaufen. Nachdem der Erwerb abgeschlossen ist, gesellt sich die Dame wieder zu uns und es geht weiter.
Als wir Krabi verlassen folgt die wohl schönste Fahrt, die ich jemals gemacht habe. Wir schlängeln uns durch die riesigen, dicht bewachsenen Kalkfelsen, welche durch die Abenddämmerung rötlich leuchten. Ich komme mir vor wie auf Pandora (Avatar) und bin mir sicher, dass die Filmschaffenden durch diese Landschaft inspiriert wurden.
Der Fahrer hatte uns vorher gefragt, wo unsere Unterkunft ist, weshalb er uns netterweise an einer Straßenecke rauslässt, von der aus wir nur noch wenige Minuten zu unserer Unterkunft (Lake Side Resort) gehen. An der Rezeption angekommen, weist man uns schnell unseren Bungalow zu und wir ziehen ein. Beide etwas hungrig von den Fahrten, machen wir uns auf den Weg zurück zur Hauptstraße und essen dort etwas. Jonna Burger mit Pommes (1,60€, 8/10) und ich irgendein scharfes Hähnchengericht mit Reis und Essig (1,40€, 8/10). Die Portionen sind klein, aber es reicht.
Schon als uns der Fahrer an einer großen Moschee abgesetzt hat, fiel uns auf, dass hier außerordentlich viele Muslime leben. Die Tatsache, dass hier kaum Alkohol ausgeschenkt wird und jegliches Essen „halal“ ist, bestärkt das Bild. Nach dem Essen erleben wir unter Gesang des Muezzins die letzten Minuten eines Nachtmarktes und machen uns danach wieder auf den Heimweg.
- Alex
