Wo ist Bernie
Abenteuer ist, wenn man nicht weiß, wie es ausgeht. Wie aber nennt man eine Unternehmung, von man nicht einmal weiß, wie sie anfängt? … sei dem, wie es wolle - Der Flug nach...


Veröffentlicht: 28.04.2023
Zunächst das Wichtigste:
Bernie war am Flughafen und alles war so wie vorhergesagt.
Das heißt nicht alles: Er und seine Frau Joyce wohnen in einem Lehmhaus, einer modernen Ausführung dessen, was seit Jahrhunderten hier traditionell gebaut wird. Für einen Holzhausbewohner aus dem eher konservativen Oberbayern, wo ein solches zwar traditionell wäre, aber längstens keine Selbstverständlichkeit ist, quasi geistige Geschwister.
Dass die beiden dann gebildet und aufgeschlossen sind, wundert einen dann schon lange nicht mehr und ungeachtet der Tatsache, dass ich bereits 24 Stunden auf den Beinen war, dauerten die Gespräche noch bis Mitternacht (Mountain Time) - wie müder kann man denn noch werden.
Am Morgen ging es dann hoch neugierig in die Garage und auch am Motorrad gab es nichts zu meckern. Ein wenig mussten wir noch schrauben, um den Hobel für mich passend zu machen und der größte Teil des Tages wurde damit verbracht, Gepäcklösungen zu finden, denn man möchte nicht glauben, was da alles mit muss. Und das Verfahren, das ich für mein Motorrad zuhause entwickelt hatte, ließ sich hier nicht umsetzten. Aber irgendwie geht alles und eine Amerikanische SIM Karte habe ich auch schon, zusammenfassend: Ein Kleinkramtag.
Jetzt sitze ich am Esstisch, schaue auf die Wüstenstadt Albuquerque, der vor kurzem noch strahlende Himmel ist wolkenverhangen und man kann wohl darauf warten, wann es zu regnen beginnt. Und dass es in einer Wüstenstadt immer warm sein soll, ist auch ein böswilliges Gerücht.
Soll ich dennoch heute los oder die beiden fragen, ob ich ihnen noch eine Nacht auf den Geist gehen darf?
Anmerkungen zur Fortbewegung
Frauen mit Motorrädern vergleichen geht gar nicht, aus sehr guten Gründen. Aber umgekehrt? Wenn nicht Böses dabei rauskommt, geht´s schon ein bisschen; schließlich ist da ja immer noch das Emotionale.
Also: Ich fahre hier mit einer BMW 800 GS. Gestern habe ich sie ausprobiert und war durchaus angetan: Man kann mit ihr ohne Ruckeln und Zuckeln ganz langsam fahren, auf einem Teller wenden, selbst ruppige Langsamfahrschwellen in Wohngebieten übersteigt sie geradezu unmerklich und wenn dann doch einmal etwas mehr Wumm gefragt ist, beim Überholen zum Beispiel, geht auch das sehr ordentlich. Sie ist sicher eine perfekte Begleiterin, zuverlässig, robust und ohne Zicken.
Sie ist wie die treue Banknachbarin in der 9. Klasse, die immer die Hausaufgaben hatte, immer abschreiben ließ, selbst in hochriskanten Prüfungssituationen - nie so richtig schlecht gelaunt war und im Notfall sogar das Pausenbrot teilte. Nur war sie halt nicht die Klassenschönheit, mit der jeder gerne etwas gehabt hätte.
Mit meiner Yamaha, die zuhause im Schuppen steht, wäre ich hier genauso perfekt unterwegs und wenn es so richtig wild her geht, sogar noch etwas besser. Indes, manchmal neigt ihr Verhalten doch ein wenig zum Kapriziösen, aber wer würde dies einer schlanken japanischen Schönheit nicht gerne nachsehen.
